Offshore-Leaks Griechen sind "tief beunruhigt" über Steuer-Enthüllungen

In Griechenland waren Offshore-Firmen schon in viele politische Skandale verwickelt. Doch die jetzt durch ein Journalistennetzwerk veröffentlichten Firmennamen waren dem Fiskus bislang fast alle unbekannt. Ihre Eigentümer sind sich keiner Schuld bewusst.

Antikapitalistisches Graffito in Athen: "Alle sagten, dass sie nichts Illegales getan haben"
AP

Antikapitalistisches Graffito in Athen: "Alle sagten, dass sie nichts Illegales getan haben"


Thessaloniki/Hamburg - Die Enthüllungen in der Offshore-Leaks-Affäre sorgen auch in Griechenland für großes Aufsehen. "Wir sind tief beunruhigt von der Tatsache, dass wir 103 von 107 Offshore-Firmen mit griechischen Besitzern nicht auf dem Radar hatten", sagte Finanzstaatssekretär Harry Theoharis in einer ersten Stellungnahme. Man werde die Daten nun sorgfältig auswerten und "die notwendigen Schritte ergreifen, falls wir irgendetwas Illegales entdecken".

Offshore-Firmen tauchten in Griechenland in Zusammenhang mit zahlreichen politischen Affären auf. Dazu zählte etwa der Immobilienskandal um das Kloster Vatopedi in der Mönchsrepublik Athos, welcher das Ende der konservativen Regierung von Kostas Karamanlis im Jahr 2009 einleitete.

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Steueroasen: Wohin die Datenspuren führen
Auch der mittlerweile inhaftierte Verteidigungsminister Akis Tsohatzopolous benutzte Offshore-Firmen, um sein enormes Vermögen zu verstecken. Ebenfalls ein Profiteur von Offshore-Geschäften war der langjährige Minister Giorgos Voulgariakis von der konservativen Partei Nea Dimokratia. Gegenüber einem TV-Reporter erklärte Voulgariakis einst, was legal sei, müsse automatisch auch moralisch korrekt sein.

Insgesamt gibt es rund 6500 Offshore-Firmen mit Verbindung nach Griechenland. Nach Regierungsangaben entgehen dem Staat durch ihre Aktivitäten jährlich sechs Milliarden Euro. Die Firmen würden für drei Zwecke genutzt, sagte der frühere Chef der Chef-Finanzermittler Giorgos Kanellopoulos dem Journalistenkonsortium ICIJ, das die Daten veröffentlichte: "Von Immobilienbesitzern, um Steuern zu vermeiden, von Unternehmen, um Gewinne zu verstecken und von Politikern, die illegale Vermögen angehäuft haben."

Experten hatten kürzlich vor dem griechischen Parlament kritisiert, dass das Gesetz Offshore-Firmen zu viele Schlupflöcher biete. So sind die Unternehmen von verschiedenen Steuern ausgenommen, darunter der Erbschafts- und Umsatzsteuer auf Immobilien. Die griechische Regierung hat Gesetzesänderungen angekündigt.

Die griechische Zeitung "Ta Nea" war Teil des Journalistennetzwerks, das rund 2,5 Millionen Dokumente über Steueroasen in aller Welt auswertete. Sie schrieb, die Veröffentlichung der Offshore-Firmen solle "in keiner Weise illegale Handlungen der Eigentümer nahelegen". Viele von diesen hätten sich nicht hinter Strohmännern versteckt. "Sie alle sagten, dass sie nichts Illegales getan haben."

dab/gec



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gog-magog 04.04.2013
1.
Zitat von sysopAPIn Griechenland waren Offshore-Firmen schon in viele politische Skandale verwickelt. Doch die jetzt durch ein Journalistennetzwerk veröffentlichten Firmennamen waren dem Fiskus bislang fast alle unbekannt. Ihre Eigentümer sind sich keiner Schuld bewusst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/offshore-leaks-griechen-sind-tief-beunruhigt-ueber-enthuellungen-a-892592.html
Also besonders abartig und krass ist doch wohl die Aussage von Voulgariakis, was legal sei, müsse automatisch auch moralisch korrekt sein. Das kann ja wohl kaum heute noch jemand ernsthaft behaupten, denn unter Stalin war es auch legal, Kulaken zu ermorden und von Hitlerdeutschland möchten wir doch gar nicht erst anfangen, was damals alles legal war. Aber moralisch korrekt kann es niemals werden! Das Hinterziehen von Steuern ist NIEMALS moralisch korrekt, auch wenn es rechtlich möglich ist nicht.
So ist das? 04.04.2013
2. Widerspruch in sich!
Zitat von gog-magogAlso besonders abartig und krass ist doch wohl die Aussage von Voulgariakis, was legal sei, müsse automatisch auch moralisch korrekt sein. Das kann ja wohl kaum heute noch jemand ernsthaft behaupten, denn unter Stalin war es auch legal, Kulaken zu ermorden und von Hitlerdeutschland möchten wir doch gar nicht erst anfangen, was damals alles legal war. Aber moralisch korrekt kann es niemals werden! Das Hinterziehen von Steuern ist NIEMALS moralisch korrekt, auch wenn es rechtlich möglich ist nicht.
Wenn es rechtlich möglich ist kann es *per Definition* keine Hinterziehung sein. Entweder illegal (Hinterziehung) oder legal, aber nicht legale Hinterziehung.
elikey01 04.04.2013
3. Dass
Zitat von sysopAPIn Griechenland waren Offshore-Firmen schon in viele politische Skandale verwickelt. Doch die jetzt durch ein Journalistennetzwerk veröffentlichten Firmennamen waren dem Fiskus bislang fast alle unbekannt. Ihre Eigentümer sind sich keiner Schuld bewusst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/offshore-leaks-griechen-sind-tief-beunruhigt-ueber-enthuellungen-a-892592.html
die nun geleakten "Hintergründe" von Offshore-Firmen insb. auch GR betreffend nicht längst bekannt, mind. jedoch stark zu ahnen gewesen wären, kann man doch nur noch jemand verticken, der die Hose mit der Beißzange anzieht. Doch wenn sich ein solches Trio einig ist und Gesetzgeber sich selbst mit ihrer Politik die besten Grundlagen für dgl. Bereicherungssysteme schafft, ist auch nicht verwunderlich, dass jeder in diesem Land nach seinen Möglichkeiten partipizierte, mitmachte. Die Rolle der EU, die darüber hinaus offensichtlich auch noch jegliche Kontrolle über die Mrd.-Subventionen, die in dieses Land flossen, unterließ, erinnert an kriminelle Tatbestände. Denn dass jenes in GR besonders ausgeprägte System nicht mind. seit 2002 und dem Bekanntwerden der geschönten Statistiken für den €uro-Beitritt offensichtlich war, wird neimand ernsthaft glauben. Doch Brüssel leitete weiterhin das Geld der Steuerzahler in die dubiosen Kanäle, und sicher nicht nur nach GR, sondern auch an finanzierende Banken, deren Geschäftsmodell wiederum das steueroptimierte Offshore-Geschäft beinhaltet. Und die EZB kauft die Staatsanleihen der Südländer auf, für Italien z.B. für 100 Mrd. Letztlich ist die "tiefe Beunruhigung" der Griechen wohl nur Ausdruck dafür, dass nun doch einige Köpfe rollen könnten, nicht etwa weil die Fakten neu wären, sondern weil sie jetzt offenbar wurden.
B.Lebowski 04.04.2013
4.
Zitat von So ist das?Wenn es rechtlich möglich ist kann es *per Definition* keine Hinterziehung sein. Entweder illegal (Hinterziehung) oder legal, aber nicht legale Hinterziehung.
Es ging um moralische Legitimation.... Das Hinterziehen von Steuern ist z.b. egoistisch - auch wenn es durch eine Gesetzeslücke evtl. nicht illegal ist. - Gesetzeslücken gibt es dem Bereich leider viele- erst recht in Griechenland. Aber vielleicht begreift ja auch bald der letzte, dass diese Vorfälle der beste Beweis dafür sind, dass die Einführung des Euro in dieser Form Schuld an der Misére sind. Solange es irgendwo in einem Markt Schlupflöcher gibt, werden sie Schlitzohren nutzen um sich zu bereichern. In diesem Fall sind die Schlupflöcher in Griechenland, bis vor Kurzem waren sie z.b. auch noch in Zypern.
So ist das? 04.04.2013
5. Stimmt durchaus!
Zitat von B.LebowskiEs ging um moralische Legitimation.... Das Hinterziehen von Steuern ist z.b. egoistisch - auch wenn es durch eine Gesetzeslücke evtl. nicht illegal ist. - Gesetzeslücken gibt es dem Bereich leider viele- erst recht in Griechenland. Aber vielleicht begreift ja auch bald der letzte, dass diese Vorfälle der beste Beweis dafür sind, dass die Einführung des Euro in dieser Form Schuld an der Misére sind. Solange es irgendwo in einem Markt Schlupflöcher gibt, werden sie Schlitzohren nutzen um sich zu bereichern. In diesem Fall sind die Schlupflöcher in Griechenland, bis vor Kurzem waren sie z.b. auch noch in Zypern.
Mir ging es beim vorigen Post nur um die Feststellung, daß eine Handlung entweder legal oder illegal ist, ein bißchen illegal geht genauswenig wie ein bißchen schwanger. Die eigentliche Frage ist aber doch: Wie kann in einer Demokratie etwas legal sein, was dem Volk (dem Demos) mehrheitlich als nicht richtig (fehlende moralische Legitimation) erscheint? Dem Gesetzgeber fehlt der Wille oder der Mut, dies zu ändern.
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