Gas-Pipeline "Nord Stream" EU-Kommission stellt sich gegen Bundesregierung

Die Nord-Stream-Pipeline entzweit Europa. Die EU-Kommission will völlig neu über die umstrittene Gasleitung nach Deutschland sprechen. Vizepräsident Sefcovic warnt vor zu großer Abhängigkeit von Russland.
Kommissionsvize Sefcovic: "Pipeline würde Versorgung grundlegend verändern"

Kommissionsvize Sefcovic: "Pipeline würde Versorgung grundlegend verändern"

Foto: Simela Pantzartzi/ picture alliance / dpa

Das Nord-Stream-Projekt sorgen seit mehr als zehn Jahren für Streit in Europa: Die zwei Pipelines, die Gas von Russland nach Deutschland transportieren, sollen um zwei weitere Röhren erweitert werden. Osteuropäische Staaten ärgern sich darüber, weil sie mit der See-Pipeline umgangen werden.

Nun fordert der Vizepräsident der Europäischen Kommission Maros Sefcovic einen Neustart der Debatte über die umstrittene Nord-Stream-2-Pipeline. Die verschiedenen Parteien müssten gemeinsam eine "möglichst vernünftige und günstige Lösung finden", sagte Sefcovic im Gespräch mit der FAZ.

Das könne der geplante Ausbau von Nord Stream sein. Die Lösung könne aber auch sein, bestehende Pipelines besser auszunutzen und andere Lieferquellen, nicht zuletzt die Versorgung mit Flüssiggas, auszubauen.

Sefcovic warnt vor Abhängigkeit von Russland

Der Slowake ließ keinen Zweifel daran, dass er Nord Stream 2, mit dem die Kapazitäten der bisherigen Nord-Stream Pipeline zwischen Russland und Deutschland verdoppelt würden, für ein eher politisch als wirtschaftlich motiviertes Projekt hält. Zudem gebe es starke rechtliche Bedenken.

"Der Bau der Pipeline würde die Gasversorgung Europas grundlegend verändern", warnte Sefcovic. "80 Prozent des aus Russland importierten Gases würde über eine einzige Route fließen". Das könne nicht im Sinne der Versorgungssicherheit der EU sein.

Sefcovics Kritik richtet sich auch an die deutsche Bundesregierung. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt sich für Nord Stream ein, weil weitere Röhren die deutsche Versorgungssicherheit erhöhen würden. Russlands Gas würde künftig nicht mehr durch die politisch instabile Ukraine fließen.

Die EU-Kommission will Europas Gasversorgung dagegen weniger abhängig von Russland machen. Sie hatte zuletzt 14 Projekte definiert, mit denen sie dieses Ziel fördern will.

ade
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