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11. Februar 2016, 17:51 Uhr

Nervöse Anleger

Investoren stoßen portugiesische Staatsanleihen ab 

Die Politik der portugiesischen Regierung verunsichert die Investoren. Viele verkaufen die als riskant eingestuften Staatsanleihen. Die Risikoaufschläge für manche Papiere stiegen um mehr als 100 Prozent.

Portugiesische Anleihen gelten nach Griechenland als die risikoreichsten in der gesamten Eurozone. Erstmals seit März 2014 kletterten die Risikoaufschläge für Portugals Staatsanleihen über die Vierprozentmarke. Im Vergleich zum Vortag legte die Rendite um 0,49 Prozentpunkte auf 4,18 Prozent zu. Zweijährige Anleihen legten um mehr als 100 Prozent zu.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Skepsis der Anleger ist laut Volkswirten die Politik der neuen Linksregierung Portugals. Diese will einen Teil der Wirtschaftsreformen der konservativen Vorgängerregierung rückgängig machen, Ausgabenkürzungen zurücknehmen und einige Staatsausgaben erhöhen.

Finanzminister Mario Centeno zeigte sich besorgt über den Anstieg der Risikoaufschläge bei portugiesischen Staatsanleihen. Die Regierung unter Führung der Sozialisten rechnet in diesem Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nachdem es 2015 rund 4,2 Prozent waren. Vorige Woche hatte die EU-Kommission den Haushaltsentwurf Portugals nach Änderungen gebilligt.

Nach Ansicht von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem muss die neue portugiesische Regierung ihren Haushaltsentwurf nun eventuell nachjustieren. Portugal müsse bereit dafür sein, womöglich mehr zu tun, um die EU-Regeln einzuhalten, sagte Dijsselbloem vor Beratungen der Eurofinanzminister in Brüssel. Die Regierung in Lissabon habe zugesichert, sich an die Vorgaben zu halten. Er rechne damit, dass dies in den Beratungen der Euro-Gruppe bestätigt werde.

Falls sich die Haushaltslage in Portugal weiter verschlechtern sollte, besteht die Gefahr, dass Ende April die letzte Ratingagentur die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau herabsetzen könnte. Dann dürfte die Europäische Zentralbank ohne ein neues Hilfsprogramm keine Anleihen mehr kaufen. An diesem Donnerstag wollen die Finanzminister der Eurozone auch über den portugiesischen Haushalt beraten.

asc/dpa

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