Forderung nach mehr Transparenz Piraten veröffentlichen Telefonliste von Jobcenter-Mitarbeitern

Wer Mitarbeiter im Jobcenter erreichen will, muss in einer Zentrale anrufen. Sehr zum Ärger der Piraten. Sie veröffentlichten nun die direkten Durchwahlen der Sachbearbeiter von mehr als 130 Jobcentern. Die Bundesagentur für Arbeit ist empört, die Partei sieht sich im Recht.
Agentur für Arbeit in Leipzig: Ein Anschluss unter dieser Nummer

Agentur für Arbeit in Leipzig: Ein Anschluss unter dieser Nummer

Foto: Waltraud Grubitzsch/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hamburg - Die Piratenpartei hat eine Telefonliste mit den Durchwahlnummern der Sachbearbeiter von bisher 134 Jobcentern in Deutschland veröffentlicht. Damit will sie sich für mehr Transparenz einsetzen und eine Politik beenden, die für die Betroffenen entwürdigend sei, heißt es in einer Mitteilung.

Wer normalerweise einen der Mitarbeiter im Jobcenter telefonisch erreichen will, muss bei einer Zentrale anrufen. Direkte Durchwahlen werden nicht veröffentlicht. "Verschleierungspolitik", so nennt es die Piratenpartei. "Die Aggressivität, mit der Jobcenter sie verteidigen, entbehrt nicht nur der rechtlichen Grundlage - sie ist auch zutiefst unmoralisch", sagte Thomas Küppers, Themenbeauftragter für Soziales der Piratenpartei Deutschland.

Jobcenter seien Behörden der sozialen Grundsicherung. "Wieso können sich die Sachbearbeiter - die sich ja sogar Kundenberater nennen - dann hinter einer unpersönlichen Callcenter-Rufnummer verstecken?"

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verteidigte ihre Praxis. Vor neun Jahren habe sich die BA bewusst dazu entschieden, telefonische Kundenanfragen in Service-Centern beantworten zu lassen. "Dieses Modell hat sich bewährt", sagte BA-Sprecherin Anja Huth. "Ich möchte insbesondere auf den Aspekt des störungsfreien Arbeitens hinweisen. Wir führen im Vermittlungsbereich der Jobcenter sehr sensible Kundengespräche. Um Vertrauen aufzubauen, sind intensive Gespräche notwendig. Wenn diese permanent durch Telefonate gestört werden, ist dies für beide Seiten nicht zufriedenstellend."

Eine Durchwahlnummer sei zudem keine Garantie dafür, dass der Kunde eine Antwort auf seine Frage bekomme. "Der angerufene Mitarbeiter ist unter Umständen nicht zu erreichen oder fachlich nicht zuständig", sagte Huth. Im Service-Center dagegen werde dem Kunden immer weitergeholfen. Es ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr zu erreichen.

Mit ihrer Aktion setzt die Piratenpartei das Projekt von Harald Thomé fort. Der unabhängige Berater zum Arbeitslosen- und Sozialrecht hatte das Durchwahlprojekt initiiert. "Alle Informationen, die Harald Thomé jemals veröffentlicht hat, haben ihm die Jobcenter aufgrund des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) aushändigen müssen", sagte Thorsten Wirth, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland.

Thomé habe jedoch das Kostenrisiko für Rechtsverfahren nicht mehr tragen können, die ihm von mehreren Jobcentern angedroht worden seien, sagte Wirth. "Das sind freie Informationen, und es ist ein Unding, dass hier noch eine rechtliche Grauzone konstruiert wird. Deswegen übernehmen wir diese Veröffentlichung, denn als Partei können wir den Einschüchterungsversuchen von Jobcentern gelassener entgegentreten als Herr Thomé als Einzelperson."

aar
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