Trotz Sanktionen Tanker mit Diesel aus Russland steuern Nordkorea an

Umgeht Russland die Sanktionen gegen Nordkorea? Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters haben nordkoreanische Tankschiffe von Russland aus ihr Heimatland angesteuert. Die Ladung: Kraftstoff.

Kim Jong Un
REUTERS

Kim Jong Un


Mindestens acht nordkoreanische Tanker haben in diesem Jahr von Russland aus ihr Heimatland angesteuert, obwohl sie ein anderes Ziel angegeben hatten. Die Ladung: Diesel. Das geht aus einer Auswertung von Schiffsbewegungen durch die Nachrichtenagentur Reuters hervor.

US-Vertreter sehen in den Kursänderungen ein Muster, mit dem Nordkorea die internationalen Sanktionen wegen des Atomprogramms zu umgehen versucht. Zu der Vertuschungstaktik gehöre auch ein schwer zu durchdringendes Geflecht an Firmen, die an den Transporten beteiligt seien, was die Überprüfung der Sanktionseinhaltung erschwere, hieß es.

Die acht kleinen Tanker mit Nutzlastkapazitäten zwischen 500 bis 2000 Tonnen stachen demnach von Wladiwostok oder Nachodka aus in See. Alle in Wladiwostok beladenen Schiffe hatten Diesel an Bord, sagte ein Insider eines dortigen Hafendienstleisters zu Reuters.

Als Ziele wurden China oder Südkorea angegeben. Tatsächlich wurden die Tanker vor den nordkoreanischen Häfen Kimchaek, Chongjin, Hungnam oder Najin geortet. Kein einziges Schiff steuerte den Daten zufolge China an. Die meisten kehrten später nach Russland zurück.

Russland schweigt zu verdächtigen Schiffsbewegungen

Das russische Außenministerium wollte sich zu den Vorgängen nicht konkret äußern. Man halte sich an die Sanktionen, hieß es lediglich. Das US-Außen- und Finanzministerium wollten sich ebenfalls nicht äußern.

Nordkorea hat trotz mehrerer Uno-Resolutionen wiederholt Atomwaffen und Raketen getestet. Daher wurden die Sanktionen gegen das Land immer wieder verschärft, zuletzt am 11. September. Darin enthalten sind weitere Beschränkungen von Öllieferungen.

Die russischen Lieferungen von Öl- und Ölprodukten nach Nordkorea sind deutlich geringer als die von China, dem einzig verbliebenen Verbündeten der Führung in Pjöngjang. Allerdings hat auch China seine Lieferungen zurückgefahren.

Russlands Gesamthandel mit Nordkorea hat sich im ersten Quartal 2017 mehr als verdoppelt auf einen Wert von umgerechnet 31,4 Millionen Dollar.

ssu/Reuters



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volker.ollesch 20.09.2017
1. Sanktionen ggü Nordkorea
Mich wundert einerseits, dass man so gut informiert ist ("8 kleine Tanker", "31,4 Mio $ Umsatz",,..), andererseits aber eine Weltuntergangsstimmung verbreitet. Was sind ein paar Hundert oder Tausend Tonnen bei einem Land von über 20 Mio Einwohner. Nur einen Panzer zu starten verbraucht schon fast 100 Liter. Mit dem Kraftstoff kommt NK vermutlich nur einige Tage weit. Aber natürlich ist jeder Liter Kraftstoffimport einer zuviel. Viele wichtiger wäre zu informieren, was NK an eigenen Rohstoffen hat (Kohle, Gas,...) und deren Verflüssigungskapazitäten. Zudem werden nicht alle Petrochemische Werke unterirdisch sein....
DieHappy 20.09.2017
2.
Wirtschaftliche und sonstige Beziehungen von Russland zu NK sind nichts neues. Business as usual. Schon vor 3 Jahren wurde NK in Russland freundlich empfangen und NK Arbeiter schuften in Sibirien: https://www.igfm.de/news/article/russland-baut-nordkorea-beziehungen-aus/ Und zu einem Jahrestag hat Putin Kim auch noch hofiert: http://www.focus.de/politik/videos/besuch-in-russland-geplant-kremlchef-putin-hofiert-nordkoreas-diktator-kim-jong-un_id_4411401.html Und nun, wo Kims Raketen über Japan und H-Bomben den Frieden der ganzen Welt bedrohen, liefert der Staatsmann Putin getarnt Diesel an diesen netten Herrn. Dass die gesamten Raketen Kims russ./sowjetischen Types sind, ist bestimmt die USA Schuld. Ach ne, die Weltmacht Ukraine soll das ja angeblich gewesen sein, wenn man dem Kreml glaubt. Und wie glaubhaft der ist, sieht man ja gerade hier und an seinen getarnt/gelogenen Schiffen. Und dann warnt Putin auch noch besorgt vor Eskalation und spielt den Diplomaten. http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-08/nordkorea-raketenabschuss-vereinte-nationen-russland-suedkorea-usa
frenchie3 20.09.2017
3. Ist doch logo
Sind die Frachtpapiere ausfuhrfertig gemacht schaut doch keine Wutz mehr wo der Dampfer hindampft. Allerdings können die Winzpötte auch nicht wesentlich mehr als eine Supermarktkette beliefern. Die Russen sind erst mal fein raus und bis denen keiner nachgewiesen hat (Beweise sind so was von Fake News) daß der Sprit in Korea landet machen die "ganz normalen" Außenhandel. Ich hoffe die finden mal einen Raketensilo mit Klappenöffnung Richtung Moskau, eher tut sich da nix. Und wenn der Staat nicht mit drin hängt, die Privatwirtschaft in Russland.... na ja
michael.mittermueller 20.09.2017
4. Kein Embargo ist friedlich. Miteinander reden auch.
Hat man beim SPON schon mal darüber nachgedacht, was die IAEA dazu sagt, wenn die USA taktische Atomwaffen nach Südkorea verlegt ? Letzlich ist dies doch eine Form der Weitergabe von Atomwaffen an Drittstaaten. Ich empfinde da Treibstofflieferungen und Öl für Heizungen weitaus unkritischer für die Sicherheitslage der Welt als die Einfuhr taktischer oder gar strategischer Gefechtsköpfe nach Japan oder Südkorea. Umgekehrt wäre ein Heizöembargo, das den Tod von tausenden von Menschen verursachen kann aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen. Dual Use heißt eben auch für friedliche Zwecke. Und im Hungerjahr 2014 und in den Hungerjahren 1998 ff sind eigentlich doch schon genügend Nordkoreaner gestorben. Oder etwa nicht ? http://www.dw.com/de/japan-atomwaffen-im-friedensstaat/a-2251418 https://www.radio-utopie.de/2017/09/12/weltsicherheitsrat-weitere-sanktionen-gegen-nordkorea-einstimmig-angenommen/ Ich halte die Embargopolitik generell für falsch. Sie hat im Falle des Iraq versagt. Und angesichts der Tatsache, dass sowohl Indien, als auch Pakistan mit Atomwaffen ausgerüstet sind, sollte die Frage erlauben ob man hier ebenfalls mit einem Embargo etwas erreicht hätte ? Und wenn, dann bitte was ? Ein Land das Atomwaffen baut wird sich durch ein Embargo wohl kaum zum Einlenken zwingen lassen. Es sei denn es hat etwas zu gewinnen. Insofern wäre es besser, sich um diese Seite zu kümmern. Was kann Nordkorea gewinnen. Und nicht, was kann man den Menschen dort noch alles wegnehmen. Die Rückkehr zu Paradigmen des kalten Kriegs und der Zeit davor jedenfalls ist nicht plausibel. Zu sehr haben sie in der Vergangenheit versagt, wenn es um die Lösung von Konflikten ging. Macht es aus heutiger Sicht etwa Sinn in der Türkei Atomwaffen zu lagern ? Und wenn ja, dann welchen ? Zur Abschreckung ? Wovor und für wen ? https://www.freitag.de/autoren/xhall/atomwaffen-aus-der-tuerkei-abziehen-1 Ich finde wir haben schon genügend Probleme mit den vorhanden Orten an denen Atomwaffen gelagert werden. Wir sollten nicht noch weitere hinzufügen. Auch und schon gar nicht aus taktischen Gründen.
pansatyr 20.09.2017
5. wen wundert`s
erst die Raketentechnik, jetzt Diesel für die Panzertruppe. Die USA würden in Korea nicht nur gegen Korea abtreten, sondern auch gegen Russland. Nicht anders als in Vietnam.
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