Tausende unbesetzte Stellen Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo

Gesundheitsminister Jens Spahn hat eine Vereinbarung unterzeichnet, um Pflegekräften aus dem Kosovo den Start in Deutschland zu erleichtern. Angesichts des Pflegenotstands könnten weitere Länder folgen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Archiv)
Bernd von Jutrczenka/ DPA

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Archiv)

Von , Pristina


Die Bundesregierung setzt zur Bekämpfung des Pflegenotstands in Deutschland auf Fachkräfte aus dem Kosovo. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat dazu bei einer Reise nach Pristina eine gemeinsame Erklärung mit seinem kosovarischen Kollegen Uran Ismaili unterzeichnet.

Demnach will Deutschland die Republik Kosovo beim Aufbau eines Gesundheitssystems unterstützen. Im Gegenzug setzt Spahn auf den Austausch mit Fachkräften aus dem Kosovo. Auf diese Weise, so hofft Spahn, könnten pro Jahr bis zu 1000 Pflegekräfte nach Deutschland kommen. Die Vereinbarung mit dem Kosovo könnte dabei Vorbildcharakter für Kooperationen auch mit anderen Ländern haben. Im Gespräch sind etwa Mexiko, Brasilien oder die Philippinen.

Spahn erklärte, insgesamt sei der Bedarf an Fachkräften in Deutschland derzeit so groß, dass mindestens 50.000 Kräfte fehlten. Zumindest ein Teil der fehlenden Pflegekräfte soll aus dem Ausland rekrutiert werden. Im Kosovo gibt es schon heute eine Ausbildung, die als hochwertig gilt. Auch deutsche Träger betreiben Pflegeschulen und bieten spezielle Deutschkurse für Pflegekräfte an.

Ob es vertretbar ist, Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben, ist allerdings eine umstrittene Frage. Schließlich fehlen dann wiederum in den Herkunftsländern Fachkräfte. Spahn verweist darauf, dass die Bevölkerung des Kosovo als die jüngste Europas gilt. Die Jugendarbeitslosigkeit reicht an die 60 Prozent. Daher hoffen viele junge Pflegeschüler aus dem Kosovo auf eine Zukunft in Deutschland - auch wegen des deutlich höheren Lohnniveaus.

Bislang gab es dabei jedoch hohe bürokratische Hürden, vor allem bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Diese soll künftig vereinfacht und schneller werden. So könnten Agenturen und Schulträger im Kosovo sich zertifizieren lassen, um eine schnellere Anerkennung der Berufsabschlüsse ihrer Absolventen zu erreichen.

Die neue Vereinbarung wird aber wohl erst auf längere Sicht wirken. Kurzfristig hatte die Bundesregierung über ein neues Gesetz die Finanzierung und Besetzung von 13.000 Stellen in der stationären Altenpflege in Aussicht gestellt. Bislang gibt es aber nur vereinzelte Neubesetzungen.

insgesamt 105 Beiträge
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Freidenker10 15.07.2019
1. Nur heiße Luft!
Und noch immer kann ich nicht die allerkleinste Verbesserung in der Altenpflege feststellen! Keine höheren Löhne, keine Entlastung, keine neuen Personalschlüssel und kein Bürokratieabbau, aber nach ausländischen Pflegekräften schreien! Selten klaffen Anspruch und Wirklichkeit so auseinander wie bei Herr Spahn! Die Medien sollten ihn wirklich mal einem Faktencheck unterziehen und ihm nicht jede noch so tolle Ankündigung kritiklos abnehmen! So jedenfalls gewinnt er ganz sicher keine neuen deutschen Pflegekräfte hinzu oder stoppt deren Abgänge!!!
mwroer 15.07.2019
2.
Wie wäre es wenn man für Pflegekräfte anständige Arbeitsverhältnisse schafft statt Leute anzuheuern die schlechtere Verhältnisse gewohnt sind?
ovide 15.07.2019
3. Toll,
20 Jahre verschlafen und jetzt wieder "Gastarbeiter" in die Pflege :D vermutlich heuert Spahn jetzt schon Kosovaren an mit denen er dann als zukünftiger Verteidigungsminister den Personalnotstand in der Truppe auffüllen wird :D
urbanism 15.07.2019
4. warum Vergütet man nicht die Angehörigen der Pflegebedürftigen
der Pflegenotstand könnte allein dadurch minimiert werden, wenn man die Angehörigen gerecht für die Pflege entschädigen würde. Wieso zahlt der Staat den Angehörigen nicht dass was eine Pflegefachkraft verdient?. Es würden viele Angehörige die Pflege übernehmen wenn die Angst der Altersarmut bzw. Sozialen Abstieg dadurch genommen wird. Pflegekräfte aus dem Ausland lösen doch nicht kurzfristig das Problem, sondern im Gegenteil langfristig gesehen bekommen die Länder Probleme, denen Fachkräfte abgeworben werden..
bernteone 15.07.2019
5. Genau Fachkräfte abziehren
aus den Armenhäusern Europas . Bis in den Ländern alles platt gemacht wird , der Rest sind dann Wirtschaftsflüchtlinge . Es wäre so einfach , wenn Fachkräfte in Deutschland ausgebildet werden und vernünftig bezahlt werden , gäbe es sicherlich kein Mangel . Wenn dann noch die traumhaften Gewinne aus der Altenpflege reduziert werden müßige die Pflege auch nicht mehr Kosten Es ist traurig das mit der Pflege der älteren Menschen überhaupt Profit gemacht wird , das gleiche gilt auch für das Gesundheitswesen . Geld ist im Überfluss da nur die Verteilung ist eine Katastrophe . Einfacher ist natürlich der Aderlass anderer Länder . Weitsichtige handeln unserer Politiker , der Rest kommt dann auch noch her und lebt vom Sozialstaat .
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