Forderung der Industrie Altmaier will Idee für deutschen Weltraumbahnhof prüfen

Die deutsche Industrie wünscht sich einen Weltraumbahnhof an der Küste. Wirtschaftsminister Altmaier will nun immerhin untersuchen lassen, ob Deutschland als Standort überhaupt geeignet ist.
Eine Sojus-Rakete auf dem Weltraumbahnhof in Baikonur

Eine Sojus-Rakete auf dem Weltraumbahnhof in Baikonur

Foto: Shamil Zhumatov / REUTERS

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat Interesse am Wunsch der deutschen Industrie nach einem Weltraumbahnhof in Deutschland bekundet. "Raumfahrt begeistert viele Menschen und sichert Tausende Arbeitsplätze in Deutschland. In der Satellitentechnik sind wir führend. Deshalb werde ich den Vorschlag des BDI für einen Weltraumbahnhof gerne prüfen", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung .

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat angeregt, einen eigenen Weltraumbahnhof in Deutschland zu bauen. Dort sollten dann kleine Raketen, sogenannte Micro-Launcher, mit Satelliten ins All starten. Als Standorte kämen die Flughäfen Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern oder Nordholz in Niedersachsen infrage.

Bei seinem "Weltraumkongress" forderte der BDI die Bundesregierung dazu auf, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. "Die Stärke des Hightech-Standorts Deutschland spiegelt sich nicht in den staatlichen Raumfahrtinvestitionen wider", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. "Raumfahrt ist für Deutschland und seine Industrie im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung."

Eignung Deutschlands unklar

Ob Deutschland als Standort für einen Weltraumbahnhof überhaupt infrage kommt, ist jedoch umstritten. Üblicherweise werden wenig besiedelte Standorte bevorzugt, die gute Voraussetzungen für einen Start in äquatoriale oder polare Umlaufbahnen bieten. So hat Frankreich einen Weltraumbahnhof in Kourou im Übersee-Département Französisch-Guayana errichtet, das nahe am Äquator liegt. Starts von abseits liegenden Standorten benötigen deutlich mehr Treibstoff. Ist die Region dicht besiedelt, drohen außerdem Schäden durch bei Fehlstarts herabstürzende oder planmäßig abgetrennte Teile.

Auf dem kontinentalen Gebiet der EU gibt es bislang keinen Weltraumbahnhof, das könnte sich aber bald ändern: Schottland plant, von der Halbinsel A'Mhoine in der Grafschaft Sutherland bereits im kommenden Jahrzehnt Raketen ins Weltall zu schießen. Das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic plant derzeit einen Weltraumbahnhof in Grottaglie im Süden Italiens. (Lesen Sie hier mehr über den Boom der privaten Raumfahrt).

Altmaier will "Weltraumgesetz" erarbeiten

In seiner "Berliner Weltraumerklärung" macht der BDI neben dem Weltraumbahnhof sieben andere Vorschläge. So soll erreicht werden, dass 2024 eine deutsche Astronautin mit den USA auf den Mond fliegt. Bislang war das nicht geplant.

Der Verband fordert außerdem einen investitionsfreundlicheren Rechtsrahmen und eine internationale Regelung für möglichen Weltraumbergbau. Darüber hinaus solle das nationale Programm für Raumfahrt und Innovation von 285 Millionen Euro auf das Niveau des französischen Weltraumbudgets von mehr als 700 Millionen Euro aufgestockt werden.

Minister Altmaier kündigte für Anfang 2020 die Vorlage von Eckpunkten für ein "Weltraumgesetz" an. Nach BDI-Angaben liegt Deutschland bei den Raumfahrtinvestitionen im internationalen Vergleich auf Rang acht, der Anteil an der Wirtschaftsleistung beträgt demnach 0,05 Prozent.

Im Video: Virgin Galactic stellt Raumanzüge vor

SPIEGEL ONLINE
kko/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.