Porsche-Prozess Staatsanwalt fordert Geldstrafe für Wiedeking

Der Staatsanwalt hält ihn für schuldig: In seinem Plädoyer fordert er für den ehemalige Porsche-Chef Wiedeking eine Millionenstrafe wegen Marktmanipulation.
Wiedeking vor Gericht (Archiv): Experten halten eine Verurteilung für unwahrscheinlich

Wiedeking vor Gericht (Archiv): Experten halten eine Verurteilung für unwahrscheinlich

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Im Strafprozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen Marktmanipulation hat die Staatsanwaltschaft in einer von zwei Anklagen ein Bußgeld von einer Million Euro für den Ex-Manager und den damaligen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter gefordert.

Dem bisherigen Plädoyer zufolge geht es nur noch um eine Ordnungswidrigkeit. Damit verzichtete der Ankläger darauf, die Tat als Straftat zu werten. Ein Verstoß gegen das Verbot von Marktmanipulation kann nach dem Gesetz auch mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass Wiedeking und Härter beim Übernahmekampf um Volkswagen 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen den VW-Aktienkurs manipulieren wollten.

Gescheiterte Übernahme

Die von den Familien Porsche und Piech beherrschte Porsche SE wollte damals drei Viertel von Volkswagen übernehmen. Doch die Pläne gingen schief, die Porsche SE verschuldete sich stark und musste ihre Autoproduktion schließlich an VW verkaufen - 2009 räumten Wiedeking und Härter ihre Posten. Wegen Kursschwankungen der VW-Aktie verloren Hedgefonds damals Milliarden - und machen dafür Marktmanipulationen von Wiedeking und Härter verantwortlich.

Der Verteidiger von Wiedeking, Walther Graf, zeigte sich nach den dreistündigen Ausführungen der Staatsanwaltschaft verwundert. "Im Verfahren hat kein einziger Zeuge die Vorwürfe gestützt." Die Staatsanwälte beriefen sich nur auf Indizien, die sie bewusst missverstünden, sagte Graf. Härters Verteidigerin Anne Wehnert sagte, die Indizien könnten in gegensätzliche Richtungen ausgelegt werden. Unter Experten gilt eine Verurteilung als unwahrscheinlich.

Staatsanwalt spricht von "großer konspirativer Energie"

Tatsächlich hatte Staatsanwalt Aniello Ambrosio eingeräumt, dass die Zeugen in dem seit Oktober laufenden Verfahren die Anklagepunkte nicht untermauern konnten. Er hält Wiedeking und Härter dennoch für schuldig und verweist dabei auf E-Mails, Präsentationen und Protokolle.

Knackpunkt ist die Frage, wann der Beschluss zur 75-Prozent-Übernahme von VW fiel - laut Staatsanwaltschaft schon Anfang März, laut Wiedeking und Härter erst Ende Oktober. Zwischen den beiden Zeitpunkten hatte Porsche in Pressemitteilungen und Statements mehrfach beteuert, VW nicht beherrschen zu wollen.

Ambrosio sagte, die beiden hätten mit "großer konspirativer Energie" versucht, eine durch Übernahmephantasien getriebene Verteuerung von VW-Aktien zu verhindern, um den Konzern günstiger übernehmen zu können. Das lasse sich allerdings nicht durch Zeugenaussagen beweisen, weil die vor der offiziellen Bekanntgabe nur untereinander besprochen hätten.

Urteil verschoben

Wiedeking und Härter hatten zum Prozessauftakt alle Vorwürfe zurückgewiesen. Nach Wiedekings Darstellung hatte der Aufsichtsrat der Porsche SE den Plan des Vorstandes erst kurz vor der Mitteilung von Ende Oktober gebilligt.

Das Urteil in dem Prozess soll am 4. März gefällt werden - eine Woche später als bisher geplant. Wegen des Umfangs und der Komplexität des Sachverhalts werde mehr Zeit benötigt, sagte Richter Frank Maurer.

brt/Reuters/dpa