Spenden für Notre-Dame Milliardärsfamilie Pinault will auf Steuervorteil verzichten

Die Spenden von Milliardären für den Wiederaufbau von Notre-Dame sorgen in Frankreich für Diskussionen. Kritiker vermuten Eigennutz. Die Familie Pinault kündigte nun den Verzicht auf den Steuerbonus an.

François-Henri Pinault
IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

François-Henri Pinault


Die Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau der ausgebrannten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist riesig. Aus fast der ganzen Welt kommt Unterstützung. Für die Instandsetzung gingen bis Mittwochmorgen bereits Spendenzusagen von fast 900 Millionen Euro ein, wie der Beauftragte der französischen Regierung bekannt gab.

Französische Milliardärsfamilien hatten bereits wenige Stunden nach dem Brand dreistellige Millionenbeträge zugesagt - darunter die Familien Arnault, Bettencourt und Pinault. Doch es war auch Kritik laut geworden, die Reichen nutzten die Gaben für eigennützige Zwecke. Gemeinnützige Spenden reduzieren in Frankreich normalerweise die Steuerschuld um mehr als 60 Prozent ihres Betrags.

Nun kündigte die Milliardärsfamilie Pinault an, auf eine Steuerreduzierung für ihre Spende von 100 Millionen Euro zu verzichten. Familienerbe François-Henri Pinault teilte mit, die Last solle nicht "den französischen Steuerzahlern aufgebürdet werden". François-Henri Pinault ist Chef des Luxusmodekonzerns Kering, zu dem Gucci, Saint Laurent und Balenciaga gehören.

Fotostrecke

8  Bilder
Nach Großbrand: Spendenwettlauf der Milliardäre

Neben Großspendern ist es offenbar auch vielen Kleinspendern ein Anliegen, für den Wiederaufbau der Kathedrale Geld zu geben. Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du patrimoine hat eine Spendensammlung gestartet und eine entsprechende Webseite eingerichtet. Sie brach zwischenzeitlich zusammen. Dort waren am Mittwochvormittag schon fast elf Millionen Euro zusammengekommen.

Staatschef Emmanuel Macron hatte am Dienstagabend bei einem Fernsehauftritt versprochen: "Wir werden die Kathedrale noch schöner als zuvor wieder aufbauen, und ich will, dass das in fünf Jahren geschafft ist."

Fotostrecke

7  Bilder
Brandkatastophe: Notre-Dame am Tag danach

Experten halten diesen Zeitplan für sehr ehrgeizig. Der Regierungsbeauftragte für das kulturelle Erbe, Stéphane Bern, geht von "zehn bis 20 Jahren" für den Wiederaufbau aus. Der Handwerksverband Compagnons du Devoir erklärte, es fehle an Fachkräften, vor allem an Steinmetzen, Zimmerleuten und Dachdeckern, um das gotische Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert vollständig zu restaurieren.

mmq/AFP/Reuters/dpa

insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
moev 17.04.2019
1.
Da kritisieren also wieder mal Meckerer, die keine Ahnung von dem haben, was sie eigentlich kritisieren. Man spendet 100 Mio um 40 Mio. Steuern zu "sparen" und hat am Ende statt 60 Mio. weniger, als hätte man einfach die 40 Mio. Steuer gezahlt. Sparen durch Spenden funktioniert nur, wenn man es so dreht das man irgendwie "an sich selbst spendet" (z.B. durch irgendwelche Stiftungskonstruktionen).
Björn L 17.04.2019
2. Versicherung ? Vatikan ?
Ist das Objekt versichert ? Unwahrscheinlich wenn dem nicht so wäre. Desweiteren gehört die Bude der katholischen Kirche. Die haben über Jahrhunderte hinweg durch Brandschatzung, Kreuzzüge und Ablasshandel genug ergaunert. Schön zu sehen was die Elite zu schenken bereit ist während Menschen/Tieren/Umwelt mit deutlich kleineren Summen geholfen werden kann.
pepe83 17.04.2019
3. Ich finde das unmöglich
Die Leute wollen einen riesigen Betrag für eine gute Sache spenden und es werden direkt unlautere Motive unterstellt. Man sollte froh sein, dass diese Form der Zivilgesellschaft funktioniert.
sven2016 17.04.2019
4. @Björn L: Unkenntnis
Diese Bauwerke sind nicht versichert, auch der Kölner Dom nicht. In Frankreich ist alleine der Staat für den baulichen Erhalt von Kirchen zuständig, auch für die Finanzierung. Der Vatikan hat damit nichts zu tun.
mwroer 17.04.2019
5.
Zitat von Björn LIst das Objekt versichert ? Unwahrscheinlich wenn dem nicht so wäre. Desweiteren gehört die Bude der katholischen Kirche. Die haben über Jahrhunderte hinweg durch Brandschatzung, Kreuzzüge und Ablasshandel genug ergaunert. Schön zu sehen was die Elite zu schenken bereit ist während Menschen/Tieren/Umwelt mit deutlich kleineren Summen geholfen werden kann.
Zum ersten: Notre Dame ist nicht versichert. Zum zweiten: Notre Dame gehört dem französischen Staat. Und den Rest lasse ich unkommentiert weil Sie ohnehin nicht verstehen wollen warum die Renovierung von Notre Dame eben durchaus auch den Menschen hilft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.