Stabile Versorgung Nonstop-Ökostrom soll gezielt gefördert werden

Ökostromanlagen und Speicher müssen bald durchgehend Energie liefern, damit die Versorgung nicht zusammenbricht. Ein deutscher Ökopionier schlägt nun ein Gesetz vor, das dazu Anreize bietet.
Windrad in Hannover

Windrad in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Wind- und Solarenergie gelten als besonders umweltfreundliche Formen der Energieerzeugung, doch ihre Energie ist bislang nicht immer verfügbar, wenn sie gebraucht wird. Ein renommierter deutscher Thinktank schlägt deshalb ein Gesetz vor, das durchgehende Strom- und Wärmelieferungen aus erneuerbaren Energien gezielt fördert.

Versorger, die in der Lage seien, zu jeder Stunde des Jahres erneuerbare Energien zu liefern, sollten eine Prämie erhalten, heißt es in einem Papier der Energy Watch Group, das dem SPIEGEL vorliegt. Der Vorschlag stammt nicht von irgendwem: Der Chef der Denkfabrik, Hans-Josef Fell (Grüne), gilt als Miterfinder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das den Ausbau von Wind-, Solar- und Biomassestrom in Deutschland fast zwei Jahrzehnte lang maßgeblich geprägt hat.

Wie beim EEG sollen Anbieter auch bei der neu vorgeschlagenen Regelung eine fixe Vergütung bekommen. Pro Kilowattstunde sollen es laut dem Vorschlag acht Cent sein. Die Einkünfte aus dem Verkauf des Ökostroms wären so besonders attraktiv und sicher.

Es gibt bereits jetzt Versorger, die Wind- und Solaranlagen sowie Speichertechnologien kombinieren, um ihren Kunden zu jedem Zeitpunkt hundertprozentigen Ökostrom zu liefern. Solche sogenannten Kombikraftwerke erhöhen die Versorgungssicherheit. Dank ihnen können klimaschädliche Kohlekraftwerke vom Netz, die bislang das System stabilisieren müssen, wenn die Sonne zu wenig scheint und der Wind zu wenig weht.

Perspektive für ältere Ökostromanlagen

Bislang bemühen sich nur die wenigsten Versorger um solche Kombilösungen. Denn sie bekommen für ihren Strom ja auch dann Fördergeld, wenn sie nichts fürs Gesamtsystem leisten.

Das von EEG-Miterfinder Fell vorgeschlagene Gesetz würde die Lage am Markt verändern. Versorger, die zu jeder Stunde des Jahres bedarfsgerecht und systemdienlich Ökostrom einspeisen, hätten plötzlich einen finanziellen Vorteil.

Das würde nach Fells Einschätzung auch dazu führen, dass bereits vorhandene Ökostromanlagen in Kombikraftwerke integriert werden. Gerade für die bis zu 15.000 älteren Anlagen in Deutschland, die bald aus der regulären EEG-Förderung fallen, wäre dies eine attraktive Perspektive.

Fell will seinen Vorschlag bald den Fraktionen im Bundestag präsentieren. "Das Gesetz würde Tausenden Start-ups einen Markt schaffen, die mit innovativen Systementwicklungen für Speicher, digitale Steuerungen, Ökostromerzeugung und Sektorenkopplung in den Startlöchern stehen", sagt er.

Eine entsprechende Förderung könne auch dazu beitragen, sowohl die von der Corona-Pandemie verursachte Wirtschaftskrise zu lindern als auch die globale Klimakrise zu bekämpfen.