Konjunkturprognose der OECD Wo die Wirtschaft am stärksten wächst - und wo sie schwächelt

Weltweit wächst die Wirtschaft weiter - aber langsamer. Die Konjunkturprognose der OECD sieht allerdings deutliche Unterschiede: Besonders schlecht schneidet ein EU-Land ab.

Hamburger Hafen
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Der Aufschwung dürfte sich in Deutschland in den kommenden Jahren spürbar verlangsamen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in ihrem Konjunkturbericht ihre Wachstumsprognosen gesenkt. Weltweit sieht die Organisation den Höhepunkt des Wirtschaftswachstums überschritten.

In diesem Jahr und im kommenden Jahr erwarten die Forscher der Organisation mit Sitz in Paris für Deutschland nur noch ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1,6 Prozent. In der vorangegangenen Prognose im September waren sie noch von einem Wachstum von 1,9 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent ausgegangen.

Trotz der Prognosesenkung gehen die OECD-Forscher davon aus, dass der deutsche Aufschwung weiterhin "solide" verlaufen werde. Gestützt werde die Konjunktur unter anderem durch den weiter robusten Arbeitsmarkt mit einem starken Lohnwachstum. Dagegen werde die Exportwirtschaft der größten europäischen Volkswirtschaft durch Unsicherheiten im Welthandel belastet.

Schlechte Aussichten für Italien

Auch für die Eurozone erwartet die OECD ein geringeres Wachstum als im September. Sie senkte die Prognose für das laufende Jahr auf 1,9 Prozent und rechnet mit einer weiteren Abschwächung auf 1,8 im kommenden Jahr und auf 1,6 Prozent 2020.

Wachstumsprognose der OECD in Prozent des BIP

Land 2018 2019 2020
Weltwirtschaft 3,7 3,5 3,5
Euro-Zone 1,9 1,8 1,6
Deutschland 1,6 1,6 1,4
Frankreich 1,6 1,6 1,6
Italien 1,0 0,9 0,9
USA 2,9 2,7 2,1
Großbritannien 1,3 1,4 1,1
Japan 0,9 1,0 0,7
Argentinien -2,8 -1,9 2,3
Türkei 3,3 -0,4 2,7
Brasilien 1,2 2,1 2,4
China 6,6 6,3 6,0

Quelle: OECD

Besonders schlecht soll Italien abschneiden: Das italienische Wachstum dürfte mit 1,0 Prozent in diesem Jahr und mit 0,9 Prozent im kommenden Jahr merklich unter dem Durchschnitt der Eurozone liegen. Dabei ist die Regierung in Rom auf ein robustes Wachstum angewiesen, wenn sie ihre Pläne für die Neuverschuldung einhalten will.

"Die zunehmende Unsicherheit und die höheren Zinssätze werden die Konsumneigung der privaten Haushalte und die Investitionsneigung der Unternehmen dämpfen", teilte die OECD zu Italien mit.

Auch in Großbritannien dürfte sich die Konjunktur schwächer entwickeln als in der Eurozone. "Die Brexit-bedingte Unsicherheit hemmt das Wirtschaftswachstum", teilte die OECD mit. "Auf kurze Sicht besteht das bei weitem größte Risiko darin, dass es dem Vereinigten Königreich nicht gelingt, sich mit der Europäischen Union auf ein Austrittsabkommen zu einigen." Das Wachstum dürfte in diesem Jahr bei 1,3 Prozent liegen, 2019 bei 1,4 Prozent und 2020 bei 1,1 Prozent.

In der weltgrößten Volkswirtschaft USA soll das Wachstum ebenfalls nachlassen: Für dieses Jahr werden 2,9 Prozent prognostiziert, 2019 dann 2,7 Prozent und im Folgejahr 2,1 Prozent. "Die jüngste Steuerreform und die günstigen finanziellen Rahmenbedingungen lassen für 2019 und 2020 hohe Unternehmensinvestitionen erwarten", heißt es im Ausblick. "Die schwächeren Aussichten für die Weltwirtschaft und die bereits eingeführten Handelsmaßnahmen belasten dagegen die Wirtschaftstätigkeit."

"Das globale Wachstum hat seinen Höhepunkt erreicht"

Für die Weltwirtschaft rechnet die Organisation in diesem Jahr weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent. Im kommenden Jahr werde die globale Wirtschaftsleistung aber nur noch um 3,5 Prozent zulegen. Zuvor war noch ein Wachstum um 3,7 Prozent erwartet worden.

"Die Weltwirtschaft bewegt sich in schwierigem Fahrwasser", sagte OECD-Chefökonomin Laurence Boone. "Das globale Wachstum ist stark, hat seinen Höhepunkt aber erreicht."

Die OECD warnt zugleich vor Gefahren. "Im Falle eines Zusammentreffens mehrerer Risiken könnte die Landung härter werden als erwartet", sagte Boone. So könnten weitere Handelsspannungen den Warenverkehr und das Wachstum belasten und so zu noch mehr Planungs- und Investitionsunsicherheit führen.

Die Kapitalabflüsse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften könnten zunehmen, während ein Abschwung in China auch auf die Industriestaaten durchschlagen dürfte. "Die Politikverantwortlichen werden umsichtig handeln müssen, um ein nachhaltiges, wenn auch langsameres Wirtschaftswachstum zu gewährleisten", sagte Boone, die zu internationaler Zusammenarbeit aufruft.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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thequickeningishappening 21.11.2018
1. Retreat ist angesagt
Die Weltbevölkerung muss abnehmen, Der pro Kopf Resourcendurchlauf und Die ungleiche Kaufkraft welche durch Deflation Das Wachstum Des Endes Des Wachstums beschleunigt ebenfalls. Kleinere Brötchen sind angesagt!
saarlaender 21.11.2018
2. Starkes Lohnwachstum ?
Geht leider an mir vorbei. Dadurch kann ich auch nicht durch steigenden Konsum die Binnennachfrage ankurbeln. Bei der Beurteilung des Lohnwachstums in BRD sind bestimmt Managergehälter überproportional berücksichtigt worden.
freigeistiger 21.11.2018
3. Bezieht sich meis auf nominales Tarifgehalt
Zitat von saarlaenderGeht leider an mir vorbei. Dadurch kann ich auch nicht durch steigenden Konsum die Binnennachfrage ankurbeln. Bei der Beurteilung des Lohnwachstums in BRD sind bestimmt Managergehälter überproportional berücksichtigt worden.
Immer weniger Unternehmen sind im Tarifvertrag. Es werden Tariferhöhungen mit Sonderzahlungen verrechnet. Es gibt Zeitarbeit, Minijobs, Werkverträge, Teilzeitverträge mit Vollzeitarbeitszeit, etc.. Deutschland will andere Länder, etwa Frankreich, belehren, ihre Konkurrenzfähigkeit auf diese Arten ebenso zu erhöhen. Das öffentliche Vergaberecht verlangt förmlich Tarifflucht.
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