Kommentar zur Ökodesign-Richtlinie Brüssels trübes Menschenbild

Ab Montag dürfen neue Staubsauger nur noch 1600 Watt Leistung haben. Die EU setzt aufs Verbot - anstatt den Bürgern zu helfen, sich selbst für ein sparsames Gerät zu entscheiden. Das zeigt: In Brüssel herrscht ein trübes Menschenbild.
Heile Staubsaugerwelt: Ist das Ding jetzt A++ oder A+++?

Heile Staubsaugerwelt: Ist das Ding jetzt A++ oder A+++?

Foto: AP/ BISSELL

Vor fast 20 Jahren, als die Menschen noch nicht gleich an Gurkennormen dachten, sobald sie das Wort "Brüssel" hörten, nahm sich die Europäische Union die Waschmaschine vor. Sie setzte durch, dass alle Geräte mit einem Etikett gekennzeichnet werden mussten, das den Stromverbrauch anzeigte. Die sparsamsten Modelle bekamen ein grünes A oder B, die verschwenderischsten ein rotes F oder G. Jedes Kind verstand, was gemeint war.

Ab Montag tritt die neue Stufe der sogenannten Ökodesign-Richtlinie in Kraft - und die EU nimmt sich unter anderem des Staubsaugers an. Wieder ein Haushaltsgerät, aber diesmal ist einiges anders als bei der Waschmaschine. Das neue Etikett ist etwa dreimal so groß wie das alte und enthält so viele verschiedene Informationen, dass ein Begleitblatt entwickelt werden musste, um es zu erläutern. Eine Zahl gibt jetzt den "Schallleistungspegel in dB (A)" an, eine andere den "Energieverbrauch in kWh/annum für einen Durchschnittshaushalt mit 87 qm Wohnfläche und 50 Reinigungsvorgängen pro Jahr". Immerhin: Die Buchstaben haben überlebt. Ab September 2017 allerdings fallen E, F, und G, weg, dafür kommen A+++, A++ und A+ neu hinzu. Alles klar?

Die EU jedenfalls scheint die berechtigte Sorge zu haben, die Verbraucher könnten das neue Etikett missverstehen und aus Versehen einen Stromfresser kaufen. Deshalb hat sie viele Modelle kurzerhand verboten. Staubsauger mit 1600 Watt und mehr dürfen ab jetzt nicht mehr in den Handel kommen. Ab September 2017 liegt die Grenze dann bei 900 Watt. Der Hersteller Miele, sein aktuelles Modell "Ecoline" hat 1200 Watt, kündigt vorsorglich an, der Verbraucher müsse sich dann auf "Kompromisse" bei der Reinigungsleistung einstellen.

Man kann durchaus der Ansicht sein, dass der ökologische Zweck das drastische Mittel heiligt. Die EU-Kommission behauptet, durch den konsequenten Einsatz sparsamer Staubsauger ließen sich in Europa vier Kraftwerke einsparen. Doch das ist nicht der Punkt. Das Staubsaugerverbot zeigt, welch trübes Menschenbild in Brüssel mittlerweile vorherrscht. Selbst unfähig, eine verständliche Öko-Kennzeichnung durchzusetzen, setzt die Bürokratie aufs Verbot.

Die EU sollte versuchen, ihre Bürger zu überzeugen, anstatt sie zu maßregeln. So wie bei der Waschmaschine vor fast 20 Jahren. Das verständliche Etikett veränderte damals den Markt. Viele Verbraucher entschieden sich für ein sparsames Modell. Binnen weniger Jahre halbierte sich der Energieverbrauch einer durchschnittlichen Waschmaschine in der Europäischen Union.

Das Beispiel hat gezeigt, dass die Verbraucher nicht die Trottel sind, für die man sie in Brüssel heute hält.

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