IG-Metaller Uwe Hück Porsche-Betriebsrat will Bonus für Gewerkschaftsmitglieder

Wer nicht in der Gewerkschaft ist, kriegt weniger: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will "Trittbrettfahrer" bei Tarifrunden künftig schlechterstellen. "Wer etwas haben möchte, muss einen Beitrag leisten", so seine Forderung.

Hück (rechts) mit früherem Porsche-Chef Wiedeking (23.07.2009): Brief an Hube
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Hück (rechts) mit früherem Porsche-Chef Wiedeking (23.07.2009): Brief an Hube


Stuttgart - Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück könnte mit seiner jüngsten Initiative die Tariftradition auf den Kopf stellen. Hück fordert, dass Gewerkschaftsmitglieder in künftigen Tarifrunden einen Bonus gegenüber ihren anderen Kollegen erhalten. "Es kann nicht sein, dass die IG-Metall-Mitglieder etwas erkämpfen, und zum Schluss kriegen all die Beschäftigten, die nicht mitgewirkt haben, das Gleiche", sagte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück der "Stuttgarter Zeitung". "Wer etwas haben möchte, muss einen Beitrag leisten."

Hück rief der Zeitung zufolge IG-Metall-Chef Berthold Huber in einem Brief auf, sich für eine finanzielle Besserstellung der IG-Metall-Mitglieder einzusetzen. "Die IG Metall sollte ihre Möglichkeiten offensiv nutzen, um für ihre Mitglieder einen zusätzlichen Bonus in den kommenden Tarifverträgen zu verankern", fordert der Porsche-Betriebsratschef demnach in dem Schreiben.

Die Porsche-Belegschaft empfinde es mehr und mehr als ungerecht, "dass auch diejenigen, die sich nicht gewerkschaftlich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen, als Trittbrettfahrer in gleicher Weise von tariflichen Entgelterhöhungen und anderen tariflichen Errungenschaften profitieren", heißt es in dem Brief an Huber. Der Unmut in der Porsche-Belegschaft habe auch mit dem jüngsten Tarifabkommen in Höhe von 5,6 Prozent für eine Laufzeit von 20 Monaten bis Ende 2014 zu tun, schreibt die Zeitung. "Der Tarifabschluss war nicht der große Knaller", kritisierte Hück. "Die Glaubwürdigkeit der IG Metall hat darunter gelitten."

Unterstützung der Betriebsräte von VW, Audi und MAN

Die Bonus-Idee ist nicht neu. Allerdings scheiterten die Forderungen meist an der Abwehrhaltung auf Arbeitgeberseite. Die Unternehmen haben kein Interesse an einer Spaltung der Belegschaften. Zudem wollen sie nicht aktiv daran mitwirken, die Attraktivität der Gewerkschaften zu erhöhen.

Dieses Mal sieht Hück aber die besten Voraussetzungen. Ihm zufolge haben die Betriebsratsvorsitzenden von Volkswagen, Audi und MAN ihre Unterstützung zugesagt.

yes/dpa



insgesamt 307 Beiträge
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ollux 14.06.2013
1. wie in den vergangen
Versuchen, wird dieses Ansinnen grandios scheitern. Auch politisch wird es nicht durchsetzbar sein, da auch in der Bevölkerung eine 2 Klassengesellschaft bei Lohnabschlüssen kritisch gesehen wird. Tarifpolitisch sind außerdem rechtliche Fragen völlig ungeklärt.
Foersterderx 14.06.2013
2. Gg
Zitat von sysopDPAWer nicht in der Gewerkschaft ist, kriegt weniger: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will "Trittbrettfahrer" bei Tarifrunden künftig schlechterstellen. "Wer etwas haben möchte, muss einen Beitrag leisten", so seine Forderung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/porsche-betriebsrat-hueck-will-bonus-fuer-gewerkschaftsmitglieder-a-905658.html
Herrn Hück ist aber schon klar, dass es da noch den Artikel 9 III GG gibt? Ein Tarifvertrag, der es ausschließt, dass andere Mitarbeiter genauso viel verdienen ist unwirksam bzw. verfassungswidrig.
jkl21 14.06.2013
3. Gewerkschaften spalten die Nation
Die ständigen Kämpfe um Löhne produzieren leider immer wieder nur Einseitig Gewinner. Die Berufsgruppen ohne Gewerkschaften bleiben seit Jahren von Lohnerhöhungen ausgeschlossen. Die sich anschließenden Preiserhöhungen treffen aber alle. Gewerkschaften spalten nun auch noch in den eigenen Reihen?. Gewerkschaften spalten die Nation! Und sind in der heutigen Zeit leider eher schädlich als nützlich.
yggdra 14.06.2013
4. Und wer nicht in einer Staatspartei ist
darf nicht wählen. Die Staatsoligarchie (incl. Gewerkschaften) lässt grüßen.
rgh1974 14.06.2013
5. Nicht nur die IG Metall
auch andere Gewerkschaften wollen das, weil ihnen die Mitglieder weglaufen. Es wird teilweise mit sehr fragwürdigen Mitteln um Mitglieder gekämpft. Dabei sind die Gewerkschaften selbst an ihrem Mitgliederschwund schuld, weil sie ihre Mitglieder in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gut vertreten haben und sich die Leute fragen, wofür sie den doch sehr hohen Gewerkschaftsbeitrag zahlen sollen?
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