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07. Februar 2017, 11:36 Uhr

Dunkelflaute

Ist der Winter wirklich zu düster für den Ökostrom?

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Deutsche Wind- und Solaranlagen haben im Januar kaum Strom produziert - im Fachjargon heißt das Dunkelflaute. Die Vertreter der alten Energiewirtschaft warnen nun vor einer Versorgungslücke. Doch das ist Unfug.

Die Energiewirtschaft ist voller seltsamer Begriffe. Einer, der in dieser Woche wieder einmal für Schlagzeilen sorgt, ist die sogenannte Dunkelflaute - eine Zeitspanne, in der es gleichzeitig wenig Sonnenlicht und wenig Wind gibt, und die Lobbyisten der klassischen Energiewirtschaft regelmäßig zur Panikmache nutzen.

Denn während einer Dunkelflaute bricht die Ökostromproduktion regelrecht ein, zudem passiert das meist im Winter, wenn der Strombedarf der Republik besonders hoch ist. Andere Kraftwerke, vor allem Gaskraftwerke, müssen einspringen, Schwankungen in den Netzen ausgeglichen werden.

Die "Welt" weist nun darauf hin, dass es im Januar gleich mehrere Dunkelflauten gab, meist verursacht durch für die Jahreszeit typische Hochdruckgebiete, die gleichzeitig für Windstille und Nebel sorgen. Der Bericht stützt sich auf öffentlich verfügbare Daten, die die deutsche Ökostromproduktion und den deutschen Energieverbrauch stundengenau abbilden. Ein typischer Dunkelflautentag war demnach der 24. Januar.

Der Beitrag der erneuerbaren Energien zur deutschen Energieversorgung war entsprechend niedrig. Gegen 18 Uhr, als der Verbrauch am größten war, steuerten alle Ökostromanlagen zusammen nur rund elf Prozent zum Strommix bei, die Solar- und Windanlagen sogar nur gut zwei Prozent. Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke deckten die meiste Zeit des Tages etwa 90 Prozent des Verbrauchs.

Lobbyisten warnen vor Versorgungslücke

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schlägt deshalb Alarm. Er warnt, dass es in den kommenden Wintern zu Versorgungslücken kommen könnte. Denn während sich das deutsche Winterwetter kaum ändern wird, durchlebt der deutsche Kraftwerkspark einen rapiden Wandel: Die restlichen Atomkraftwerke gehen bis 2022 vom Netz, und auch viele Gas- und Kohlekraftwerke stehen zur Disposition.

Die sogenannten konventionellen Kraftwerke sind kaum oder gar nicht mehr rentabel, weil die erneuerbaren Energien an sonnigeren und windreicheren Tagen eben viel mehr Elektrizität produzieren; zu manchen Stunden decken sie den deutschen Bedarf zu fast 100 Prozent. Am Strommarkt gibt es daher oft ein Überangebot, das die Verkaufspreise abstürzen lässt, bisweilen fallen die Preise gar in den negativen Bereich. Stromhändler müssen dann draufzahlen, um ihre Kilowattstunden überhaupt noch loszuwerden.

Die Folge ist, wie die klassischen Energieversorger es ausdrücken, ein wahres "Kraftwerksterben". In den vergangenen fünf Jahren seien insgesamt 82 konventionelle Stromerzeuger mit einer Leistung von mehr als zwölf Gigawatt zur Stilllegung angemeldet worden, schreibt die "Welt". Der Boom der erneuerbaren Energien drängt die klassischen Kraftwerke demnach regelrecht aus dem Markt. Zu Zeiten, in denen Wind- und Solaranlagen kaum Strom produzieren, wird das aus Sicht des BDEW dann zum Problem.

Die konventionellen Stromerzeuger fordern nun neue Regelungen, die den Betrieb ihrer kaum rentablen Meiler wieder attraktiver machen. Ein denkbarer Weg sei, die Kraftwerksbetreiber für sogenannte Systemdienstleistungen zu bezahlen, die sie zur Stabilisierung des Stromnetzes erbringen, heißt es beim BDEW.

Deutschland exportierte trotz Dunkelflaute weiter Strom

Im Lager der Ökostrombefürworter dagegen sieht man die Situation entspannter. "Bange machen ist fehl am Platz", sagt etwa Patrick Graichen, der Chef von Agora Energiewende. "Das deutsche Stromsystem hatte am 24. Januar noch reichlich Reserven."

Erkennbar sei das am Einsatz der Gaskraftwerke, die fehlenden Ökostrom vornehmlich ausgleichen. Tatsächlich waren am 24. Januar maximal Gaskraftwerke mit einer Leistung von 10 Gigawatt im Einsatz, möglich gewesen wären bis zu 28 Gigawatt.

Unterm Strich exportierten die deutschen Kraftwerke zudem auch während der Dunkelflaute des 24. Januar permanent Strom. Selbst gegen 18 Uhr, als der Verbrauch der Republik am größten war, wurden netto noch mehr als eine Gigawattstunde Elektrizität in andere Länder verkauft, vor allem nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz.

Momentan ist die deutsche Versorgung also auch zu Zeiten von Dunkelflauten gut gesichert. Und auch künftig wird das so bleiben. Denn die Betreiber dürfen ihre Kraftwerke stets nur mit Genehmigung der Bundesnetzagentur stilllegen. Wenn diese irgendwo Engpässe sieht, kann sie Unternehmen dazu zwingen, ihre Anlagen weiterzubetreiben.

Das für die Energiewende zuständige Bundeswirtschaftsministerium hält die Situation in Deutschland ebenfalls für undramatisch. Zusätzliche Zahlungen für die Betreiber der Kohle- und Gaskraftwerke seien unnötig, heißt es dort. Wenn weitere Kohle- und Atomkraftwerke vom Netz gehen, dürften die Strompreise wieder steigen. Der Betrieb der verbleibenden Meiler werde dann automatisch wieder rentabler.

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