Gesundheit Spahn will Pflegekräfte zu Mehrarbeit motivieren

Tausende Stellen sind in Pflegeheimen unbesetzt, ein Ende des Personalmangels ist nicht in Sicht. Gesundheitsminister Spahn will deshalb die Arbeitsbedingungen verbessern - damit Pflegekräfte in Teilzeit ein paar Stunden dranhängen.

Seniorenheim (Archiv)
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Zur Abfederung des Pflegekräftemangels in Kliniken und Heimen möchte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Beschäftigte zu Mehrarbeit bewegen. "Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen", sagte der CDU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". Viele Beschäftigte in Heimen und ambulanten Diensten hätten ihre Stundenzahl reduziert, "sodass wir auch ein Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen müssen".

Dies hatten vor zwei Wochen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gefordert, aus Anlass der Vorstellung einer Studie zur Überlastung vieler Pflegekräfte. Demnach fühlen sich Hunderttausende Pflegekräfte durch Überlastung, Dauerstress und geringe Bezahlung ausgezehrt. Nach einer Mitte März vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung vorgelegten Studie gibt es zurzeit 17.000 unbesetzte Stellen in Pflegeheimen.

Spahn betonte: "Am Geld alleine liegt es aber nicht, dass es zu wenige Pflegekräfte gibt." Auch die Organisation der Arbeit sei verbesserungsfähig: "Faire Schichtpläne, verlässliche Arbeitszeiten, auch mal drei, vier freie Tage am Stück", so der Minister. "Derzeit ist die Pflege der am wenigsten planbare Beruf, den es gibt", kritisierte er. "Die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten, arbeiten dort gerne, sie schöpfen viel Kraft aus ihrem Beruf, hadern aber mit den Umständen, die er mit sich bringt." Deshalb müsse man auch an den Rahmenbedingungen arbeiten.

Im Video: Pflegenotstand in Deutschland - Wer betreut Sie?

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beb/dpa-AFX

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insgesamt 158 Beiträge
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Hans_Suppengrün 20.09.2018
1.
Die eh schon überforderten Pflegekräfte sollen Überstunden machen.... Genial! Und auf diese Weise will man die Rahmenbedingungen dieses Berufs verbessern?
Zaunsfeld 20.09.2018
2.
Nur leere Worthülsen von Spahn. "Am Geld allein liegt es nicht." bedeutet auf Deutsch "Mehr Geld kriegt Ihr nicht. Ihr kriegt doch schon genug, auch wenns nur ein Hungerlohn ist." "Pflegekräfte schöpfen Kraft aus Ihrer Arbeit." bedeutet "Mehr Geld kriegt Ihr nicht. Ihr habt doch so eine schöne Arbeit. Da müsstet Ihr eigentlich noch für Bezahlen, dass Ihr die machen dürft." Wie will er denn die Pflegekräfte dazu motivieren, mehr zu arbeiten? Dazu wurde anscheinend überhaupt nichts gesagt, außer "Mit Geld jedenfalls nicht."
stoffi 20.09.2018
3. Viele Arbeiten in Pflegeheimen
können auch von angelernten Kräften ausgeführt werden. Es werden sich mit Sicherheit genug Leute finden, die so täglich ein paar Stunden den Pflegekräften zur Hand gehen, um diese zu entlasten. Um Personen zu waschen, kämmen, Vorlagen zu wechseln oder sie anziehen, braucht man nicht mehr, als eine Anlernzeit. Ebenso das zum Anreichen der Essens. Dann ist auch noch Zeit für persönliche Zuwendungen da.
Basmyr 20.09.2018
4. Ohje
So langsam frage ich mich, ob der Herr Spahn in einem Paralleluniversum lebt und nur seine Ideen zu uns rüberschwappen. Seine Aussagen sind oft so dermaßen weltfremd, dass es mir fast schon körperlich weh tut. Pflege ist ein noch immer ein Beruf, der mehrheitlich von weiblichen Menschen ausgeführt wird. Und die schöpfen doch so viel Kraft aus dem Beruf, dass sie doch bitte diese Energie nicht privat verschwenden, sondern einfach mehr Energie tanken sollen. Besonders beim Lagern der 100-Kilo-Patienten, oder wenn der demente Patient ständig schreit. Oder bei den kilometerlangen Wegen, die man auf der Station am Tage zusammenbekommt. Das bisschen Mehrarbeit bei soviel Sonnenseiten im Beruf bringt doch nur Vorteile. Denn wir wissen, am Geld liegt es nicht. Gott vergelt's
urbanism 20.09.2018
5. war nicht die Arbeitsüberlastung der Hauptklage Punkt?
haben die Pflegekräfte nicht hauptsächliche über Arbeitsüberlastung geklagt. Wie lange sollen den Menschen arbeiten um die Jahrzehntelange vermurkste Politik der Parteibonzen zu reparieren. Herr Spahn wie sieht es denn damit aus, alle Politiker der etablierten Parteien arbeiten jede Woche 20 Stunden freiwillig und ehrenamtlich in der Pflege umso die miserable Gesundheits- und Pflegepolitik zu kitten.
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