Umstrittene Pipeline Dänemark erteilt Genehmigung für Nord Stream 2

Der Weiterbau der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland hat eine entscheidende Hürde genommen. Dafür hat der Betreiber einen gehörigen Umweg in Kauf nehmen müssen.
Arbeiten für Nord Stream 2 in der Ostsee: Ringen um die Route

Arbeiten für Nord Stream 2 in der Ostsee: Ringen um die Route

Foto: Stine Jacobsen/REUTERS

Nord Stream 2 dürfte nun nichts mehr im Wege stehen: Dänemark hat den Bau der umstrittenen Gas-Pipeline in dänischen Gewässern genehmigt. Wie die dänische Energiebehörde mitteilte, darf ein langer Teil der Pipeline auf dem dänischen Kontinentalsockel südöstlich von Bornholm durch die Ostsee verlaufen.

Damit ist nun die letzte noch ausstehende Genehmigung für die Fertigstellung der Pipeline erteilt. Alle anderen betroffenen Ländern hatten dem Bau bereits früher zugestimmt. Nord Stream 2 soll Ende des Jahres fertig sein, die dänische Zustimmung für die mehr als 1200 Kilometer lange Pipeline hatte aber gefehlt.

In Dänemark war die Kritik an dem auch in anderen Ländern höchst umstrittenen Projekt zuvor groß. Es gab mehrere Versuche, die Bestrebungen durch ein Gesetz zu verhindern. Es wurde mit übergeordneten nationalen Interessen argumentiert. Die Pipeline-Firma hatte wohl auch deshalb zuletzt eine angedachte Route durch dänische Hoheitsgewässer wieder aufgegeben - und einen großen Bogen um die Insel Bornholm in Kauf genommen.

Einer anderen, ebenfalls südlich verlaufenden Alternative hat die dänische Energiebehörde nun zugestimmt. Dabei handle es sich nicht um die Wunschroute, sondern eine mehrere Kilometer längere Route durch die Ausschließliche Wirtschaftszone, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Energiebehörde begründete ihre Entscheidung für diese Route mit weniger Auswirkungen auf den Schiffsverkehr und mit Naturschutzgründen. Sie sei auch einer nordwestlich verlaufenden Alternative vorzuziehen.

Weitere Pipeline nach Polen genehmigt

Hinter Nord Stream 2 steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen: die BASF-Tochter Wintershall, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und die französische Engie. Die Behörden in Russland, Finnland, Schweden und Deutschland hatten dem Projekt bereits vor Dänemark zugestimmt.

Nord Stream 2 wird jedoch von den USA sowie einigen osteuropäischen und baltischen Staaten kritisiert. Sie fürchten, die Gasleitung könne die Abhängigkeit Mitteleuropas von russischer Energie verstärken. Die deutsche Bundesregierung steht trotzdem hinter dem Projekt und hofft auf Versorgung mit preiswertem Gas - jährlich sollen 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Rohre nach Deutschland fließen.

US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, Sanktionen prüfen zu wollen - und sich selbst als Energiepartner ins Spiel gebracht. Außer in Dänemark gab es zuletzt auch in Polen Kritik an dem deutsch-russischen Projekt. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Dänemark nur wenige Tage vor der Genehmigung von Nord Stream 2 noch eine weitere Pipeline genehmigte  - die nach Polen führen soll.

Durch die Baltic Pipe soll Erdgas aus Norwegen nach Polen transportiert werden. Die Erdgasleitungen sollen sich in der Ostsee kreuzen. Die Kapazität der Baltic Pipe soll allerdings deutlich geringer ausfallen - durch sie sollen etwa zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr fließen.

mmq/apr/Reuters/dpa