Prognosen für 2012 Deutsche Ökonomen hoffen auf Mini-Wachstum

Die Lage ist schwierig, aber nicht hoffnungslos: Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass Deutschland 2012 eine Rezession vermeiden kann - im Gegensatz zu vielen anderen Euro-Ländern. Auch deshalb plädieren mehrere Institute für kräftige Lohnerhöhungen.
Dachdecker in Hessen: Hoffen auf die Binnenkonjunktur

Dachdecker in Hessen: Hoffen auf die Binnenkonjunktur

Foto: dapd

Berlin - Der Euro-Raum steuert in diesem Jahr auf einen Abschwung zu, doch Deutschland könnte nach Ansicht von Ökonomen glimpflich davon kommen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht in einer am Mittwoch veröffentlichten Prognose davon aus, dass der Aufschwung nur "kurzzeitig unterbrochen" wird. Für das Gesamtjahr sei immerhin mit einem Wachstum von 0,6 Prozent zu rechnen. Im vergangenen Jahr lag das Wachstum noch bei rund drei Prozent.

Auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, erwartet für 2012 keine Rezession in Deutschland. "Die Deutschen leihen ihre Ersparnisse nicht mehr dem griechischen Staat oder den spanischen Häuslebauern, sondern sie bauen selber", sagte Sinn der Online-Ausgabe von "Bild". Das stärke die deutsche Binnenkonjunktur.

Deutlich skeptischer sehen die Ökonomen die Entwicklung in der gesamten Eurozone. "Die Wirtschaft im Euro-Raum rutscht wegen der Schuldenkrise ins Minus", prognostiziert das DIW. Ifo-Chef Sinn sagte, die Aussichten für Deutschland seien zwar nicht "toll, aber immerhin bleibt uns die Rezession erspart, die der Rest der Euro-Zone erleben wird."

Der DIW-Ökonom Simon Junker rechnet zudem mit keinem Einbruch am deutschen Arbeitsmarkt. Zwar sei in der ersten Jahreshälfte zunächst mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung zu rechnen. "Mit vermehrter Kurzarbeit und dem Abbau der inzwischen wieder gut gefüllten Arbeitszeitkonten werden die Unternehmen den Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten aber abfedern können", sagte Junker.

Kritik am deutschen "Exportpanzer"

DIW-Chef Gert Wagner warb für kräftige Lohnerhöhungen in Deutschland. Auf diese Weise müsse der heimische Konsum gestärkt werden, damit die deutsche Wirtschaft nicht nur vom Export abhängig sei, schrieb Wagner in einem Gastbeitrag für das "Darmstädter Echo". "Deutschland kann nicht erwarten, dass nun andere Länder den Gürtel enger schnallen, es selbst aber am Wirtschaftsmodell 'Exportpanzer' festhält." Die deutsche Exportstärke beruhe auch auf einer schwachen Lohnentwicklung, die auf Kosten des privaten Konsums und damit des sozialen Friedens in Deutschland gehe.

Scharf kritisierte Wagner die Wirtschaftsverbände, die für den Fall kräftigerer Tarifabschlüsse vor Arbeitsplatzverlusten gewarnt hatten. "Alles was passieren würde, wäre lediglich, dass die Gewinne nicht rascher als die Löhne steigen. Warum sollte das Beschäftigung kosten?" Für ein Ende der Krise in der Euro-Zone sei in allen Mitgliedsländern eine auf Europa ausgerichtete partnerschaftliche Gestaltung der Wirtschafts- und Verteilungspolitik notwendig. "Und dafür sind nicht nur die Regierungen, sondern auch die Tarifparteien verantwortlich."

Auch Ifo-Chef Sinn sagte, die Lohnforderungen der Gewerkschaften seien im Prinzip in Ordnung. Nach Jahren der Zurückhaltung sei jetzt die Zeit für Gehaltssteigerungen gekommen. "Ich gehe davon aus, dass sie es nicht übertreiben werden", sagte Sinn. Er warnte zugleich vor einem flächendeckenden Mindestlohn. Dieser werde Hunderttausende Arbeitsplätze vernichten.

Im Frühjahr 2012 geht die IG Metall als größte deutsche Einzelgewerkschaft in eine neue Tarifrunde. Gewerkschaftsvertreter kündigten bereits an, es werde dabei um eine "große Prozentzahl" gehen.

dab/dapd/AFP
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