Opec-Treffen in Wien Ein Kartell stürzt ab

Einst Schrecken der Weltwirtschaft, jetzt nur noch ein Debattierclub: Die Opec kann sich bei ihrem Treffen in Wien nicht auf eine Strategie gegen den Verfall des Ölpreises einigen - und offenbart damit ihren Machtverlust.
Opec-Sitzung in Wien: Kartell ohne Macht

Opec-Sitzung in Wien: Kartell ohne Macht

Foto: Herbert Pfarrhofer/ dpa

Im Grunde waren es nur wenige Monate, die den Nimbus der Opec als weltbeherrschendes Kartell begründeten. 1973 war das. Die Organisation hatte den israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieg zum Anlass genommen, um den westlichen Industriestaaten den Ölhahn zuzudrehen. Der Lieferstopp erzielte die gewünschte Wirkung: Der Ölpreis stieg um das Vierfache, die westliche Welt stürzte in eine Rezession - und die Deutschen mussten ihr Auto sonntags stehen lassen.

Eine vergleichbare Machtdemonstration gelang der Opec anschließend jedoch nur noch ein einziges Mal, nämlich nach der islamischen Revolution. Deren Anführer Ajatollah Chomeini erkor die USA zum Staatsfeind Nummer eins und nutzte den Ölpreis als Kampfmittel. Immerhin, eine Verdoppelung setzte das Kartell da noch durch.

Schrecken längst verloren

Inzwischen, mehr als zwei Jahrzehnte später, hat die Opec ihren Schrecken verloren. Auch wenn sie nach wie vor einen beträchtlichen Teil der Erdölreserven weltweit kontrolliert und so theoretisch massiven Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen könnte. Doch in der Praxis fehlt es ihr an Einigkeit.

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Opec: Kartell ohne Macht

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Grund genug für eine konzertierte Aktion der Förderländer gäbe es. Die Internationale Energieagentur (IEA), in der führende Industriestaaten vertreten sind, schätzt den Bedarf an Opec-Öl für 2015 auf rund 29,2 Millionen Barrel und damit deutlich niedriger als die derzeitige Fördermenge von mehr als 30 Millionen Barrel. Seit dem vergangenen Sommer ist der Preis geradezu abgestürzt. Ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostete am Donnerstag 76,28 Dollar, gut 30 Prozent weniger als noch im Juni.

Trotzdem konnten sich die Ölminister der zwölf Opec-Staaten heute in Wien nicht auf eine Senkung der täglichen Fördermenge einigen.

Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten bei einer Reduzierung der Fördermenge die größte Last tragen müssen. Sie könnten geringere Exporterlöse noch am einfachsten verkraften. Die anderen Opec-Mitglieder sind dagegen auf jeden Petrodollar angewiesen, um ihre Staatshaushalte zu finanzieren. Der Irak ebenso wie Libyen, Nigeria oder Venezuela.

Ölproduktion in den USA drückt die Preise

In der Vergangenheit kam in Krisenzeiten regelmäßig Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien die Aufgabe zu, das Kartell zusammenzuhalten, indem es die Vorreiterrolle bei den Produktionskürzungen übernahm. Doch diesmal schreckten die Scheichs vor diesem Schritt zurück. "Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren", erklärte Riads Ölminister Ali Al-Naimi.

Einer der wichtigsten Gründe für die saudische Zurückhaltung dürfte die Konkurrenz zu den USA sein, die mithilfe der umstrittenen Fracking-Methode zu einer der führenden Ölnationen aufgestiegen sind. "Mit einer Drosselung der Produktion würde die Opec indirekt die Ölschieferproduktion in den Vereinigten Staaten unterstützen", erklärt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxobank. Steigende Ölpreise machen den Abbau dieser Vorkommen in den USA rentabler.

Profitieren würde von einer Kürzung der Fördermenge ein weiteres Nicht-Opec-Land, das auf den Ölexport dringend angewiesen ist: Russland. Experten vermuten, dass die russischen Ölkonzerne infolge des Ölpreisverfalls bis zu 100 Milliarden Dollar eingebüßt haben. Zusammen mit der daraus folgenden Rubelabwertung und dem steigenden Kapitalabfluss beziffert Moskau selbst den Schaden für die russische Wirtschaft auf rund 130 Milliarden Dollar. Ein weiterer Preisverfall würde das Land schnell an seine wirtschaftlichen Grenzen führen. In einigen Kommentaren wurde deshalb schon die Vermutung laut, die Saudis würden mit den USA gemeinsame Sache machen, um den Ölpreis künstlich niedrig zu halten und Russland maximal zu schaden. Marktexperten halten das aber für reine Spekulation.

Die Opec setzt jetzt darauf, dass ihrer Prognose nach ab 2018 die Schieferölproduktion in den USA wieder abnehmen wird. "Die sinkenden Preise beunruhigen uns, aber grundsätzlich hat sich nicht viel geändert", sagt Opec-Generalsekretär Abdalla El-Badri: Das Kartell besitzt noch immer rund drei Viertel der weltweiten Ölreserven.

Doch eine derartige Marktmacht allein nutzt noch nichts - wie bei jedem Kartell müssen sich die Mitglieder auch einig sein, wenn sie die Preise nach oben treiben wollen.

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