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"Occupy"-Jubiläum in Europa: Tanz unterm Rettungsschirm

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

"Occupy"-Jubiläum in Europa Tausende protestieren gegen Wirtschaftswillkür

Zum Jubiläum der "Occupy"-Bewegungen gehen in den europäischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen: In Berlin tanzen Demonstranten unterm symbolischen Rettungsschirm, in Madrid lassen sie die Hosen runter - gegen die Sparmaßnahmen der Regierung.

Berlin/London/Madrid/Lissabon - Sie besetzten das Herz von Madrid und inspirierten die "Occupy"-Demonstranten: In Spanien haben Zehntausende "Indignados" - die "Empörten" - kurz vor dem Gründungstag der Bewegung am Samstag in zahlreichen Städten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. In der Hauptstadt Madrid versammelten sich die Demonstranten auf dem zentralen Platz Puerta del Sol, wo eine große Kundgebung stattfand. Auch in Barcelona, Lissabon, London und Berlin gab es Proteste.

In Madrid riefen die Menschen zu Trommelklängen Slogans wie "Sie (die politische Klasse) vertritt uns nicht" oder "Nehmt die Straße ein". Hinter einem Banner mit der Aufschrift "Gegen die Kürzungen" ließ eine Gruppe junger Männer die Hosen runter. Vier Tage lang wollen die Demonstranten auf dem Platz, auf dem vor einem Jahr die Bewegung entstand, eine "permanente Versammlung" abhalten. Die Behörden haben dies verboten und fordern, dass die Demonstration jeden Abend um 22 Uhr Ortszeit endet.

"Sie sind besser ausgebildet, als je zuvor, aber sie haben nichts."

"Es ist wichtig zu zeigen, dass wir immer noch da sind", sagt eine 23-jährige Demonstrantin. "Ich bin hier, um die Rechte zu verteidigen, die wir verlieren, und für die jungen Leute, die es so schwer haben", erklärt ein 57 Jahre alter Lehrer. "Sie sind besser ausgebildet als je zuvor. Aber sie haben keine Arbeit. Sie haben nichts." Insgesamt fanden Proteste in rund 80 spanischen Städten statt. In den vergangenen Wochen war von den "Empörten" nicht mehr viel zu hören, die Lager der Demonstranten waren weitgehend verschwunden.

Die Menschen demonstrieren gegen die Politik des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der mit rigorosen Maßnahmen im laufenden Jahr mehr als 27,3 Milliarden Euro einsparen will. Erst Ende April kündigte die Regierung an, etwa die Bildungsausgaben um drei Milliarden Euro kürzen zu wollen. Spanien wurde von der Finanzkrise hart getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt in dem Land derzeit bei 24,4 Prozent. Die "Empörten" planen bis zum 15. Mai, dem Jahrestag ihrer Gründung, landesweit zahlreiche Protestaktionen.

Auch in Portugal gingen am Samstag mehrere Tausend Menschen auf die Straße. In der Hauptstadt Lissabon versammelten sich am Abend 2000 Demonstranten. Weitere Proteste fanden in den Städten Porto, Coimbra und Faro statt. Portugal wurde wie das Nachbarland Spanien von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise schwer getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 Prozent.

Protest-Tanz unterm Rettungsschirm

In Berlin haben am Samstag bei einem Sternmarsch nach Polizeiangaben rund 3.500 Menschen für mehr Demokratie und gegen das globale Finanzsystem demonstriert. Auf verschiedenen Routen zogen Kapitalismuskritiker, Globalisierungsgegner, antifaschistische Initiativen und Umweltaktivisten zunächst zum Alexanderplatz, wo die fünf Protestzüge vereint wurden.

Vor dem Roten Rathaus fand am frühen Abend eine Abschlusskundgebung statt, junge Demonstranten protestierten mit einem Tanz unterm symbolischen "Rettungsregenschirm". Den Angaben eines Polizeisprechers zufolge blieb die Veranstaltung friedlich.

Anlass für die Demonstration in Berlin war der Jahrestag der Aktionen in Madrid und Barcelona. Es gelte, einen "grundlegenden gesellschaftlichen Wandel" anzustoßen, hieß es in einem Aufruf. Die Organisatoren hatten ursprünglich beabsichtigt, am Neptunbrunnen in der Nähe des Roten Rathauses ein Camp zu errichten, das zwei Wochen bleiben sollte. Dies war jedoch nach Polizeiangaben untersagt worden.

In der britischen Hauptstadt London protestierten am Samstag Hunderte Menschen gegen Sparpläne der Regierung unter dem konservativen Premierminister David Cameron und die Macht der Banken. Sie versammelten sich vor der St. Paul's Cathedral, wo die "Occupy"-Bewegung bis Ende Februar ein Protestcamp hatte, das dann aber von der Polizei aufgelöst wurde. "Nieder mit dem Raubtierkapitalismus" war auf Spruchbändern zu lesen.

In London kam es während der Proteste zu Handgemengen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Am Donnerstag hatten in der britischen Hauptstadt trotz eines Streikverbots Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Protest gegen Stellenstreichungen die Arbeit niedergelegt.

bos/AFP/dapd
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