OECD-Studie Mehr Menschen suchen Arbeit statt Asyl in Deutschland 

Laut OECD kamen 2018 deutlich weniger Flüchtlinge aus Krisenländer nach Deutschland. Dafür wanderten mehr Arbeitswillige aus dem Westbalkan ein. Grund dafür ist eine Sonderregelung.

Auszubildender mit Schweißbrenner: Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland
Robert Schlesinger / DPA

Auszubildender mit Schweißbrenner: Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland


Deutschland ist als Zuwanderungsland nach wie vor beliebt. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Demnach ist Deutschland im Vergleich der OECD-Staaten nach den USA nach wie vor das zweitbeliebteste Zuwanderungsland.

Flucht ist dabei immer seltener ein Grund, nach Deutschland auszuwandern. Stattdessen kämen immer mehr Menschen zum Arbeiten oder Studieren in die Bundesrepublik, sagte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. So löste die Bundesrepublik Frankreich erstmals als wichtigstes nicht englischsprachiges Empfangsland für internationale Studenten ab.

Die Zahl der Erstanträge auf Asyl ging dagegen laut der Studie 2018 in Deutschland um 18,3 Prozent auf 162.000 Anträge zurück. In allen 36 Mitgliedstaaten der OECD wurden im vergangenen Jahr 1,07 Millionen Erstanträge gestellt, das waren 35 Prozent weniger als in den Rekordjahren 2015 und 2016. Die OECD rechne aber damit, dass es in den kommenden Jahren erneut zu einem großen Zuzug von Asylsuchenden kommen könnte. "Wir wissen nur nicht, wann".

Asylanträge aus dem Westbalkan gehen zurück

Die Chancen von Zuwanderern, in Deutschland einen Job zu finden, sind sehr gut: Ende 2018 hatten erstmals 70 Prozent der Zuwanderer in Deutschland Arbeit. Die Qualität der Jobs sei allerdings bescheiden, viele Zuwanderer würden schlecht bezahlt und seien überqualifiziert.

So kommen immer weniger Menschen zum Arbeiten aus Osteuropa nach Deutschland - Polen etwa entwickelt sich immer mehr vom Herkunfts- zum Zielland für Arbeitsmigranten. Stattdessen suchen immer häufiger Menschen aus dem Westbalkan Arbeit in Deutschland.

Gleichzeitig geht die Zahl der Asylanträge aus der Region zurück. "Das ist ein Erfolg der sogenannten Westbalkan-Regelung", sagte OECD-Experte Liebig. Während der Flüchtlingskrise Ende 2015 hatte Deutschland eine bis Ende 2020 befristete Sonderregelung geschaffen, die auch gering qualifizierten Jobsuchenden aus Ländern wie Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Bosnien und Nordmazedonien die Aussicht auf ein Visum eröffnet.

Damit sollte auch vermieden werden, dass sie per Asylantrag nach Deutschland einzuwandern versuchen. Das habe gut funktioniert, sagte Liebig. Insofern könnte die Westbalkan-Regelung auch Vorbild für andere OECD-Staaten sein.

hej/dpa



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