Presseschau Wie griechische Zeitungen das Sparpaket beurteilen

"Eine Bankrotterklärung", "nötig, aber ungerecht", "unsere letzte Chance": Griechische Medien kritisieren das Sparpaket der Regierung. Es ist die Voraussetzung für die Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro, die das Land von Euro-Partnern und IWF erhält.


"Eleftherotypia" (links-liberal): "Vier Jahre ohne Verschnaufpause. Der Sturm der Sparmaßnahmen trifft vor allem jene im öffentlichen Dienst, die nun für das Versagen der Regierungen geradestehen müssen, weil diese den Staat nicht aufgeräumt und die Steuerflucht -und Verschwendung nicht bekämpft haben. (...) Die Maßnahmen sind nötig, um den Bankrott zu verhindern - aber sie sind ungerecht. Sie treffen fast ausschließlich die Leute, die ein auf's andere Mal die Rechnung zu zahlen haben: die Arbeitnehmer und Pensionäre."

"Kerdos" (Wirtschaftszeitung): "Die große Odyssey beginnt, unsere letzte Chance. Der Zahltag ist gekommen. Die Zeit der Verantwortung für uns alle, die Krise zu bekämpfen, muss zur großen Chance werden, unser öffentliches Leben zu modernisieren, auch wenn wir zu bluten haben. Es ist nicht nur eine große Chance, sondern auch unsere letzte."

"Ta Nea" (links-liberal): "Das große Opfer. Die Art und Weise, wie wir gelernt haben zu leben, zu arbeiten, Güter zu erwerben und unser gesamtes Leben zu organisieren hier am südlichen Zipfel des Balkans, ist seit gestern Geschichte."

"Apogevmatini" (rechts-konservativ): "Die Regierung räumt ein, dass ihr Stabilisierungsplan gescheitert ist und verlangt dem Volk harte Opfer ab, ohne einen Plan für ein Ende der Krise zu präsentieren. Wer hat der Regierung das Mandat gegeben, jeden einzelnen Griechen zu demütigen?"

"Etnos" (links-liberal): "Fünf Jahre Sauerstoffmangel. Die Lösung des 'Hilfsmechanismus' von EU/IWF ist eine verspätete 'Zwangsmodernisierung' des gesamten Landes. Seine Umsetzung hat einige harte, soziale Folgen, die wir nicht vermeiden können, wenn wir das Netz der Interessen zerschlagen wollen, die uns in die heutige Sackgasse geführt haben."

"Imerisia" (Finanzzeitung): "Um es klarzustellen: Die schmerzhaften Maßnahmen, mit der die Regierung die Zahlungsunfähigkeit verhindern will, sind ein nachträgliches Schuldeingeständnis und eine Bankrotterklärung unseres politisches Systems - denn es war genau dieses System, das das Land gegen die Wand gefahren hat.

Angesichts der Tatsache, dass Sparkurs und Rezession nicht zu vermeiden sind, müssen wir nun hoffen, dass die Regierung die nötige Entschlossenheit aufbringt, das angekündigte Sparprogramm auch umzusetzen. Es ist ein Trost, dass alle Griechen nun gemeinsam das Land neu erfinden müssen - mit Regeln für alle. Wir schulden es den Jungen, wir sollten Buße tun für die Schulden, die wir ihnen aufbürden - den Geborenen und Ungeborenen."

cte/Reuters



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donnerbalken 24.04.2010
1. Ach was!
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ach was! Papalapap! Die Renten werden für einige Jahre eingefroren und Europa ist gerettet...
ingrid wild 24.04.2010
2. Na aber selbstverständlich
auf die paar Griechen kommt es auch nicht mehr an, wir retten ja schließlich schon einen erklecklichen Teil der Welt. Kommt es da vielleicht noch auf den mickrigen Rest an?
Roueca 24.04.2010
3. Nein...
...und wir wollen es auch nicht. Solange, wie gestern in den Nachrichten gezeigt wird, daß die griechische Presse unser Land so sieht: Brandenburger Tor mit Hakenkreuz drauf, solange sollen die anderen EU-Länder den Karren aus dem Dreck ziehen. Eine öffentliche Rüge für dieses Land wäre die richtige Antwort, aber nicht unsere Steuergelder
Volker Gretz, 24.04.2010
4.
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ich glaube nicht, dass uns Deutschen die Wirtschaft noch so viel Wohlstand gelassen hat, um in Griechenland die Sozialsyteme und Kaufkraft zu erhalten. Im Gegenteil - wir bezahlen die Finanzwirtschft und die Rüstingsindustrie mit dem weiteren Abbau unserer Sozialsysteme, mit dem weiteren verscherbeln unseres Tafelsilbers, mit maroden Staraßen, sinkenden Bildungsausgaben, geschlossenen Schwimmbädern und Bücherien, ... dafür, die Griechen auf unser Niveau herabzuwürgen. Die Griechen retten, hieße dort den Wohlstand, Sicherheit und Daseisnsvorsorge mindesten beizubehalten. Und das will ja niemand mehr. Unserere Regierenden haben die Marschrichtung seit mindesten 12 Jahren in die andere Richtung vorgegeben. Nicht der Wohlstand der Menschen ist das Ziel, sondern die Gewinne der Wirtschaft.
echter_demokrat 24.04.2010
5. Retten
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Was heißt Griechenland? Wir werden die gesamte EU retten. Das war nur der erste Stein, der ins Rollen gekommen ist.
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