Finanzmärkte Pfund steigt nach Brexit-Urteil

Nach dem Urteil des Londoner High Court zum Mitspracherecht des britischen Parlaments beim Brexit zeigen sich die Anleger erleichtert. Der Kurs des britischen Pfunds legt deutlich zu.

Bankenviertel in London
AP

Bankenviertel in London


Aufatmen an den Finanzmärkten: Londons High Court hat entschieden, dass Premierministerin Theresa May den Antrag auf den EU-Ausstieg nicht ohne Zustimmung des Parlaments stellen darf. Das lässt Hoffnungen keimen, dass der Brexit nicht so hart ausfällt wie befürchtet. Das Pfund stieg auf zeitweise auf bis zu 1,2451 US-Dollar. Vor dem Urteil hatte es gut einen Cent niedriger notiert. Zuletzt fiel der Kurs aber wieder etwas zurück und wurde am frühen Nachmittag mit 1,2401 Dollar gehandelt. Auch gegenüber anderen Währungen legte das Pfund zu.

Nach dem Votum für einen Austritt am 23. Juni hatte die Währung in den vergangenen Wochen deutlich an Wert eingebüßt, die Angst vor einem sogenannten "harten Brexit", hatte den Abwärtstrend noch einmal beschleunigt.

Meinungskompass

Dagegen gerieten Aktien an der Londoner Börse etwas unter Druck. Der FTSE 100-Index Chart zeigen fiel um 0,21 Prozent auf 6832,19 Punkte. Analysten erklärten die Bewegung mit möglicherweise gesunkenen Exportaussichten für die britische Wirtschaft, infolge des gestiegenen Pfund-Kurses. Profitiert haben jedoch Banken- und Immobilienwerte. Am britischen Staatsanleihemarkt gerieten die Renditen zunächst unter Druck. Sie erholten sich jedoch rasch wieder.

"Die Bühne ist frei für einen neuen Kampf um den Brexit", kommentierte Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital. "Es besteht die Möglichkeit, dass das Parlament den britischen Ausstieg aus der EU blockieren wird, wenngleich diese Aussicht derzeit schwach ist und in weiter Ferne liegt."

Besonders für den in Großbritannien extrem wichtigen Bankensektor steht mit dem Austritt der Briten aus der EU viel auf dem Spiel. Sollte London den Zugang zu den Finanzmärkten in der Gemeinschaft behalten wollen, müsse das Land deren Regeln auch nach dem Austritt akzeptieren, betonte das französische EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau. Geldinstitute und Versicherer sollen sich zur Sicherheit auf die Folgen eines "harten Brexit" vorbereiten. Dieser Fall würde eintreten, wenn es zu einem EU-Austritt des Landes ohne freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt käme.

mik/dpa-AFX

insgesamt 3 Beiträge
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fatherted98 03.11.2016
1. lach...
...und jetzt?....Rolle rückwärts und das Parlament stimmt für den Verbleib in der EU...? Da hat Cameron den Briten ja ein schönes Ei gelegt.
werjor 04.11.2016
2. Gut so,
wenn man sich im Kreise der Menschen anhört haben die meisten Menschen mehr Ahnung wer Silikon in den Brüsten hat, wer bei welcher Mannschaft Fußball spielt, wer ins Dschungelcamp sollte als von wirtschaftlichen oder politischen Dingen, solche Leute möchte ich nicht WICHTIGE Dinge entscheiden lassen. Lieber ein Parlament als der Pöbel.
lanzelot72 04.11.2016
3.
Wie das britische Parlament entscheidet ist Sache des britischen Parlaments. Daß jedoch ein ausdrücklich "beratendes und nicht bindendes" (!) Referendum der Regierung allein (ohne einen Parlamentsbeschluß) ein Mandat verleihen sollte, ist mehr als abenteuerlich gedacht. Zumindest widerspricht es dem britischen Rechtsverständnis. Insofern ist das Urteil nur konsequent.
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