SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. Juli 2019, 15:07 Uhr

Tausende unbesetzte Stellen

Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo

Von , Pristina

Gesundheitsminister Jens Spahn hat eine Vereinbarung unterzeichnet, um Pflegekräften aus dem Kosovo den Start in Deutschland zu erleichtern. Angesichts des Pflegenotstands könnten weitere Länder folgen.

Die Bundesregierung setzt zur Bekämpfung des Pflegenotstands in Deutschland auf Fachkräfte aus dem Kosovo. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat dazu bei einer Reise nach Pristina eine gemeinsame Erklärung mit seinem kosovarischen Kollegen Uran Ismaili unterzeichnet.

Demnach will Deutschland die Republik Kosovo beim Aufbau eines Gesundheitssystems unterstützen. Im Gegenzug setzt Spahn auf den Austausch mit Fachkräften aus dem Kosovo. Auf diese Weise, so hofft Spahn, könnten pro Jahr bis zu 1000 Pflegekräfte nach Deutschland kommen. Die Vereinbarung mit dem Kosovo könnte dabei Vorbildcharakter für Kooperationen auch mit anderen Ländern haben. Im Gespräch sind etwa Mexiko, Brasilien oder die Philippinen.

Spahn erklärte, insgesamt sei der Bedarf an Fachkräften in Deutschland derzeit so groß, dass mindestens 50.000 Kräfte fehlten. Zumindest ein Teil der fehlenden Pflegekräfte soll aus dem Ausland rekrutiert werden. Im Kosovo gibt es schon heute eine Ausbildung, die als hochwertig gilt. Auch deutsche Träger betreiben Pflegeschulen und bieten spezielle Deutschkurse für Pflegekräfte an.

Ob es vertretbar ist, Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben, ist allerdings eine umstrittene Frage. Schließlich fehlen dann wiederum in den Herkunftsländern Fachkräfte. Spahn verweist darauf, dass die Bevölkerung des Kosovo als die jüngste Europas gilt. Die Jugendarbeitslosigkeit reicht an die 60 Prozent. Daher hoffen viele junge Pflegeschüler aus dem Kosovo auf eine Zukunft in Deutschland - auch wegen des deutlich höheren Lohnniveaus.

Bislang gab es dabei jedoch hohe bürokratische Hürden, vor allem bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Diese soll künftig vereinfacht und schneller werden. So könnten Agenturen und Schulträger im Kosovo sich zertifizieren lassen, um eine schnellere Anerkennung der Berufsabschlüsse ihrer Absolventen zu erreichen.

Die neue Vereinbarung wird aber wohl erst auf längere Sicht wirken. Kurzfristig hatte die Bundesregierung über ein neues Gesetz die Finanzierung und Besetzung von 13.000 Stellen in der stationären Altenpflege in Aussicht gestellt. Bislang gibt es aber nur vereinzelte Neubesetzungen.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung