Insolvente Rennstrecke Autozulieferer Capricorn kauft Nürburgring

Der Nürburgring bekommt einen neuen Eigentümer: Der Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn kauft dem Land Rheinland-Pfalz die insolvente Rennstrecke ab. Das Subventionsdesaster rund um den Ring könnte einen Ex-Minister in Haft bringen.
Rennfahrzeuge auf dem Nürburgring: Capricorn kauft die Rennstrecke

Rennfahrzeuge auf dem Nürburgring: Capricorn kauft die Rennstrecke

Foto: Thomas Frey/ dpa

Koblenz - Der insolvente Nürburgring hat einen privaten Käufer gefunden. Den Zuschlag bekam der Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn, wie Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt und Sachwalter Jens Lieser erklärten. Zuletzt war auch noch die US-Investorengesellschaft HIG Capital im Rennen.

Bisher ist die insolvente Nürburgring GmbH nahezu komplett im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz, sie hatte im Juli 2012 Insolvenz angemeldet. Die Sanierer suchen seit Mai 2013 einen Käufer für die Rennstrecke und den zu groß geratenen Freizeitpark, den die damalige SPD-Alleinregierung bauen ließ. Der Kaufvertrag ist erst gültig, wenn die EU-Kommission ihren Bescheid zur Prüfung möglicher illegaler Beihilfen vorlegt.

Im Mittelpunkt des Konzepts von Capricorn steht der Motorsport. Der Autoteile-Hersteller hat mehr als 350 Mitarbeiter. Rund 100 davon arbeiten in einem Werk am Nürburgring. Der Motorsport-Zulieferer produziert vor allem Kurbel- und Nockenwellen, Zylinderlaufbuchsen, Kolben und Pleuel. Neben dem bisherigen Geschäft am Ring will das Unternehmen dort ein sogenanntes Technologie-Cluster entwickeln.

Der Kaufpreis ist bislang nicht bekannt. Er dürfte aber weit unter der Summe liegen, die das Land in den geplanten Freizeitpark gesteckt hat, zu dem der Nürburgring ausgebaut werden sollte.

Ex-Minister soll vier Jahre in Haft

Bisher ist die insolvente Nürburgring GmbH nahezu komplett im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz. Das Areal umfasst seit einigen Jahren neben der Rennstrecke auch einen Freizeitpark und Hotels. Dafür hatte einst die landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) ein Darlehen über 330 Millionen Euro gewährt. Weitere Hilfen waren direkt vom Land geflossen. Die Nürburgring GmbH hatte im Juli 2012 trotzdem Insolvenz angemeldet, nachdem Pachtzahlungen ausgeblieben waren.

Das juristische Nachspiel des Subventionsdesasters ging am Dienstag ebenfalls in die nächste Runde: Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) forderte die Anklage vier Jahre Freiheitsstrafe. Die Staatsanwältin erklärte den früheren Minister zum Hauptschuldigen der 2009 gescheiterten Privatfinanzierung des Ringausbaus.

Es geht dabei unter anderem um Zahlungen der größtenteils landeseigenen Nürburgring GmbH an zwei Finanzvermittler. Für den früheren Ringchef und den damaligen Controller forderte die Staatsanwältin Bewährungsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten beziehungsweise zehn Monaten.

ade/AFP/dpa
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