1930 Euro - pro Monat Pflegebedürftige müssen immer mehr selbst zahlen

Die Kosten für die Unterbringung Pflegebedürftiger sind horrend - und zuletzt noch einmal deutlich gestiegen. Grund dafür sind die seit Langem geforderten Lohnerhöhungen für Pflegepersonal.

DPA

Pflegebedürftige müssen für einen Heimplatz immer mehr aus eigener Tasche dazu zahlen. Seit Oktober 2018 sei die Eigenbeteiligung im Bundesdurchschnitt um mehr als 110 Euro auf nunmehr fast 1930 Euro im Monat gestiegen, berichten die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland". Quelle ist eine Auswertung der "Pflegedatenbank" des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV). Der Anstieg betrage mehr als sechs Prozent.

Als Hauptursache gelten dem Bericht zufolge Lohnerhöhungen für das Pflegepersonal. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im März beim Deutschen Pflegetag gesagt, für zusätzliche Pflegekräfte und bessere Bezahlung würden künftig Mehrkosten anfallen. Die SPD fordert, dass die Eigenanteile für die pflegebedingten Kosten im Heim begrenzt und langfristig gestrichen werden.

Die "Pflegedatenbank" der PKV enthält Informationen von mehr als 11.000 der etwa 13.000 Pflegeheime in Deutschland. Am stärksten sei die Eigenbeteiligung demnach in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gestiegen, so das RND. In diesen drei Ländern seien die Beträge, die die Pflegebedürftigen selbst aufbringen müssen, um etwa zehn Prozent angewachsen.

Spitzenreiter NRW

Am tiefsten müssen demnach weiterhin die Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen in die eigene Tasche greifen. Hier habe der Eigenanteil zum 1. September dieses Jahres bei 2406 Euro gelegen, heißt es in dem Bericht. Am 1. Oktober 2018 waren es noch 2309 Euro gewesen. Danach folgen das Saarland mit 2301 (2178) Euro sowie Baden-Württemberg mit 2250 (2116) Euro. Im Mittelfeld liegen der Auswertung zufolge unter anderem Berlin mit 1931 (1856) Euro, Hessen mit 1936 (1783) Euro oder Brandenburg mit 1646 (1526) Euro.

Am preiswertesten sind Heimplätze dem Bericht zufolge derzeit in Mecklenburg-Vorpommern, wo 1346 (1238) Euro Eigenanteil bezahlt werden müssen. Bei den genannten Beträgen sind die Zuschüsse der Pflegeversicherung bereits berücksichtigt.

Pflegebedürftige müssen einen Eigenanteil leisten, weil die gesetzliche Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten trägt. Enthalten sind Kosten für die eigentliche Pflege sowie für Investitionen, Unterkunft und Verpflegung. Dass die Belastungen unterschiedlich hoch sind liegt an regional unterschiedlichen Löhnen und Vorgaben für die Personalausstattung.

Bisher wurden oft die Kinder zur Kasse gebeten, wenn Pflegebedürftige die Heimkosten nicht zahlen können. Zwar springt zunächst das Sozialamt ein, wenn Betroffene die Heimkosten nicht zahlen können. Aber in vielen Fällen holt sich die Behörde das Geld zumindest teilweise von den Angehörigen zurück. Dies soll sich bald ändern. Nur wer mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdient, soll nach den Plänen der Bundesregierung in Zukunft noch finanziell herangezogen werden.

beb/dpa

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insgesamt 110 Beiträge
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gartenkram 24.09.2019
1. Wie
oll das alles bezahlt werden? Wer hat denn so viel geld? Egal ob rente kder eigenheim, das ist endlich. Ich habe mir jüngst eine rechnung eines pflegeheims angesehen, gehört zu einem privaten unternehmen. U diverse positionen, die ichts mit der pflege zu tun haben -aber das unternehmen vermeldete dividendensteigerung. Das gehört abgeschafft. Keiner kann solche kosten aus eigener tasche länger finanzieren u die kinder heranzuziehen bedeutet, dass die irgendwann irgendwo vergammeln, weil sie selber kein vermögen mehr aufbauen können. Miese nummer herr spahn, wieder mal nicht komp,ett durchdacht.
hausfeen 24.09.2019
2. Nein, der Grund ist, dass die Länder ihren Beitrag gekündigt haben
DIe meisten Länder hatten die sogenannten "Investitionskosten" früher mal übernommen. Das sind die Kosten jenseits dessen, was die Pflegeversicherung übernimmt. Vor allem Essen und Trinken. Dann fiel den Kassenwarten der Länder ein, dass man da sich schnell und geräuschlos sanieren konnte und hat sich einfach aus der Verantwortung gestohlen.
Leser161 24.09.2019
3. Frage
Warum erhalten pflegende Angehörige nicht denselben Betrag sondern nur einen Bruchteil? Pflegende Angehörige sind natürlich nicht so qualifiziert sollten aber, nachdem was man so hört, eine deutlich bessere Pflegequalität liefern. Ich finde das erschreckend das in Deutschland offensichtlich nur Leistungen honoriert werden, wenn sie von einem Unternehmen erbracht werden. Was sagt das über unsere Gesellschaft?
Sonia 24.09.2019
4. Die Alten brauchen Lobbyisten wie Thunberg
Wie fortschrittlich und menschenwürdige ist dagegen die Versorgung und Betreuung von Senioren in unseren nördlichen Nachbarländern Dänemark, Schweden, Norwegen. Dort werden weder die Pflegebedürftigen noch die Angehörigen ausgeplündert noch Renditen mit dem Leid derjenigen erzielt, die einst mit ihrer Arbeit alles am Laufen hielten. Einrichtungen gehören den Gemeinden, Mitarbeiter sind Angestellte der Gemeinden. Alles steuerfinanziert vom Staat. Dass hier nun wieder die Hilfsbedürftigen u deren Angehörige zur Kasse gebeten werden, was für ein inhumammbes System. Leider begreifen die Klima-Bürger nicht, dass sie auch einmal in unserem üblen Pflegesystem landen werden. Am Co2 neutralsten wäre natürlich, die Menschen würden nicht zu alt werden. Vielleicht haben unsere Klimaaktibmvisten Ideen, wie man eine Altersgrenze festlegt, wo der Co2 Verbrauch von nicht mehr nützlichen Menschen beendet wird u.somit auch die Kosten für deren Versorgung drastisch gesenkt werden können, im die Gelder in erneuerbare Energien einzusetzen.
Pfaffenwinkel 24.09.2019
5. Für die Satt-Sauber-Pflege
in einem Pflegeheim müsste ich also rund 2 000 Euro aus eigener Tasche zahlen. Das können sich nicht viele Senioren leisten. Die anderen werden zum Sozialfall.
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