Einnahmen aus Anleihen Notenbanken reduzieren Beitrag zu Griechen-Hilfe

Neue Hilfen für Griechenland sollen auch durch Gewinne aus dem Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken finanziert werden. Doch deren Beitrag fällt laut einem Bericht geringer aus als gedacht. Für den deutschen Haushalt könnten dadurch Mehrbelastungen von bis zu einer halben Milliarde Euro entstehen.

Bettler in Griechenland: Offene Finanzierungsfragen
dapd

Bettler in Griechenland: Offene Finanzierungsfragen


Hamburg - Es ist ein wichtiger Posten im neuen Hilfspaket für Griechenland: Die Notenbanken der Euro-Länder sollen auf Gewinne verzichten, welche die Europäische Zentralbank (EZB) durch den Ankauf griechischer Anleihen gemacht hat. Dadurch solle der griechische Haushalt um elf Milliarden Euro entlastet werden, hieß es zu Beginn der Woche.

Doch laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") werden die Notenbanken weniger beitragen als bislang bekannt. Zwar bleibe es dabei, dass die Banken ihre Erlöse aus dem Erwerb griechischer Staatsanleihen an Athen abtreten. Doch werden die Einnahmen dem Bericht zufolge mit einer Reihe von Kosten verrechnet. Dadurch dürfte der Gewinn am Ende um ein bis zwei Milliarden Euro niedriger ausfallen.

Der Bericht deckt sich mit Aussagen von Bundesbankchef Jens Weidmann. Dieser hatte in einem Interview gesagt: "Die Einnahmen aus Beständen griechischer Staatsanleihen durchlaufen wie andere Einnahmen die Gewinn- und Verlustrechnung der Bundesbank".

Zwar hatte EZB-Präsident Mario Draghi am Montag zugestimmt, die Gewinne an Griechenland abzutreten. Allerdings zogen die Notenbanken parallel zu den Anleihekäufen Liquidität aus den Finanzmärkten ab, um eine Inflation zu verhindern. Dazu mussten sie den Geschäftsbanken höhere Zinsen bieten - diese Zinskosten wollen sie nun mit ihren Anleihegewinnen verrechnen.

Die Differenz zur versprochenen Summe müssen die Euro-Finanzminister laut "SZ" aus ihren nationalen Haushalten begleichen. Dadurch komme allein auf Deutschland eine Mehrbelastung von bis zu 500 Millionen Euro zu.

Die Notenbanken der Euro-Zone hatten seit dem Frühjahr 2010 griechische Anleihen im Nominalwert von geschätzt 50 Milliarden Euro aufgekauft, dafür wegen des vorangegangenen Kursverfalls aber deutlich weniger bezahlt. Sobald die Titel fällig werden, ergibt sich somit ein Erlös. Schäuble hat 2,7 Milliarden Euro über mehrere Jahre zugesagt, wird nun von der Bundesbank aber womöglich nur etwa 2,2 Milliarden erhalten.

Hoffnungszeichen aus Italien

Trotz der noch offenen Finanzierungsfragen wirkt sich die Einigung auf neue Hilfen für Griechenland positiv auf die Lage in anderen Ländern Südeuropas aus: Italien platzierte am Donnerstag eine zehnjährige Anleihe im Volumen von knapp drei Milliarden Euro und zahlte dafür mit 4,45 Prozent die niedrigste Rendite seit rund zwei Jahren. Das Land versteigerte zudem ein fünfjähriges Papier im Volumen von drei Milliarden Euro. Damit hat die Regierung in Rom annähernd den gesamten Kapitalbedarf für dieses Jahr gedeckt.

Noch kurz nach dem Abgang von Regierungschef Silvio Berlusconi vor rund einem Jahr hatte das Land Rekordzinsen in Höhe von 7,56 Prozent für zehnjährige Anleihen bieten müssen. "Die jetzt gebotene Rendite von 4,45 Prozent war damals fast unvorstellbar", sagte Analyst Nicholas Spiro. Bereits am Dienstag hatten sich Italien und auch Spanien günstiger am Markt refinanzieren können.

dab/AFP/Reuters

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mont_ventoux 29.11.2012
1. Von wegen "alternativlos"
Bei solchen Meldungen denke ich immer daran, wie gut es Staaten wie Dänemark und Schweden, aber auch Norwegen und die Schweiz getroffen haben, die keine Euro- bzw. EU-Mitglieder sind und diesen Schwachsinn nicht mitfinanziren müssen. Und von exzessiver Arbeitslosigkeit, Hungersnöten und Weltuntergangsstimmung ist man in diesen Ländern vermutlich weiter entfernt als sonstwo auf dem Planeten.
erikrot 29.11.2012
2. Traumtaenzer aber Keine Wirtschaftsminister
Gewinne aus der Bewertung der eingekauften Staatsanleihen entstehen erst bei Verkauf und zwar bei den Notenbanken, die ihre Gewinne im Jahresabschluss, (nicht aber Einnahmen) an die Regierungshaushalte abfuehren. Also wieviel Mio sind denn das wirklich? Gleichzeitig haben die gr. Banken heute erklaert, dass sie gar nicht ihre im Besitz befindlichen Anleihen verkaufen wollen. Damit sind 2 der Eckpunkte der finanziellen "Einigung" der Finanzminister vom Dienstag bereits Makulatur. Und der Bundestag will morgen mit grosser Mehrheit dem Salami-Programm zustimmen. Haben die eine Ahnung welche finanziellen Belastungen schon dasind, aber aus diesem Programm herausverlagert sind. Auf Welcher Grundlage wird dann abgestimmt? Keiner, inklusive der Initiatoren, versteht worum es geht und was in dem Abstimmungs-Papier steht ist schon von den Ereignissen ueberholt worden. Vielleicht sollte man an den Haustueren der Bundestagsabgeordneten und der Regierungsmitglieder Schwippboegen aufstellen, die sie an die armen Europa-buerger auf der anderen Seite der europaeischen Wahnvorstellung erinnern. Haben wir ja schon mal gemacht Frau Merkel.
Redigel 29.11.2012
3. Dr.
Zitat von mont_ventouxBei solchen Meldungen denke ich immer daran, wie gut es Staaten wie Dänemark und Schweden, aber auch Norwegen und die Schweiz getroffen haben, die keine Euro- bzw. EU-Mitglieder sind und diesen Schwachsinn nicht mitfinanziren müssen. Und von exzessiver Arbeitslosigkeit, Hungersnöten und Weltuntergangsstimmung ist man in diesen Ländern vermutlich weiter entfernt als sonstwo auf dem Planeten.
Sie Scherzkeks... 1. Sind alle mehr oder minder im IWF vertreten und finanzieren mit. 2. Gibt es noch andere Dänen (enge Wechselkursbandbreite zum Euro) und Schweizer (Koppelung an den Euro bei 1,20)? Die Mär von der schweizerischen Insel, die nichts erschüttern kann, innerhalb des EU-Raums bzw. der Eurozone hat doch gerade die Krise weggeblasen. Mittlerweile hält die SNB mehr Euro als alles andere im Portfolio, dass gleiche dürfte für die 3 anderen Länder ebenso gelten, da diese nicht minder eng vom Schicksal der EU bzw. des Euros abhängig sind aufgrund wirtschaftlicher Verflechtung.
mhock 29.11.2012
4. Alter Ego
Zitat von mont_ventouxBei solchen Meldungen denke ich immer daran, wie gut es Staaten wie Dänemark und Schweden, aber auch Norwegen und die Schweiz getroffen haben, die keine Euro- bzw. EU-Mitglieder sind und diesen Schwachsinn nicht mitfinanziren müssen. Und von exzessiver Arbeitslosigkeit, Hungersnöten und Weltuntergangsstimmung ist man in diesen Ländern vermutlich weiter entfernt als sonstwo auf dem Planeten.
Sie haben wohl England und USA vergessen. Große Vorbilder in Sachen soziale Gerechtigkeit. Aber anyway... Nachdem in Deuschlam d für die Wiedervereinigung und den Aufbau Ost die Rentenversicherung geplündert wurde, werden halt jetzt für die Eurorettung die deutschen Sparguthaben entwertet. Und das ist gut so. Was also soll der Neid? Die Wirtschaft in Deuschlam d profitiert doch mal wieder am Meisten. Oder?
tjivi 29.11.2012
5. an den Schulden wird niemand gewinnen
...es gibt nur Verlierer. Leider müssen wir erkennen, dass Schulden immer irgendwann bezahlt werden müssen. Bei einer Weltwirtschaftskrise trifft es alle. s.a.: Argentinien aktuell: es ist noch nicht endgültig entschieden, soweit ich informiert bin. Aber der Hedgefond, der sich damals nicht am Schuldenschnitt beteiligt hat, wird die Klage wohl gewinnen. Dann ist Argentinien wieder pleite. Die Mechanismen, die das zulassen, müssen abgeschafft werden.
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