Warnung der Internationalen Energieagentur Ölmarkt "ertrinkt" im Überangebot

Der Ölpreis wird nach Ansicht der Internationalen Energieagentur noch tiefer fallen. Die Experten rechnen mit einem massiven Überangebot bis weit ins laufende Jahr hinein.
Ölpumpen in den USA: Massives Überangebot

Ölpumpen in den USA: Massives Überangebot

Foto: Andrew Burton/ Getty Images

Der Ölpreis fällt - und ein Ende des Absturzes ist laut Internationaler Energieagentur (IEA) nicht in Sicht. Das Überangebot an den weltweiten Rohölmärkten dürfte noch bis mindestens Mitte 2016 anhalten, erklärte die IEA am Dienstag .

Die Märkte müssten sich auf das dritte Jahr in Folge gefasst machen, in dem das Angebot die Nachfrage deutlich übersteige, schreibt die IEA. "Wenn sich nichts ändert, könnte der Markt im Überangebot ertrinken." Ob der Preis in der Folge noch tiefer sinken kann? "Die Antwort ist ein entschiedenes Ja."

Die Statistiken der Internationalen Energieagentur haben weltweit Gewicht. Die Agentur verfügt nicht nur über langjährige Expertise, sondern auch über eigene strategische Reserven, mit denen sie eingreifen kann.

Die Ölpreise befinden sich seit Monaten auf Talfahrt. Die Sorte Brent ist mit einem Preis von unter 30 Dollar je Barrel derzeit so billig wie seit 2003 nicht mehr. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) kostete am Dienstag sogar nur noch 23,58 Dollar pro Barrel. Seit Mitte 2014 sind die Ölpreise um 75 Prozent eingebrochen.

Analysten und andere Marktexperten gehen ebenfalls von weiter sinkenden Preisen aus. So hält das Finanzunternehmen Standard Chartered einen Rückgang des Preises auf durchschnittlich zehn Dollar je Barrel für möglich. Knapp über zehn Dollar lag Brent zuletzt Ende der Neunzigerjahre.

Die meisten Experten führen für ihre Prognosen folgende Gründe an:

Die Krise nimmt immer extremere Formen an: Der Preis für eine US-Sorte war am Freitag auf 1,50 Dollar abgerutscht. Kurzzeitig hatte es gar Gerüchte gegeben, er sei unter null gefallen - was der betroffene Abnehmer jedoch dementierte.

Der Absturz der Ölpreise gilt als globales Sicherheitsrisiko. In Algerien, Libyen, Nigeria, Venezuela, Ecuador und weiteren Ländern fehlt den Regierungen das Geld für Sozialprogramme und Sicherheit - dadurch sind neue Unruhen und Proteste zu befürchten. Der Irak muss für seinen Krieg gegen den "Islamischen Staat" seine Notreserven anzapfen. Und im russischen Haushalt dürfte im kommenden Jahr ein großes Loch klaffen - was nach Ansicht mancher Experten zu neuen außenpolitischen Ablenkungsmanövern führen könnte.

ssu