Coronavirus NRW mobilisiert Tausende freiwillige Spargelstecher

Wegen der Virus-Maßnahmen fehlen Zehntausende ausländische Erntehelfer. Nordrhein-Westfalen setzt nun auf freiwillige Spargelstecher - obwohl die einen Teil der Ernte beschädigen dürften.
Spargelernte im niederrheinischen Walbeck

Spargelernte im niederrheinischen Walbeck 

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa/dpaweb

Nach dem Aufruf mehrerer Verbände haben sich in Nordrhein-Westfalen Tausende freiwillige Helfer für die Spargelernte gemeldet. "Manchen geht es gar nicht ums Geld, andere sind in Kurzarbeit und brauchen einen zusätzlichen Job", sagte Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Die Regierung versucht, mit allen möglichen Maßnahmen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Ausländischen Erntehelfern hat sie im Zuge dieser Maßnahmen vorerst die Einreise untersagt. Üblicherweise kommen jedes Jahr etliche Saisonarbeiter in den Wochen der Spargelernte nach Deutschland, viele aus Polen und Rumänien.

Landwirte versuchen verstärkt im Internet, Erntehelfer zu mobilisieren. Auf Plattformen wie www.daslandhilft.de  können sich Freiwillige für solche Jobs bewerben.

Doch selbst wenn sich auf diesem Weg genug Erntehelfer mobilisieren ließen: Ein reibungsloser Start der Ernte ist dennoch kaum zu erwarten. "Spargelstechen kann man nicht so schnell lernen", sagte Rüb. Das Gemüse sei mit bloßem Auge gar nicht leicht zu erkennen, und es brauche eine bestimmte Technik, um die Stangen in der Erde nicht zu beschädigen.

Auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft werden Saisonarbeiter gebraucht. Der Bedarf liegt laut Bundeslandwirtschaftsministerium im März bei etwa 30.000 und steigt im Mai auf etwa 85.000 an. "Wenn Gemüse jetzt nicht gepflanzt werden kann, wird der Markt ab Mai leiden", konstatierte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kürzlich.

Die Regierung prüft, wie der Ausfall ausgeglichen werden kann. Klöckner hat den Einsatz von Asylbewerbern vorgeschlagen, auch wenn sie bisher keine Arbeitserlaubnis haben. Der SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sprach von einer "Chance für verschiedene Gruppen, wie Studenten oder Menschen in Kurzarbeit". Anrechnungsfreigrenzen für Bezieher von Kurzarbeitergeld wurden bereits deutlich ausgeweitet.

Die Regierung will zudem verfügbare Arbeiter verstärkt einsetzen. Saisonarbeitskräfte dürfen bis Ende Oktober bei einer kurzfristigen Beschäftigung insgesamt 115 Arbeitstage lang sozialversicherungsfrei arbeiten; bislang lag die Grenze bei 70 Tagen.

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu hemmen, hat die Bundesregierung auch Restaurants und Gaststätten vorübergehend geschlossen. Auch das wird Landwirte wie zum Beispiel die Spargelanbauer hart treffen. Der beachtliche Anteil, den normalerweise die Gastronomie kaufe, falle wegen der Kontaktbeschränkungen gegen das Coronavirus in diesem Jahr komplett aus, sagte Rüb. Der Spargelpreis dürfte deshalb 2020 vergleichsweise niedrig ausfallen.

ssu/dpa-AFX
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