Peter Diamond Nobelpreisträger fordert Hilfe für Arbeitsmarkt

Für seine Forschungen zum Thema Arbeitssuche hat er am Montag den Nobelpreis bekommen. Jetzt nutzt Wirtschaftswissenschaftler Peter Diamond die Gunst der Stunde, um sich für ein neues Hilfspaket für den US-Arbeitsmarkt stark zu machen.

Nobelpreisträger Peter Diamond: Hilfspaket für US-Arbeitsmarkt wäre "sehr wertvoll"
DPA/ MIT

Nobelpreisträger Peter Diamond: Hilfspaket für US-Arbeitsmarkt wäre "sehr wertvoll"


Cambridge - Kaum hat er den Nobelpreis bekommen, schon schaltet er sich in die politische Debatte ein: Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Peter Diamond fordert ein zweites Konjunkturpaket in den USA zur Beschäftigungssicherung im öffentlichen Dienst.

Eine solche Anstrengung auf Bundesebene wäre sehr wertvoll, sagte Diamond in Cambridge, wo der 70-Jährige als Wirtschaftsprofessor am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet. Die Regierung sollte den Bundesstaaten zur Seite springen, um Jobs im öffentlichen Dienst etwa bei Lehrern, Sozialarbeitern, Feuerwehr und Polizei zu sichern.

Schon das erste Konjunkturpaket in diesem Bereich sei sehr hilfreich gewesen, sagte der frischgekürte Nobelpreisträger. Ohne diese Programme wäre die Arbeitslosigkeit deutlich höher. Die Regierung hatte hierfür im Frühjahr 2009 ein Paket im Volumen von 814 Milliarden Dollar geschnürt.

Im öffentlichen Dienst fallen Zentausende Jobs weg

Der US-Arbeitsmarkt läuft sei längerem schlecht. Im September baute die Wirtschaft den vierten Monat in Folge Stellen ab. Die öffentliche Verwaltung ist mit 76.000 gestrichenen Posten stark betroffen gewesen, hier vor allem Beschäftigte im Lehrbetrieb. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit dürfte auch die Kongresswahlen am 2. November bestimmen.

Diamond, der am Montag zusammen mit einem US-Kollegen und einem britisch-zyprischen Forscher mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde, soll nach dem Willen Obamas bald in das Direktorium der Federal Reserve einziehen. Die Personalie hat sich wegen Widerstands aus den Reihen der Republikaner aber verzögert, die Diamond mangelnde Qualifikation für den Posten vorhielten.

Trotz seiner Unterstützung für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft bekannte sich Diamond zur freien Marktwirtschaft. Er "glaube an die Märkte", sagte er. "Ich glaube an den Kapitalismus." Die Arbeitslosigkeit in den USA werde indes nur langsam zurückgehen.

swa/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
seniorita 12.10.2010
1. Was für ein Nobelpreisträger
Was ist das bloß für ein Ökonom, der sich dafür stark macht, dass mit Steuergeldern irgendwelche Arbeitsmaßnahmen gefördert werden. Was soll das bringen? Wie wäre es mal mit einem mutigen Vorschlag, wie die Umverteilung wirksam gestoppt werden kann? Wäre Peter Diamond Arzt, dann hätte man ihm wohl den medizinischen Nobelpreis für die Erkenntnis gegeben, dass man bei einer Erkältung am besten einen Schal trägt.
geotie 12.10.2010
2. Neues Konzept?
Also so richtig hat er die Wirtschaft auch nicht in Schwung gebracht. Einfach Geld in die Menge schmeißen und hoffen, das die wirtschaft wieder in Schwung kommt. Sowas klappt nicht. Auf http://www.konzept-anf.org/ wird beschrieben, wie jeder eine Arbeit finden kann und nach Leistung bezahlt wird. Bisher habe solch eine Idee wie diese noch nicht gesehen, aber vielleicht dürfte das eher klappen als die althergebrachten Vorschläge. Zumindest sollte man sich das mal ansehen.
Gandhi, 12.10.2010
3. Sie sind gefragt
Zitat von senioritaWas ist das bloß für ein Ökonom, der sich dafür stark macht, dass mit Steuergeldern irgendwelche Arbeitsmaßnahmen gefördert werden. Was soll das bringen? Wie wäre es mal mit einem mutigen Vorschlag, wie die Umverteilung wirksam gestoppt werden kann? Wäre Peter Diamond Arzt, dann hätte man ihm wohl den medizinischen Nobelpreis für die Erkenntnis gegeben, dass man bei einer Erkältung am besten einen Schal trägt.
Da diese Volkswirte immer das Falsche untersuchen, steht es Ihnen frei, einen Vorschlag zum Stoppen der Umverteilung zu machen. Schliesslich hat schon mancher eine Entdeckung gemacht, die nichts mit seinem Spezialfeld zu tun hatte.
vHayekFan 12.10.2010
4. der Mann sieht eben etwas durch
Zitat von senioritaWas ist das bloß für ein Ökonom, der sich dafür stark macht, dass mit Steuergeldern irgendwelche Arbeitsmaßnahmen gefördert werden. Was soll das bringen? Wie wäre es mal mit einem mutigen Vorschlag, wie die Umverteilung wirksam gestoppt werden kann? Wäre Peter Diamond Arzt, dann hätte man ihm wohl den medizinischen Nobelpreis für die Erkenntnis gegeben, dass man bei einer Erkältung am besten einen Schal trägt.
Er setzt sich dafür ein, dass erstens nicht aufgrund der (durch eine Krise) sinkenden Steuereinnahmen die gemeinschaftliche Infrastruktur verkommt (und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft), denn das würde geschehen, wenn jetzt Lehrer, Feuerwehrleute, Polizisten... massenhaft entlassen werden und zweitens setzt er sich gegen einen sich selbst verstärkenden Zyklus aus Massenentlassungen, weniger Konsum/Absatz, weiteren Entlassungen... ein. Kurz: er erkennt die Situation und schlägt das volkswirtschaftlich Sinnvolle vor. Na mehr als das: Jedes Wirtschaften ist Umverteilung. Die wollen Sie stoppen? Ist ja richtig evil. Der Versuch, zu langer Umverteilung in die gleiche Richtung (im Kapitalismus von Natur aus zum grösseren Kapital) entgegenzuwirken, muss unternommen werden, sollte aber auch genügen. Ahem, den Nobelpreis hat er für seine Studien bekommen. Um im Bild zu bleiben, ein Arzt, der gründliche und wichtige Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Influenzaviren gemacht und dafür den Nobelpreis bekommen hat, kann sehr wohl jemanden, der sich nicht impfen lassen hat und nun mit ner Grippe dasitzt raten, draussen einen Schal zu tragen und mal im Bett zu bleiben. Was denn sonst? Nackt rauszugehen, oder wie Sie vorschlagen, Umverteilung wirksam stoppen?
Gandhi, 12.10.2010
5. Nicht 'wuerde'
Zitat von vHayekFanEr setzt sich dafür ein, dass erstens nicht aufgrund der (durch eine Krise) sinkenden Steuereinnahmen die gemeinschaftliche Infrastruktur verkommt (und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft), denn das würde geschehen, wenn jetzt Lehrer, Feuerwehrleute, Polizisten... massenhaft entlassen werden und zweitens setzt er sich gegen einen sich selbst verstärkenden Zyklus aus Massenentlassungen, weniger Konsum/Absatz, weiteren Entlassungen... ein. Kurz: er erkennt die Situation und schlägt das volkswirtschaftlich Sinnvolle vor. Na mehr als das: Jedes Wirtschaften ist Umverteilung. Die wollen Sie stoppen? Ist ja richtig evil. Der Versuch, zu langer Umverteilung in die gleiche Richtung (im Kapitalismus von Natur aus zum grösseren Kapital) entgegenzuwirken, muss unternommen werden, sollte aber auch genügen. Ahem, den Nobelpreis hat er für seine Studien bekommen. Um im Bild zu bleiben, ein Arzt, der gründliche und wichtige Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Influenzaviren gemacht und dafür den Nobelpreis bekommen hat, kann sehr wohl jemanden, der sich nicht impfen lassen hat und nun mit ner Grippe dasitzt raten, draussen einen Schal zu tragen und mal im Bett zu bleiben. Was denn sonst? Nackt rauszugehen, oder wie Sie vorschlagen, Umverteilung wirksam stoppen?
In den USA kann man , und nicht erst seit gestern, verfolgen, welche Folgen die von den Republikanern verfolgte 'Wirtschaftspolitik' hat. Die Anhaenger der ganz freien Marktwirtschaft sehen darin eine Chance fuer Privatisierung (sprich "Erwirtschaftung von Profit") mit der zwangslaeufigen Kostenexplosion, die vor allem die trifft, die nicht ueber finanzielle Reserven verfuegen. Und schon gehen die Laissez-Faire Freunde einen Schritt weiter und fordern, oeffentliche Schulen abzuschaffen. Interessant auch im Zusammenhang mit Diamond die Tatsache, dass ein GOP-Typ seine Wahl (Fed) ablehnt mit dem Hinweis, der Mann verfuege nicht ueber das noetige Makro-Wissen.
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