Opec-Einigung in Sicht Ölpreise steigen sprunghaft

Die Preise für Rohöl sind sprunghaft gestiegen. Ursache ist der minimale Fortschritt, der sich bei den Opec-Beratungen zu den neuen Förderquoten abzeichnet. Investoren rechnen nun mit einem geringeren Ölangebot.

Ölförderung in Saudi-Arabien
AFP

Ölförderung in Saudi-Arabien


Beim Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) stehen die Zeichen auf Einigung. Das Ölkartell stehe kurz vor einer Vereinbarung in der Frage der künftigen Fördermenge, sagte der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh am Mittwoch nach einem Gespräch mit anderen Energieministern der Opec. Das Treffen diente als letzte Vorbereitung zum eigentlichen Treffen der Minister in Wien. Die Aussicht auf eine Einigung sorgte für einen starken Anstieg der Ölpreise. Für gewöhnlich ziehen Ölpreise immer an, wenn ein geringeres Angebot in Aussicht ist.

Nach Einschätzung des irakischen Ölministers Jabar al-Luaibi gibt es innerhalb der Opec eine einheitliche Haltung für eine Kürzung der Fördermenge. Der Minister machte zwar keine Angaben über das Volumen einer möglichen Förderkürzung, nannte aber einen Zeitraum von sechs Monaten als Laufzeit für die Vereinbarung.

Bewegung bei Iran und Irak

Bereits im September hatte die Opec bei einem Treffen in Algier für viele Experten überraschend einen ersten wichtigen Schritt hin zu einer Förderkürzung gemacht. Das Ölkartell beschloss seinerzeit grundsätzlich eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel, bei zuletzt geschätzten 33,6 Millionen Barrel pro Tag im Oktober. Seit der grundsätzlichen Einigung, die vor allem vom wichtigen Förderland Saudi-Arabien vorangetrieben wurde, ringen die Ölstaaten um eine Lösung in der Frage der praktischen Umsetzung.

Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis
Qualität
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.
Sorten
Weltweit gibt es mehrere Dutzend Rohölsorten aus unterschiedlichen Regionen, die unterschiedlich in ihrer Qualität sind. Die Herkunft reicht von Algerien bis Venezuela. Wichtigste Sorten sind die amerikanische Marke West Texas Intermediate (WTI) und das aus 15 Nordseeölfeldern stammende Brent. Hinzu kommen die Rohölsorten aus den Erdöl exportierenden Ländern (Opec), zum Beispiel die Sorte "Arab Light" aus Saudi-Arabien und "Bonny Light" aus Nigeria.
Preise
An den Terminbörsen werden mehrere sogenannte Referenzöle gehandelt mit einem standardisierten Leitwert. Abhängig von ihrer Qualität werden die übrigen Sorten mit einer Prämie oder einem Abschlag zur Leitsorte gehandelt.

Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.

Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.

Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.

Offenbar habe es beim Vorbereitungstreffen in Wien am Morgen Fortschritte bei den Positionen der Opec-Länder Iran und Irak gegeben, hieß es weiter aus Kreisen der Delegierten. Beide Förderländer hatten sich zuletzt mehrfach kritisch in der Frage einer Kürzung der Fördermenge geäußert. Außerdem zeigten sich auch Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und von Nigeria optimistisch mit Blick auf eine Einigung der Opec.

Die Ölpreise Chart zeigen reagierten mit einem Preissprung von jeweils mehr als fünf Prozent auf die Opec-Meldungen aus Wien. Am späten Vormittag legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI um 2,32 US-Dollar 47,55 Dollar zu und der Preis für Nordsee-Öl stieg um 2,56 Dollar auf 48,94 Dollar.

mik/dpa-AFX



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