Neuer Pflege-TÜV startet Gute Heime, schlechte Heime

An diesem Freitag startet das neue Bewertungssystem für Pflegeheime. Es soll eine bessere Übersicht geben. Patientenschützer sehen darin einen Fortschritt - kritisieren aber das Messverfahren.

Der neue Pflege-TÜV soll das Wohl der Patienten mehr in den Mittelpunkt rücken
Oliver Berg/ DPA

Der neue Pflege-TÜV soll das Wohl der Patienten mehr in den Mittelpunkt rücken


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verspricht sich vom neuen Pflege-TÜV eine Menge. Von nun an laufen die Prüfungen der Kassen nach dem neuen Verfahren. Das aussagekräftigere System schaffe Transparenz und damit Vertrauen, sagte Spahn. "So können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen besser vergleichen, wie gut Pflegeheime arbeiten."

Die neuen Vorgaben sollen nach jahrelanger Kritik den alten Pflege-TÜV ablösen, bei dem Heime bisher oft Bestnoten bekamen. Patientenschützer begrüßten die Reform des Pflege-TÜVs grundsätzlich, warnten aber auch vor zu hohen Erwartungen.

"Der bisherige Pflege-TÜV hat den Pflegekräften viel bürokratische Arbeit gemacht und war doch nutzlos", sagte Spahn. Fast alle Heime hätten am Ende irgendwie die Note eins bekommen. "Entscheidend ist, wie es den Pflegebedürftigen tatsächlich geht", sagte Spahn.

Bis Ende 2020 sollen alle Heime nach dem neuen Verfahren geprüft sein

Vorgesehen ist ein zweistufiges System: Die rund 13.000 Heime selbst sollen Daten zu zehn Themen liefern - etwa wie gut sie die Mobilität der Bewohner erhalten oder wie selbstständig diese noch Körperpflege leisten können. Dies soll bei jedem Bewohner halbjährlich gemessen und an eine Datenstelle gemeldet werden.

Alle 14 Monate sollen zudem Prüfer der gesetzlichen und privaten Kassen die Qualität der Heime in 24 Aspekten prüfen.

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Doch es gibt skeptische Stimmen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: "Zweifellos war der alte Pflege-TÜV ein Desaster."

Doch es stehe in den Sternen, ob das neue System der angekündigte Riesenschritt in Richtung Vertrauen sei. Weiterhin sollten allein die Heimträger die Versorgungsqualität der Bewohner messen, kritisierte Brysch. Eine externe Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Kassen erfolge nur bei einer kleinen Stichprobe.

Dafür würden sechs Bewohner vom Heim bestimmt und drei weitere vom Prüfer zufällig ausgewählt. Doch knapp die Hälfte aller Einrichtungen habe mehr als 60 Bewohner. "Es ist fraglich, ob auf dieser kleinen Basis tatsächlich die Realität erfasst werden kann", sagte Brysch.

Der Patientenschützer meldete auch Zweifel an der neuen Darstellung der Ergebnisse mit Kreisen, Punkten und Quadraten an. "Da wird sowohl eine Orientierung als auch ein Vergleich mit anderen Pflegeheimen schwierig."

Die Ergebnisse sollen wie bisher im Internet veröffentlicht werden und auch in den Heimen einsehbar sein. Bis 30. Juni 2020 müssen alle Pflegeheime erstmals Qualitätsdaten erhoben haben. Bis Ende 2020 sollen alle Heime nach dem neuen Verfahren geprüft sein.

flg/AFP/dpa



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