OECD-Bericht Zombie-Firmen bedrohen den Aufschwung

Die Niedrigzinsen halten in Europa viele Unternehmen über Wasser, die normalerweise nicht lebensfähig wären. Dabei wäre nach Überzeugung der OECD eine härtere Auslese dringend nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu verbessern.

Bankenviertel in Frankfurt am Main
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Bankenviertel in Frankfurt am Main


Ein Problem, das die OECD in ihrem jüngsten Bericht beschreibt, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Die Autoren sind alarmiert von der großen Zahl der Unternehmen, die es nach den Gesetzen der Ökonomie gar nicht geben dürfte. Sie stecken tief in Schulden und sind in vielen Fällen auch nicht in der Lage, die von ihnen verkauften Produkte oder Dienstleistungen rentabel zu produzieren. Anders gesagt: Sie müssten eigentlich längst Insolvenz angemeldet haben. Die OECD hat auch einen passenden Namen für solche Unternehmen: Zombie-Firmen.

Hauptgrund für die Existenz in diesem untoten Zustand seien Banken, die - weil selbst unsolide finanziert - davor zurückscheuten, die Kredite fällig zu stellen und damit den betreffenden Firmen den Todesstoß zu versetzen. Stattdessen würden sie mit weitere Krediten am Leben erhalten, die derzeit dank der Niedrigzinspolitik der EZB billig zu bekommen seien.

"Banken schreiben Unternehmen in Schieflage lieber nicht ab, sondern stellen ihnen zu den aktuell günstigen Zinsen weiteres Geld zur Verfügung", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, gegenüber "Business Insider". "Das ist problematisch, weil diese Konzerne trotzdem kaum über Produktionskraft verfügen und deren Aufträge bei gesunden Firmen besser abgearbeitet werden könnten."

Zombie-Unternehmen bremsen den allgemeinen Aufschwung

Zwar ist es im Prinzip Sache einer Bank, wie lange sie Geduld gegenüber ihren Schuldnern aufbringt. Doch in diesem Fall stellt es offenbar ein ernst zu nehmendes Problem für die gesamte Volkswirtschaft dar. Denn die Zombie-Unternehmen bremsen den allgemeinen Aufschwung, weil diese die Ressourcen an verfügbaren Krediten minimieren. Das für die Zombie-Unternehmen investierte Geld fehlt dann, wenn erfolgversprechende Unternehmen Kredite brauchen.

Das Wachstumspotenzial sei nicht zuletzt aus diesem Grund seit der Jahrtausendwende stetig gefallen, schreiben die OECD-Autoren. Lange sei die Entwicklung dem demografischen Wandel zugeschrieben worden, doch in Ländern mit vielen Zombie-Unternehmen sinke die Zahl der Start-ups und weniger Firmen gingen pleite. Das sei ein Hinweis darauf, dass zu viele unproduktive Firmen am Leben gehalten würden.

Das Zombie-Problem betreffe insbesondere die Volkswirtschaften in Südeuropa. In Italien sei der Anteil des Kapitals, das in solchen Firmen gebunden ist, zwischen 2007 und 2013 von 7 auf 19 Prozent gestiegen, errechneten die OECD-Fachleute. In Spanien habe sich der Anteil auf etwa 16 Prozent verdoppelt, auch in Portugal ist er deutlich gestiegen. Den mit Abstand größten Anteil (28 Prozent) von in eigentlich toten Unternehmen gebundenem Kapital gibt es in Griechenland. In Deutschland liegt er laut OECD-Angabe bei 12 Prozent.

Um die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, ist es nach Überzeugung der OECD- nötig, die unproduktiven Firmen vom Markt zu nehmen. Ein einfaches Mittel dafür sei die Reform der Insolvenzregeln in vielen Ländern. Gerade in den Mittelmeerländern sei die Hürde hoch, bevor ein eigentlich totes Unternehmen endlich ausscheidet oder nicht lebensfähige Teile abgewickelt werden.

mik

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