Starkes Wachstum Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft

Halb Europa kriselt, doch in Deutschland ist von Rezession keine Spur. Nach einem Dämpfer Ende vergangenen Jahres ist die heimische Wirtschaft Anfang 2012 überraschend kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,5 Prozent.
Exportautos in Bremerhaven: Deutsche Waren sind in der Welt gefragt

Exportautos in Bremerhaven: Deutsche Waren sind in der Welt gefragt

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Berlin - Die deutsche Wirtschaft hat durch ein starkes Wachstum im ersten Quartal einer Rezession getrotzt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem deutlich geringeren Wachstum gerechnet, einige hatten sogar ein weiteres Schrumpfen vorhergesagt.

Ende 2011 war die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zurückgegangen - zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession.

Ihr schnelles Comeback verdankt Europas größte Volkswirtschaft vor allem den gut laufenden Exporten und der Kauflaune der Verbraucher. "Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte - anders als die Importe - zum Jahresbeginn gestiegen", schrieben die Statistiker. "Außerdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal." Das habe die sinkenden Investitionen teilweise kompensieren können. Details wollen die Statistiker erst am 24. Mai nennen.

Verglichen mit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar um 1,7 Prozent zu - mehr als doppelt so stark wie erwartet. Experten gehen davon aus, dass die Prognosen für 2012 nun angehoben werden. "Dieses starke erste Quartal wird zu einer drastischen Aufwärtsrevision der Prognosen für 2012 führen", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. "Man muss mit einer Korrektur um rund einen halben Prozentpunkt rechnen." Bisher erwartet die Bundesregierung für das Gesamtjahr ein Wachstum von 0,7 Prozent, 2013 sollen es 1,6 Prozent werden.

In Frankreich stagniert die Wirtschaft

Nun könnte es zumindest kurzfristig stärker nach oben gehen. "Das ist eine sehr starkes Comeback", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das Minus im vierten Quartal war nicht der Beginn einer Rezession, sondern nur eine Konjunkturdelle." Der Deutschland-Chefvolkswirt der italienischen Bank Unicredit, Andreas Rees, führt das vor allem auf die starke Nachfrage nach deutschen Produkten außerhalb der Euro-Zone zurück: "Besonders die US-Geschäfte sind gut gelaufen."

Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf einem robusten Binnenmarkt. Sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Löhne sollen den privaten Konsum beflügeln, während niedrige Zinsen den Wohnungsbau und Investitionen ankurbeln dürften.

Im Rest Europas sieht es dagegen eher schlecht aus. Acht von 17 Euro-Ländern sind bereits in der Rezession. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich stagniert. Am Dienstag meldete das französische Statistikamt ein Nullwachstum für das erste Quartal.

Viele Experten sind skeptisch, ob Deutschland sich auf Dauer von der Entwicklung des restlichen Kontinents absetzen kann. "Deutschland schlägt sich deutlich besser als der Rest der Euro-Zone", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. "Aber ich glaube nicht, dass es in dem Tempo weitergeht."

stk/Reuters
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