Konjunktur OECD senkt Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft drastisch

Deutschland bekommt die globale Konjunkturschwäche zu spüren: Die OECD geht für 2019 nur noch von 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum aus - und ist damit pessimistischer als die Bundesregierung.

Produktion bei Continental (Archivbild)
DPA

Produktion bei Continental (Archivbild)


Der Klub der Industrieländer OECD hat die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden Jahr lediglich um 0,7 Prozent wachsen, teilte die Organisation mit. Bislang war sie von 1,6 Prozent ausgegangen.

Die neue Prognose liegt niedriger als die der Bundesregierung, die für 2019 einen BIP-Zuwachs von einem Prozent erwartet. 2018 war die deutsche Wirtschaft noch um 1,4 Prozent gewachsen. Für das kommende Jahr hatte die OECD bislang mit einem ähnlichen Zuwachs gerechnet, nun soll es 2020 jedoch nur noch zu 1,1 Prozent reichen.

Als Hauptgrund für die Schwäche gilt die langsamer wachsende Weltkonjunktur, von der Deutschland als Exportland besonders abhängig ist. "Die globale Expansion verliert angesichts erhöhter politischer Unsicherheit, anhaltender Handelsspannungen und fortgesetzter Rückgänge des Vertrauens von Unternehmen wie Verbrauchern weiter an Dynamik", schrieb die OECD in ihrem Ausblick. "Eine stärkere Abschwächung in China würde das globale Wachstum belasten und könnte das Wachstum in Europa weiter schwächen."

Wachstum in der Eurozone schrumpft

Die Aussichten für andere europäische Länder sind ebenfalls getrübt. "In Europa bestehen nach wie vor erhebliche politische Unsicherheiten, auch beim Brexit", hieß es. "Ein ungeordneter Ausstieg würde die Kosten für die europäischen Volkswirtschaften erheblich erhöhen."

Für Italien sagt die OECD ein Rezessionsjahr voraus. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2019 um 0,2 Prozent schrumpfen, für 2020 erwartet die Organisation ein leichtes Wachstum von 0,5 Prozent. Für Frankreich werden in beiden Jahren 1,3 Prozent vorausgesagt.

Deutlich zurückgenommen wurde auch die Prognose für Großbritannien selbst, das aus der EU austreten will. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,4 auf 0,8 Prozent gesenkt, für 2020 von 1,1 auf 0,9 Prozent.

USA und China gering schwächer

Wesentlich besser dürfte es hingegen in der weltgrößten Volkswirtschaft USA laufen. Hier rechnet die OECD mit einem Wachstum von 2,6 Prozent, dem 2020 ein Plus von 2,2 Prozent folgen soll. "Solide Arbeitsmarktergebnisse und günstige finanzielle Bedingungen stützen weiterhin die Einkommen und Ausgaben der Haushalte", teilte die Organisation mit. "Aber höhere Zölle haben begonnen, die Unternehmenskosten und -preise zu erhöhen." Das Wachstum von Investitionen und Exporten habe sich bereits abgeschwächt.

Für China sagen die Experten eine schrittweise Abkühlung voraus. 2020 soll das Wachstum noch sechs Prozent betragen. "Die Handelsspannungen lasten zunehmend auf Exporten und Industrieproduktion", hieß es mit Blick auf den Handelskonflikt mit den USA. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften haben sich gegenseitig mit Strafzöllen überzogen. Die Regierung in Peking versucht, mit einem großangelegten Konjunkturprogramm einen Wirtschaftsabschwung zu verhindern.

kko/Reuters



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rabode 06.03.2019
1. das ist wie mit Gewinneinbrüchen in Unternehmen...
ein kleinerer Gewinn zum Vorjahr ist immer noch ein Gewinn, genau so ist es mit dem Wachstum.....
rurei 06.03.2019
2. Der Merkantilismus ist tot:
1) China will Binnenkonsum steigern: China will den Binnenkonsum ankurbeln. Dazu wolle China die Einkommen im städtischen und ländlichen Raum steigern, kündigte die Planunungsbehörde NDRC an. 2) OECD senkt Wachstumsprognose: Das Wachstum in der Eurozone sinkt von 1,8% auf 1,0%. Besonders stark senkte die OECD die Wachstumsprognose für Deutschland. Vergleicht man 1) mit 2): China agiert viel weiser als Deutschland. Deutschlands Modell ist immer noch das alte merkantilistische System als da ist Export um jeden Preis. Das macht man nicht mehr mit Zöllen auf Importe, weil sonst die Gegenreaktion auf unsere Exporte kommt, sondern über den Weg niedriger Löhne. China arbeitet am Inlandsmarkt mit Produktinnovation und niedrigen Steuern um den Inlandsmarkt anzukurbeln. China hat verstanden, dass der alte Merkantilismus nur bedingt zum Wohlstand der Bevölkerung beiträgt und hat sich schon abgewandt. Der Westen allen voran die deutschen Politiker haben das noch nicht begriffen. Die Briten werden es im Zuge des Brexit schneller begreifen, die Deutschen erst dann, wenn die deutsche Industrie bei den Verbrauchern in anderen Ländern und nicht mehr bei uns investiert hat.
fuffy01 06.03.2019
3. Wirtschaftswachstum
Das ist das Ergebnis, wenn ein Parlament statt aus Parteien aus Lobbyvereinen mit Fraktionszwang besteht. Einer Kanzler/in die nur am Machterhalt interessiert ist. Einem Verkehrsminister der - nomen est omen - für das deutsche Wortspiel steht. Und dem Problem unseres Wahl- und Rentenrechts. Hier sind Finnen bzw. die Österreicher um fast 100 Jahre voraus. In der Industrie sollten die Manager schon das Zehnfache Ggehalt haben, aber die Boni auf die Unternehmensentwicklung nach 5 Jahren bezogen werden - Bayer Grüße AntiDima1
ludwig49 06.03.2019
4. Das Glaubensbekenntnis...
...von Wirtschaft und Politik in Deutschland lautet Wachstum, insbesondere die Steigerung des Exports. Der Binnenmarkt ist sekundär, was bei den Einkommensverhältnissen während der Arbeitszeit und im Alter nicht verwundert. Jahre des Aufschwungs kommen beim Volk nicht an, stattdessen hat man die Fixkosten ( Miete, Energie, kommunale Abgaben) durch politische Fehlleistungen auf die Spitze getrieben. Das Gezeter bei eher minimalen wirtschaftlichen Einbrüchen ist groß, die Gedanken über Mehrbelastungen beim Volk halten sich da in Grenzen.
joomee 06.03.2019
5. Weniger dramatisch
Zitat von fuffy01Das ist das Ergebnis, wenn ein Parlament statt aus Parteien aus Lobbyvereinen mit Fraktionszwang besteht. Einer Kanzler/in die nur am Machterhalt interessiert ist. Einem Verkehrsminister der - nomen est omen - für das deutsche Wortspiel steht. Und dem Problem unseres Wahl- und Rentenrechts. Hier sind Finnen bzw. die Österreicher um fast 100 Jahre voraus. In der Industrie sollten die Manager schon das Zehnfache Ggehalt haben, aber die Boni auf die Unternehmensentwicklung nach 5 Jahren bezogen werden - Bayer Grüße AntiDima1
Es ist in der Realität weniger dramatisch und es sind keine bösen Dämonen schuld, sonder das nennt sich Konjunkturzyklus - und den gab es schon immer und wird es immer geben.
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