Umfrage zur Industriepolitik Nur 1,3 Prozent der Unternehmen finden Altmaiers Pläne gut

Mit seinen Vorschlägen für eine neue Industriepolitik wollte Wirtschaftsminister Peter Altmaier im ökonomischen Wettlauf mit China und den USA punkten. Doch kaum ein Unternehmen kann sich mit seinen Plänen anfreunden.

Wirtschaftsminister Altmaier: Unterstützung von 0,8 Prozent der Großbetriebe
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Wirtschaftsminister Altmaier: Unterstützung von 0,8 Prozent der Großbetriebe

Von und


Deutschlands Firmen halten wenig von den industriepolitischen Vorstößen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Das zeigt eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Danach unterstützen nur 1,3 Prozent der Betriebe Altmaiers Forderung, große nationale Champions zu schaffen, damit Deutschland im internationalen Technologiewettlauf mithalten kann.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 37/2019
Chaos nach Plan? Wie Premier Johnson die Zukunft der Briten verzockt

Der CDU-Politiker hatte seinen Vorschlag vorgelegt, nachdem die Brüsseler EU-Kommission die Fusion der Zugsparten von Siemens mit der französischen Alstom-Gruppe untersagt hatte. Damit wollten die Unternehmen an Wettbewerbskraft gewinnen, um gegen den weltgrößten Bahnkonzern aus China mithalten zu können. Mit ihrem Veto brachte die Brüsseler EU-Kommission jedoch Altmaier gegen sich auf. Der Berliner Wirtschaftsminister empfahl, strategisch wichtige Großbetriebe finanziell zu fördern; zugleich sollten für solche Firmen die Wettbewerbsregeln gelockert werden.

Bei den deutschen Unternehmen aber kommt der Plan nicht gut an, wie die Ifo-Umfrage beweist. Gut 43 Prozent der Befragten halten es danach für sinnvoller, kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen als nationale Champions zu schaffen. Rund 18 Prozent plädieren für die Förderung ganzer Branchen oder Technologien. Sogar bei Großbetrieben fallen Altmaiers Pläne durch. Lediglich 0,8 Prozent der Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten stimmen laut Ifo-Umfrage Altmaiers Champion-Ideen zu. Knapp 54 Prozent dagegen sind für Branchen- oder Mittelstands-Förderung.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirkcoe 06.09.2019
1. Altmaier übt ja noch
Der verehrte Herr Altmaier ist halt studierter Jurist - leider kein Ökonom. Deshalb kann er eben nicht auf erlerntes Wissen zurückgreifen - er versucht es mit Versuch und Irrtum. Wer weis - vielleicht hat er ja auch mal Glück.
DietrichHorstmann 06.09.2019
2. Klar Merz muß es werden
obwohl die verheerenden Folgen des Marktliberalismus jedem täglich vor Augen stehen. Die Akteure selbst glauben nicht mehr daran. Sie bekämpfen sich inzwischen in Handelskriegen mit Zöllen . Selbstmord durch Vernichtungskriege .
garno 07.09.2019
3.
Wie üblich wird hier von falschen Prämissen ausgegangen: Wie die Industrie die Pläne Altmaiers findet, das ist zweitrangig. Er ist nicht der Interessenvertreter der Industrie, sondern ein Volksvertreter und hat somit dessen Interessen zu vertreten. Ein Unternehmer hat nur die Gewinnaussichten seines Unternehmens im Kopf, ein Staatspolitiker sollte das große Ganze auf dem Schirm haben. Oder wird hier etwa das Volk als Anhängsel der Industrie verstanden?
Emanuel Goldstein 08.09.2019
4.
"Gut 43 Prozent der Befragten halten es danach für sinnvoller, kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen als nationale Champions zu schaffen. Rund 18 Prozent plädieren für die Förderung ganzer Branchen oder Technologien. Sogar bei Großbetrieben fallen Altmaiers Pläne durch. Lediglich 0,8 Prozent der Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten stimmen laut Ifo-Umfrage Altmaiers Champion-Ideen zu. Knapp 54 Prozent dagegen sind für Branchen- oder Mittelstands-Förderung." "Sogar bei Großbetrieben", der typische Betrieb mit zwischen 1,000 und 20,000 Mitarbeitern in der Industrie sieht sich selbst den statistischen definitionen zum trotz, eben doch als Mittelständler, in ihrem Anteil an der Gesamtzahl der Unternehmen sind die Großkonzerne winzig, also weit unter 0,1%, aber in ihren Beschäftigsungseffekten, Steuereinnahmen usw. stehen sie ziemlich weit oben, auch findet der großteil der Forschungs & Entwicklungsausgaben bei den ganz großen statt. Es ist offensichtlich, dass kleine und mittlere Betriebe gerne mehr subventionen hätten, aber wenn man sich an dem was die wollen ausrichtet, macht man den Bock zum Gärtner, es ist nicht aufgabe eines Politikers einer kleinen klientel wie den klein- und mittelständischen Unternehmen gefallen zu tun, sondern das zu tun was für das gesamte Land am besten ist. Großkonzerne können sich kaum vor gewerkschaftlicher Organisation schützen, da hat man dann auch eine Chance auf angemessene Entlohnung und Arbeitszeiten. Die "ehrenwerten" Kleinunternehmer sind meiner Erfahrung nach ausbeuter und gauner, die ihre Mitarbeiter mit Spielchen wie "Vertrauensarbeitszeit" über Gebühr ausbeuten, was glücklicherweise inzwischen mal angegangen wird. Habe bin von einem kleinbetrieb (ca. 8 Mitarbeiter), zu einem Großkonzern (>100'000 Mitarbeiter) Gehaltsplus für mich: über 30'000 €. Ich hatte auch gespräche bei Mittelständlern, da war das gebotene Gehalt dann auch näher am Kleinbetrieb als am Großkonzern. Abgesehen davon bedeutet gibts im Großkonzern keine unbezahlten Überstunden mehr. Und und und. Trotz alledem, erzielen die Großkonzerne besonders hohe Gewinnmargen, und die größten werden international eher diejenigen sein, die andere aufkaufen, als die, die von Chinesen, Amerikanern und Franzosen übernommen werden. Ich hab bisher bei Kleinunternehmen, Mittelständlern und dem Staat gearbeitet, und jetzt beim Großkonzern, muss ganz klar sagen, wenn eine Politik vorsieht, dass ein höherer Anteil der deutschen Beschäftigten in Großkonzernen tätig ist, dann bin ich dafür, dass bedeutet Wohlstandsplus und Freizeitplus für die betroffenen Beschäftigten, bei gleichzeitig höherer internationaler Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie sowie sogar proportional gesehen größerer Forschungs- und Entwicklungsausgaben.
gluonball 08.09.2019
5. @Emanuel Goldstein
Ja wenn man beim Großkonzern direkt eingestellt wird. Fragen sie Mal bei Siemens nach wie viele sie der ach so benötigen it Fachkräfte direkt einstellen. Siemens hat ein eigenes Gebäude für Leiharbeit-IT Kräfte. Und das seit die Gesetze geändert wurden denn vorher haben sie noch auf dem Siemens-Gelände arbeiten können. Gerade die Großkonzerne arbeiten da mit allen Tricks. Selbst kommunale Firmen wie Wasserbetriebe haben da gerne Mal eine Tochterfirma in die man geschoben werden kann damit man nicht direkt übernommen werden muss. Also die Großkonzerne über den Klee zu loben ist albern. Dagegen habe ich persönlich mit dem Mittelstand gute Erfahrungen gemacht. Aber natürlich haben die auch versucht gut weg zu kommen. Es schenkt einem niemand etwas. Oder Fragen sie Mal die Leiharbeit in den Werken der Automobilindustrie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.