Postbank-Umfrage Finanzkrise hat fatale Folgen für die Altersvorsorge

Angst vor Inflation, Misstrauen gegenüber der Finanzbranche: Die Finanzkrise hat das Ansehen der privaten Altersvorsorge massiv beschädigt. Jeder fünfte Berufstätige hat einer Umfrage zufolge bereits private Vorsorgeverträge gekürzt oder gekündigt. Gleichzeitig wächst die Angst vor Armut im Alter.

Seniorenheim in Münster: Schockstarre nach der Finanzkrise
dapd

Seniorenheim in Münster: Schockstarre nach der Finanzkrise


Berlin - Die Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise lassen fast die Hälfte der Deutschen um ihre Altersvorsorge bangen. Rund 44 Prozent der Verbraucher machen sich angesichts der derzeitigen Staatsverschuldung verstärkt Sorgen um ihr Auskommen im Alter, wie eine am Mittwoch von der Postbank veröffentlichte Umfrage ergab.

37 Prozent fürchten demnach Rentenkürzungen. Rund 34 Prozent der Verbraucher fragten sich, welche Form der Geldanlage für die Altersvorsorge überhaupt noch sinnvoll sei. "Man kann von einer regelrechten Schockstarre sprechen", erklären die Autoren. In der Umfrage gaben 68 Prozent der Berufstätigen an, ihre Einstellung zur Privatvorsorge habe sich nach der Finanzkrise verändert.

Vor allem die staatliche Riester-Förderung hat an Bedeutung und Ansehen verloren, wie es weiter hieß. Vor zwei Jahren bewerteten junge Berufstätige unter 30 Jahren noch zu 45 Prozent die Riester-Rente als "ideale Form der Alterssicherung". Heute sind es nur noch 26 Prozent. 2008 wollten 23 Prozent der jungen Berufstätigen einen Riester-Vertrag abschließen. Heute sind es der Studie zufolge nur noch neun Prozent.

Selbst von den Berufstätigen, die eigentlich ihre Absicht zum Ausbau der Vorsorge in den kommenden Jahren erklärt haben, habe jeder Vierte seine laufenden Vorsorgeverträge gekündigt oder gekürzt. Insgesamt gäben die Berufstätigen weniger für die private Altersvorsorge aus. Bei den unter 50-Jährigen betrage das Minus im Schnitt zwölf Prozent.

Über ein Viertel der Verbraucher (28 Prozent) fürchtet zudem, dass die hohe Staatsverschuldung zu einer hohen Inflation führt und diese einen Teil ihrer Ersparnisse auffrisst, wie die Postbank mitteilte. 23 Prozent gingen davon aus, dass infolge der Krise Rentenerhöhungen in Zukunft ausblieben. Genauso viele Verbraucher hätten aber auch starke Zweifel an der Sicherheit der privaten Altersvorsorge. 28 Prozent seien nach der Finanzkrise zudem deutlich skeptischer bei Informationen zu Anlageprodukten für die Altersvorsorge.

Zwischen West und Ost öffnet sich den Ergebnissen zufolge bei der Privatvorsorge eine Schere. In den neuen Ländern hätten die Berufstätigen ihre Vorsorgeaufwendungen 2010 im Vergleich zum Jahr zuvor um 25 Prozent gekappt. Die Ostdeutschen legen demnach im Schnitt 123 Euro monatlich zurück. In Westdeutschland sind es fast 100 Euro mehr, nämlich 215 Euro im Monat. Gleichzeitig äußern die Befragten dunkle Vorahnungen über ihre Finanzen im Alter. So sagen im Osten nur noch 14 Prozent der Berufstätigen, sie erwarteten im Ruhestand keine finanziellen Sorgen. 2009 waren es noch 20 Prozent. In Westdeutschland erwarten 30 Prozent einen sorgenfreien Ruhestand; die Zahl ist von 26 Prozent gewachsen.

Befragt wurden insgesamt rund 1800 Personen über 16 Jahre, davon 1200 im Westen und 600 im Osten.

mik/dpa/AFP



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hirsebrei 06.10.2010
1. Es werden noch mehr Kosten auf den Staat zukommen
Zitat von sysopAngst vor Inflation, misstrauen gegenüber der Finanzbranche: Die Finanzkrise hat das Ansehen der private Altersvorsorge massiv beschädigt. Jeder fünfte Berufstätige hat einer Umfrage zufolge bereits private Vorsorgeverträge gekürzt oder gekündigt. Gleichzeitig wächst die Angst vor Armut im Alter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721557,00.html
Wer hat heutzutage noch Geld übrig für eine private Altersvorsorge? Diese Leute werden auch kaum das Geld für ihre Bestattungsvorsorge aufbringen können. Falls die Angehörigen Hartz IV-Empfänger sind, müsste der Staat dann für die Bestattung aufkommen. Welche Kosten dadurch auf ihn zukommen werden, möchte ich nicht wissen.
commonman 06.10.2010
2. nullsummenspiel
keine wie auch immer gearteten "korrekturen" am derzeitigen finanz(zins)system werden eine lösung bringen. ein exponentiales system (geld) in einem geschlossenen system (erde mit ihren ressourcen) führt schon rein mathematisch ZWINGEND zum kollaps. genauso zwingend ist die zunehmende konzentration aller ressourcen bis zum exzess (monopol), da der "stärkere" zwangsläufig nur dann überlebt, wenn der schwächere vernichtet wird. wie lange sich die spirale noch weiter drehen lässt, wie viele nullen sich noch "erzeugen" lassen weiss niemand. die logische konsequenz dieses systems ist - der letzte macht das licht aus - der parasit muss auch seinen letzten wirt fressen. http://commonman.de/wp/?page_id=1736
Chris-Gardner 06.10.2010
3. Mehr kritische Distanz
Ich habe mich bereits VOR der Finanzkrise kritisch gegenüber der fixierten Altersvorsorge gezeigt. Es wird sich wahrscheinlich (und leider) zeigen, dass die Mittelschicht, die vorsogrt wieder der Verlierer sein wird: - Das Kapital ist absolut transparent (für den Staat) - Das Vermögen ist langfristig gebunden In Zeiten, in denen die Anzahl der Transferempfänger mit zunehmender Tendenz höher ist, als die der Leistungserbringer werden genau die als erstes dem Sozialwahnsinn zum Opfer fallen, die schön transparent ihr Vermögen aufgebaut haben, damit es dem Rentner, Pensionär und freundlichen HartzIVler von nebenan gut geht. Und wenn man selbst mal arbeitslos werden sollte (was mehr als wahrscheinlich ist), darf man seine Ersparnisse oberhalb des Freibetrags erst einmal verfrühstücken... Riester-Sparer & Co. haben kaum Möglichkeiten ihr Vermögen abzuziehen umzuschichten und auf mögliche, tiefgreifende Änderungen zu reagieren. Zu Erinnergung: vor weniger als 2 Jahren Stand das globale Finanzsystem vor dem Kollaps... da hätten liquide Mittel zwar nur bedingt geholfen, aber mit Sparplänen ist man den Entwicklungen vollständig ausgeliefert...
wwwwebman 06.10.2010
4. dann wird es zeit,
die lobbymaschinerie anzuschmeißen und den politisch verantwortlichen (nicht nur der jetzigen regierung!) schnell ein weiteres erfolgsprodukt à la riester-rente aufzuschwatzen. irgendwas RENDITESTARKES und besonders KRISENFESTES. einfaches rezept: üppige stattliche förderung (das geld ist ja nie weg - hat nur jemand anders), hochglänzende prospekte mit inhalten, die die masse nicht versteht und ein bescheuerter name. und immer dran denken: es geht hier nicht darum, versicherungen und banken die kohle der kleinverdiener in den rachen zu schmeißen - NEIN, es geht um unsere altersversorgung!!! man kann garnicht früh genug damit anfangen, u.s.w.
atair 06.10.2010
5. Rationales Verhalten angesichts irrationaler Bedingungen ...
Zitat von sysopAngst vor Inflation, misstrauen gegenüber der Finanzbranche: Die Finanzkrise hat das Ansehen der private Altersvorsorge massiv beschädigt. Jeder fünfte Berufstätige hat einer Umfrage zufolge bereits private Vorsorgeverträge gekürzt oder gekündigt. Gleichzeitig wächst die Angst vor Armut im Alter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721557,00.html
Angst vor Inflation? - Vielleicht. Misstrauen gegenüber der Finanzbranche? - Sicher. Aber sicher genausoviel gegenüber der BfA .... Soso: jeder 5. Berufstätige hat also schon Vorsorgeverträge gekürzt oder gekündigt? Kann das vielleicht AUCH daran liegen, dass bereits eine ganze Generation die Erfahrung gemacht hat, dass eigene, erhöhte Anstrengungen zu Vorsorge nicht honriert sondern immer und immer nur wegbesteuert, weggekürzt und nivelliert werden??? Dass eine ganze Generation schon hat beobachten können / müssen, dass derjenige, der sein Geld auf den Kopf haut und verlebt, am Ende in der sozialen Hängematte kaum unkommoder lebt als derjenige, der gespart hat und bei dem Stiefvater Staat dann fleißig abzocken kam und immer noch kommt? Anders gefragt: Haltet Ihr denn alle unseren Otto Normalverbraucher für komplett verblödet?!
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