Verhandlungen mit der EU Pfizer soll hohen Preis für Impfstoff verlangt haben

Pfizer und Biontech sollen von der EU für ihren Impfstoff zunächst mehr als 50 Euro verlangt haben. Nach SPIEGEL-Informationen einigten sich die Parteien aber schnell auf den heutigen Preis von rund 16 Euro je Dosis.
Ampulle mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech

Ampulle mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech

Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERS

Die Pharmaunternehmen Pfizer und Biontech wollten im Juni von der EU für eine Dosis Impfstoff 54,08 Euro. Das berichten NDR, WDR und »SZ«. Den Berichten zufolge ging im Juni des vergangenen Jahres bei der EU-Kommission ein streng vertrauliches Angebot ein, das bei einer Abnahme von 500 Millionen Dosen diesen Preis vorsah. Die Verhandlungen mit der EU hat Pfizer geführt.

Zu diesem Preis wäre der Biontech-Impfstoff mehr als 20-mal so teuer gewesen wie eine Dosis jenes Impfstoffs, den AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat, heißt es in dem Bericht. Allerdings hatte der britisch-schwedische Pharmakonzern zugesichert, seinen Corona-Impfstoff zum »Selbstkostenpreis« abzugeben, damit also keinen Gewinn machen zu wollen.

Im November kam die EU zu einem Vertragsabschluss mit Pfizer und Biontech. Der endgültige Preis soll bei rund 16 Euro pro Dosis gelegen haben – also mehr als dreimal niedriger als das Einstiegsangebot. Allerdings hat der endgültige Preis nach SPIEGEL-Informationen schon im Juli festgestanden. Die Preisfindung kann bei der Verzögerung der Verhandlung also keine Rolle gespielt haben.

Ökonomen schlugen Preis von je 100 Dollar vor

Die EU liegt mit den Impfungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie im weltweiten Vergleich zurück. In den USA, Israel oder auch beim EU-Aussteiger Großbritannien sind schon deutlich größere Teile der Bevölkerung mit Impfstoffen behandelt worden, auch weil diese Länder sich rechtzeitig mit genügend Lieferungen der Hersteller wie Biontech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca eingedeckt hatten. Die Kritik an der Impfstoffbeschaffung in Brüssel ist in den vergangenen Wochen entsprechend groß geworden.

Biontech-Chef Uğur Şahin kritisierte Anfang des Jahres in einem Interview mit dem SPIEGEL die Verhandlungen mit der EU: »Der Prozess in Europa lief sicherlich nicht so schnell und geradlinig ab wie mit anderen Ländern«, sagte der Firmenchef. »Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert.«

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Auch die Frage der nicht ausreichenden Produktionsstätten wird heftig diskutiert. Um die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen voranzutreiben, schlug bereits im Mai vergangenen Jahres eine Gruppe von Ökonomen um den Nobelpreisträger Michael Kremer vor, dass die US-Regierung sich verpflichten sollte, die ersten 300 Millionen Dosen an Impfstoffen zum Preis von je 100 Dollar zu kaufen. Die hohe Summe sollte den Unternehmen die nötigen finanziellen Anreize geben, die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen möglichst schnell voranzutreiben.

Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, sagte der »FAZ« im Januar, dass die EU-Beschaffungsstrategie »krachend gescheitert« sei, weil der Lieferplan zu unverbindlich sei und marktbasierte Anreize fehlen. »Schnelles Hochfahren der Produktion kostet Unternehmen viel Geld, dafür müssten sie entschädigt werden, am besten durch gestaffelte Prämien, die man nach und nach senkt«, sagte er.

hej/ts
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