DIW-Studie Ostdeutsche Länder bleiben noch Jahrzehnte finanzschwach

Die Finanzkraft der deutschen Bundesländer weist auch drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall ein starkes Ost-West-Gefälle auf - und das dürfte einer Studie zufolge auch in den kommenden 30 Jahren so bleiben.

Siemens-Turbinenwerk in Sachsen: Die Steuereinnahmen im Osten dürften auch künftig hinter denen im Westen zurückbleiben
Sebastian Kahnert / DPA

Siemens-Turbinenwerk in Sachsen: Die Steuereinnahmen im Osten dürften auch künftig hinter denen im Westen zurückbleiben


In den kommenden drei Jahrzehnten werden die ostdeutschen Bundesländer einer aktuellen Studie zufolge wahrscheinlich ebenso finanzschwach bleiben wie heute. Ein wichtiger Grund sei die stark alternde Bevölkerung dort. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

So schrumpfe beispielsweise die Bevölkerung Sachsen-Anhalts bis 2050 im Vergleich zu heute voraussichtlich um fast 21 Prozent. In Thüringen nehme die Bevölkerung demnach um rund 18 Prozent ab. Der Rückgang liege zu großen Teilen an den hohen Bevölkerungsverlusten in den Nachwendejahren, heiße es in der Studie weiter. "Die dadurch hervorgerufene ungünstige Altersstruktur der Bevölkerung sorgt dafür, dass nicht nur die Zahl der EinwohnerInnen insgesamt, sondern auch die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter kräftig zurückgeht."

Schere könnte weiter aufgehen

Die Unterschiede in der Wirtschafts- und Steuerkraft der einzelnen Länder seien auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer hoch, schreiben die Forscher. Und vieles spreche dafür, dass sich diese Schere in den kommenden 30 Jahren sogar noch weiter öffne.

Die eigenen Steuereinnahmen der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern liegen in diesem Jahr nur bei knapp 61 Prozent des Bundesdurchschnitts, schreibt das DIW. Die Szenarien der Studie gehen davon aus, dass es auch im Jahr 2050 nur zwischen 70 und 80 Prozent sein dürften.

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brt/dpa

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Spiegelleserin57 23.10.2019
1. selbst schuld!!
"Die dadurch hervorgerufene ungünstige Altersstruktur der Bevölkerung sorgt dafür, dass nicht nur die Zahl der EinwohnerInnen insgesamt, Es ist nicht die Altersstruktur sondern es sind die Fehler unserer Regierung. Solange weder die Löhne noch die Renten an den Westen angeglichen werden wird sich da nichts ändern und das ist auch so von der Regierung gewollt.
k70-ingo 23.10.2019
2.
Zitat von Spiegelleserin57"Die dadurch hervorgerufene ungünstige Altersstruktur der Bevölkerung sorgt dafür, dass nicht nur die Zahl der EinwohnerInnen insgesamt, Es ist nicht die Altersstruktur sondern es sind die Fehler unserer Regierung. Solange weder die Löhne noch die Renten an den Westen angeglichen werden wird sich da nichts ändern und das ist auch so von der Regierung gewollt.
Unfug - was hat die Regierung mit den Löhnen zu tun? Nein, das sind unzweifelhaft die Nachwirkungen von 45 Jahren Sozialismus. Ab 1945 wurden von der SMAD und ab 1949 von der SED systematische alle Großkonzerne und Finanzunternehmen -also die, die gute und oft sogar überdurchschnittliche Löhne zahlen- enteignet und in den Westen vertrieben -oft mitsamt Personal und Knowhow-, bis nach der letzten Verstaatlichungswelle 1972 an Privatbetrieben nur Klitschen mit maximal 10 Angestellten übrig blieben. Die finanzkräftigen Großunternehmen mit ihren gutverdienenden Angestellten sitzen genau deswegen im Westen. Wo sie auch bleiben werden.
edgarl 23.10.2019
3. Ja die Überalterung
Wenn die auch keine Außenstehenden wollen, seien sie auch noch so klug, dann sei es so. In einem Landstrich der keine Einwanderung wünscht und mit Ablehnung und überproportional AfD reagiert, sei es so. Stört nur, ich will das nicht ausgleichen ist es selbstverschuldeteres Leid, nicht mit Soli und nicht mit Steuer. Und dies betrifft nicht alle in Ostdeutschland. Doch die die es nicht betrifft, müssen dann halt erkennbar dagegenhalten.
clkr 25.10.2019
4. @k70-ingo, #2: Schon mal was ...
Zitat von k70-ingoUnfug - was hat die Regierung mit den Löhnen zu tun? Nein, das sind unzweifelhaft die Nachwirkungen von 45 Jahren Sozialismus. Ab 1945 wurden von der SMAD und ab 1949 von der SED systematische alle Großkonzerne und Finanzunternehmen -also die, die gute und oft sogar überdurchschnittliche Löhne zahlen- enteignet und in den Westen vertrieben -oft mitsamt Personal und Knowhow-, bis nach der letzten Verstaatlichungswelle 1972 an Privatbetrieben nur Klitschen mit maximal 10 Angestellten übrig blieben. Die finanzkräftigen Großunternehmen mit ihren gutverdienenden Angestellten sitzen genau deswegen im Westen. Wo sie auch bleiben werden.
... von Mindestlohn gehört? Und von den Verwüstungen, die die Treuhand im Zusammenspiel mit Schnäppchenjägern aus den "gutverdienenden" Konzernetagen in den VEBs anrichteten? Daß nach so einem Raubzug nicht mehr viel übrigblieb, dürfte klar sein. Das muß eben jetzt wieder aufgebaut werden. Generell erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, wonach sich diese "unterdurchschnittliche Finanzstärke" bemißt. Wo wenige Leute wohnen, kann man halt weniger steuerbare Knete herauspressen. Davon braucht man aber auch weniger. Weniger Infrastruktur, weniger Beamte, ...also: Who cares?
k70-ingo 25.10.2019
5.
Zitat von clkr... von Mindestlohn gehört? Und von den Verwüstungen, die die Treuhand im Zusammenspiel mit Schnäppchenjägern aus den "gutverdienenden" Konzernetagen in den VEBs anrichteten? Daß nach so einem Raubzug nicht mehr viel übrigblieb, dürfte klar sein. Das muß eben jetzt wieder aufgebaut werden. Generell erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, wonach sich diese "unterdurchschnittliche Finanzstärke" bemißt. Wo wenige Leute wohnen, kann man halt weniger steuerbare Knete herauspressen. Davon braucht man aber auch weniger. Weniger Infrastruktur, weniger Beamte, ...also: Who cares?
Der Mindestlohn -den es damals noch gar nicht gab- spielt in den gemeinten Konzernen und Branchen keinerlei Rolle. In Groß- und Finanzkonzernen werden mindestens Tariflöhne gezahlt, oft darüber hinaus. Und ebendiese gutbezahlenden Konzerne sitzen nun einmal alle im Westen. Ihr Satz mit der Treuhand ist unverständlich und hat mit meinem Kommentar auch nichts zu tun. Erstens gab es in den "Konzernetagen" der VEB keine Gutverdiener -die einzigen nach westlichen Maßstäben halbwegs gutsituierten DDR-Bürger waren private Selbstständige sowie Künstler mit Westgeldquellen-, weiterhin haben die Treuhandaktivitäten in den VEB mit dem Punkt, um was den mir geht, überhaupt nichts zu tun - um den Punkt, daß es im Osten keine höhe Löhne zahlenden Großunternehmen gibt, weil die Kommunisten diese Unternehmen nach 1945 und 1949 plattgemacht und in den Westen vertrieben haben.
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