OECD-Ranking Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland

Deutschland ist für Zuwanderer erstmals attraktiver als Kanada und Australien. Laut der Industrieländerorganisation OECD kamen 2012 rund 400.000 dauerhafte Migranten in die Bundesrepublik. Nur die USA konnten diese Zahl toppen.
Einkaufsstraße in Hamburg: "Man kann ohne Übertreibung von einem Boom sprechen"

Einkaufsstraße in Hamburg: "Man kann ohne Übertreibung von einem Boom sprechen"

Foto: Philipp Guelland/ Getty Images

Hamburg - Deutschland ist zu einem der attraktivsten Zuwanderungsländer der Welt geworden. Zum ersten Mal belegt die Bundesrepublik den zweiten Platz der beliebtesten Einwanderungsstaaten innerhalb des Industrieländerklubs OECD - unmittelbar hinter den USA. Damit hat Deutschland klassische Migrationsziele wie Kanada und Australien deutlich hinter sich gelassen, ebenso wie alle anderen europäischen Länder. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten OECD-Untersuchung "Migration Policy Debates: Is migration really increasing?" hervor (hier im PDF-Format ). 2009 hatte Deutschland in dieser Statistik lediglich den achten Platz belegt.

Der starke Anstieg der dauerhaften Migration nach Deutschland ist bemerkenswert. Darunter versteht die OECD Personen, die mindestens ein Jahr im Land bleiben, Studenten ausgenommen. So zogen 2012 rund 400.000 Zuwanderer nach Berlin, Köln, München oder in andere Regionen des Landes - im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 38 Prozent. Kein anderes OECD-Land hatte einen vergleichbaren Anstieg. "Man kann hier ohne Übertreibung von einem Boom sprechen", sagt Thomas Liebig von der Industrieländerorganisation.

Mehr Zuwanderung auch nach Schweden, Finnland und Frankreich

Mehr Zuwanderung auch nach Schweden, Finnland und Frankreich

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der Abstand zu den USA ist dennoch immer noch sehr groß. In die Vereinigten Staaten zogen 2012 mehr als eine Million Zuwanderer. Gründe für die neue Attraktivität der Bundesrepublik sieht die OECD vor allem im wirtschaftlichen Aufwärtstrend der vergangenen Jahre. Während Europa als Ganzes noch immer unter den Folgen der schweren Krise leidet, gilt Deutschland schon länger als Insel der Glückseligen. So hat die Migration vor allem innereuropäisch zugenommen: Jeder Dritte kommt ins prosperierende Deutschland; die meisten aus Mittel- und Osteuropa , aber auch aus südeuropäischen Krisenländern nimmt die Zuwanderung zu.

Der Boom wäre undenkbar ohne das Zusammenwachsen der Europäischen Union und der damit verbundenen Personenfreizügigkeit -, die es jedem EU-Bürger ermöglicht, in ein anderes Land zu ziehen und dort zu arbeiten (siehe Grafik).

Familiäre Gründe eher selten für Zuwanderung nach Deutschland

Familiäre Gründe eher selten für Zuwanderung nach Deutschland

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der schönste Nebeneffekt der Zuwanderung nach Deutschland: Fast ohne Zutun der Bundesregierung lindert sie auch den oft beklagten Fachkräftemangel der Arbeitgeberverbände. Im Vergleich mit den Zuwanderern, die vor 2007 gekommen sind, arbeiten die neuen Migranten häufiger und sind besser qualifiziert.

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