Trumps Wahlkampfchef Paul Manafort bekam 60 Millionen Dollar aus Russland

Paul Manafort war Donald Trumps Wahlkampfchef - und steht im Zentrum der Russlandaffäre. Jetzt wird bekannt: Der Lobbyist bekam offenbar weitere Millionen-Überweisungen von einem Oligarchen.

Partner Trump, Manafort im Wahlkampf 2016
AP

Partner Trump, Manafort im Wahlkampf 2016


Donald Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort hat offenbar deutlich stärker von Geschäften mit Partnern in Russland profitiert, als bislang bekannt. Nach Recherchen des US-Senders NBC ging bei einer Manafort zugerechneten Firma eine weitere, bisher nicht öffentlich gewordene Überweisung ein.

Die transferierte Summe belief sich dem Bericht zufolge auf 26 Millionen Dollar. Absender sei der russische Milliardär Oleg Deripaska, berichtet NBC. Das gehe aus Dokumenten hervor, auf die der Sender auf Zypern gestoßen sei. Zuvor hatten Medien wie die "New York Times" bereits über andere Zahlungen von Deripaska-Firmen an Manafort berichtet. Mit der nun neu aufgedeckten Zahlung belaufen sich die Zahlungen des Oligarchen an den Polit-Berater Manafort auf insgesamt 60 Millionen Dollar, so NBC. Die Zahlungen seien als Darlehen deklariert gewesen.

Stefan Cassella, Experte für Geldwäsche und ehemaliger US-Ermittler, äußert gegenüber NBC allerdings den Verdacht, bei dem Kredit könnte es sich in Wahrheit um eine verdeckte Zuwendung handeln. "Geldwäscher verschleiern ihre Zahlungen oft als Darlehen", so Cassella. Man könne das nennen, wie man wolle, "Darlehen oder Mary Jane. Wenn es keine Absicht gibt, es zurückzuzahlen, ist es kein Darlehen. Es ist eine Zahlung."

Urgestein der Lobbyistenszene

Manaforts Sprecher Jason Maloni ließ NBC zunächst wissen, Manafort sei "heute bei keinem seiner früheren Klienten verschuldet, noch war er es zu der Zeit, als er für die Trump-Kampagne zu arbeiten begann". Laut dem Sender zog der Sprecher das Zitat später allerdings zurück und verwies darauf, Manafort habe offenbar unter Überwachung durch die US-Behörden gestanden, bevor er bei Trump anheuerte. Eines stehe aber fest: "Mr. Manafort hat nicht mit der russischen Regierung zusammengearbeitet."

Trump, Manafort (Bildmitte) bei einem Wahlkampfauftritt im Juli 2016
Getty Images

Trump, Manafort (Bildmitte) bei einem Wahlkampfauftritt im Juli 2016

US-Ermittler gehen derzeit genau dieser Frage nach. Manafort ist Dreh- und Angelpunkt der Untersuchungen zur sogenannten Russlandaffäre. Die Ermittler untersuchen, ob über Manaforts Kontakte Verabredungen zur Manipulation der US-Wahl erfolgt sein könnten. Manaforts Haus in einem Vorort Washingtons wurde durchsucht, das Haustürschloss wurde aufgebrochen, große Spezialteams rückten mit gezückten Waffen an.

Der Oligarch ist im Kreml wohlgelitten

Manafort ist ein Urgestein der Washingtoner Lobbyisten-Szene. 2016 wurde er als Trumps Wahlkampfmanager bekannt, zog sich aber zurück, als Berichte seine intensiven Geschäftskontakte nach Russland und die Ukraine beleuchteten. Einer von Manaforts wichtigsten Kunden war die eng mit Russland verbandelte ehemalige Führung der Ukraine, insbesondere Wiktor Janukowytsch, der 2014 gestürzte Präsident der Ukraine. Janukowytschs "Partei der Regionen" hatte ihre Hochburgen im mehrheitlich russischsprachigen Osten der Ukraine. Janukowytschs Wahl wurde vom Kreml unterstützt.

Manafort unterhielt auch selbst Kontakte nach Russland. Bereits im August berichtete das "Wall Street Journal", Manafort habe ab dem Jahr 2004 und bis 2015 als Berater für den Moskauer Milliardär Deripaska gearbeitet. Der Oligarch ist während Russlands blutig geführter Aluminiumkriege zu großem Reichtum gekommen und gilt im Kreml als wohlgelitten. Deripaska-Firmen beteiligten sich im großen Stil an den Bauarbeiten zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Deripaska sagte 2007 in einem Interview mit der "Financial Times" über sein Verhältnis zum Kreml: "Ich distanziere mich nicht vom russischen Staat. Ich habe keine anderen Interessen."

beb

insgesamt 24 Beiträge
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sven2016 14.10.2017
1.
Hoffentlich kommen auch bald die finanziellen Verpflichtungen derTrump-Familie ans Licht. Sehr deutliche Hinweise darauf gibt es ja offenbar seit 1980. Die Ermittlungen sollten wirklich in die Puschen kommen, sonst wird das nichts mit der Anklage in der Wahlperiode...
cajun_moon 14.10.2017
2. Mit Abstand betrachtet
Löst man sich aus der Debatte um Details, und blickt auf das sog. große Ganze, dann ist der Verdacht geradezu überwältigend, dass mit Trump der feuchte Traum russischer Geostrategen wahr geworden ist. Dessen katastrophale Präsidentschaft erodiert den Zusammenhalt des Westens und isoliert die USA zunehmend. Cui bono? Siehe oben. Es wäre ein irrer Zufall, wenn diese Entwicklung der russischen Regierung als reines Geschenk des Glücks in den Schoss gefallen wäre. Womit wir wieder bei Paul Manafort wären, und all den anderen merkwürdigen Verbindungen nach - oder besser: Verbindlichkeiten in? - Russland.
DieHappy 14.10.2017
3.
Etwa der Paul Manafort, der auch bei dem Treffen dabei war, als die Trump Söhne sich mit einer Kreml Anwältin und einem Ex KGB Mann im Wahlkampf trafen, um Hilfe aus Russland zu bekommen?! Ein Treffen, von dem Donald Trump natürlich gewusst hat. Wenn der Vermittler und guter Trump Bekannter schon in der Mail schreibt: Ich kann es auch direkt an deinen Vater (Donald) schicken, wollte es aber erst dir zukommen lassen. Kann man unter diesem Licht Trump großes Statement: "I have no deals with russia" tatsächlich noch ernst nehmen?! Wirtschaftlich hat er die sowieso. Also doppelt gelogen. Und aus "Olgino and Friends" möchte ich jetzt bitte nichts mehr hören. Nicht das altbekannte Negieren, Abstreiten, Nebelkerzen werfen, mit dem Finger auf andere zeigen, Whataboutism usw. Die Sachlage ist klar. Für wie dumm haltet ihr uns eigentlich?!
emil_sinclair73 14.10.2017
4. Und wann hat er das Geld bekommen?
Das der Artikel auf diesen Fakt nicht eingeht, legt schon wieder Vermutungen nahe, dass das irgendwann vor 2010 gewesen ist. Dann hat Manafort auch noch den ukrainischen Präsidenten beraten. Hat Manafort das Geld persönlich bekommen (als Beratungshonorar) oder ist das in Unternehmen geflossen. Gerade im Fall Manafort ist die Zeitachse wichtig.
cajun_moon 14.10.2017
5. Das Urteil der Geschichte
Man muss fürchten, dass die Story der Trump-Präsidentschaft von der Geschichtsschreibung so erzählt werden wird: Mega-Pleitier sah nur eine Chance sich zu retten. Er verkaufte die US-Präsidentschaft an seine russischen Großgläubiger. Mit ihrer Hilfe, und aufbauend auf seiner TV-Popularität, gewann er tatsächlich die Wahlen. Was folgte, war... - wissen wir noch nicht; aber möge Gott uns gnädig sein.
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