Sorgen um Standort Pegida-Proteste verunsichern Dresdens Unternehmer

Dresden ist eine ostdeutsche Hightech- und Forschungshochburg. Nun leidet der Ruf des Standorts unter den Pegida-Protesten. Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft reagieren besorgt.
Pegida-Plakate: Folgen für den Standort Dresden

Pegida-Plakate: Folgen für den Standort Dresden

Foto: ROBERT MLCHAEL/ AFP

Hamburg - Über die Grenzen Deutschlands hinaus ist Dresden als Hightech-Standort bekannt. Die Stadt gilt als Zentrum der europäischen Mikroelektronikbranche, sie beherbergt zahlreiche Start-ups, Nanotechnologiefirmen, Biotechnologieunternehmen, Medizintechniker wie GlaxoSmithKline, eine berühmte Technische Universität.

Für Unternehmer solcher Branchen sind die Pegida-Proteste Gift. Immerhin sind sie auf Wissenschaftler und hochspezialisierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Zudem ist die Stadt eines der beliebtesten deutschen Touristenziele.

Nun leidet der Ruf des Standorts unter den allwöchentlichen, teils ausländerfeindlichen Protesten. Vielen Unternehmern drohen Umsatzeinbußen. Die ersten reagieren besorgt.

"Das Bild, das durch die Proteste von Dresden entsteht, ist sehr verunsichernd", bestätigt Diego Schwarz, Verantwortlicher des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft für die Stadt Dresden. Eine mögliche Folge könnte sein, "dass ausländische Fachkräfte Dresden verlassen".

Schon jetzt hält sich ihre Zahl - anders als man von einem Hightech-Standort vermuten würde - in Grenzen. Genau 27.063 Ausländer lebten Ende 2013 in der 530.000-Einwohner-Stadt Dresden. Von den insgesamt 242.039 gemeldeten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in Dresden arbeiten, waren gerade 6940 Ausländer. Die Pegida-Märsche machen es den Firmen nun womöglich noch schwerer, ihr Fachkräfteproblem in den Griff zu bekommen.

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Foto: Matthias Hiekel/ picture-alliance/ dpa

Besorgte Tourismus-Branche

Unweit des Pegida-Treffpunkts liegt das Hotel Dorint. Direktor Michael Mollau macht sich wegen der Protestmärsche inzwischen Sorgen. Seine größte ist, dass die friedlichen Märsche in Gewalt umschlagen könnten. Sollte das der Fall sein, blieben auch die Gäste weg, fürchtet er.

Beim Tourismusverband Dresden registriert man verunsicherte Kunden. "In einem Hotel in der Dresdner Innenstadt hat kürzlich eine arabische Familie angerufen und gefragt, ob man sich noch nach Dresden trauen kann", heißt es.

Für den Tourismusstandort Dresden - der allein von Januar bis Oktober 2014 knapp 3,7 Millionen Übernachtungen zählte - sind das beunruhigende Nachrichten. Auch wenn bislang niemand absehen kann, wie stark sich die Proteste tatsächlich in den Geschäftszahlen niederschlagen würden. 80 Prozent der Touristen kommen aus dem Inland, dürften die Proteste also zumindest nicht als unmittelbare Bedrohung wahrnehmen.

Der Ruf der Stadt droht dennoch Schaden zu nehmen oder hat er womöglich schon. "Wir hoffen, dass sich die Verunsicherung legt, ehe der Tourismusstandort Dresden leidet", heißt es beim Tourismusverband.

Erste Forscher wandern ab

Während sich Hoteliers und Unternehmer sorgen, spürt die Technische Universität Dresden bereits negative Folgen der Pegida-Proteste. "Die TU Dresden muss leider in Einzelfällen erleben, dass ausländische Wissenschaftler auf Grund der aktuellen Entwicklungen Dresden verlassen", sagt Hans Müller-Steinhagen, Direktor der TU Dresden.

Auch unter den ausländischen Studenten, die rund ein Achtel der Studierenden ausmachen, herrscht teils Verunsicherung. Steinhagen hält das für beunruhigend. "Durch die Vorgänge der vergangenen Wochen hat das Ansehen von Dresden und Sachsen bereits weit über die Grenzen des Landes hinaus erheblichen Schaden genommen", sagt er.

IHK sieht Schuld bei den Medien

Die Verunsicherung unter Dresdens Unternehmern wächst also, auch wenn sich die wirtschaftlichen Folgen der Pegida-Proteste bislang in Grenzen halten. Man habe "vereinzelt besorgte Anrufe von Unternehmern aus der Region erhalten", heißt es bei der sächsischen Landesregierung.

Die Industrie- und Handelskammer Dresden teilt mit, es seien zwar bisher "keine messbaren Schäden" für den Wirtschaftsstandort entstanden. Sie kritisiert aber auch die aus ihrer Sicht "mehrheitlich undifferenzierte, teils falsche mediale Berichterstattung", die dem Ruf der Stadt zusätzlich schade.

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