Trotz Insolvenz Prokon-Anleger könnten bis zu 60 Prozent zurückbekommen

Zehntausende Prokon-Anleger bangen seit der Insolvenz um ihr Kapital - jetzt gibt es vergleichsweise gute Nachrichten: Sie könnten 30 bis 60 Prozent ihres Geldes wiedersehen.

Windräder: Prokon-Insolvenz trifft Zehntausende Anleger
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Windräder: Prokon-Insolvenz trifft Zehntausende Anleger


Hamburg - Die Anleger des insolventen Windenergie-Unternehmens Prokon können damit rechnen, 30 bis 60 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zu retten. Genauer lasse sich die Höhe der Insolvenzquote wegen der schwierigen Bewertbarkeit vieler Vermögensgegenstände nicht vorhersagen, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Penzlins Angaben decken sich in etwa mit den Schätzungen von Finanzexperten, die in den vergangenen Wochen auf Internetportalen kursierten.

Rund 74.000 Menschen haben 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert. Die Anleger sollen sich nach den Worten Penzlins bis Mitte Juli gedulden, um ihre Ansprüche anzumelden. Dann würden individuelle Formulare versandt. Die Inhaber der Genussrechte müssen ebenso behandelt werden wie andere Gläubiger, das hatte das Amtsgericht Itzehoe kürzlich bekanntgegeben. Die Anmeldefrist für alle Gläubiger läuft bis zum 15. September.

Die Forderungen der Gläubiger werden bis zum 15. Januar 2015 in einem schriftlichen Verfahren überprüft. Mit ersten Zahlungen aus der Insolvenzquote können die Anleger ebenfalls erst im kommenden Jahr rechnen. Der Insolvenzverwalter hat die gesetzliche Aufgabe, eine möglichst hohe Quote für die Gläubiger zu erreichen.

Bei dem insolventen Windenergie-Unternehmen werden indes rund 150 von 450 Arbeitsplätzen gestrichen, teilte Penzlin mit. Rund 80 Arbeitnehmer würden das Unternehmen wegen auslaufender Verträge oder eigener Kündigung verlassen; für 70 weitere werde eine Transfergesellschaft vorbereitet. Die Fortführung der Kernbereiche von Prokon sei gesichert. Das gelte für den Betrieb und die Projektierung von Windparks sowie auch weitestgehend für den Stromhandel.

Das Amtsgericht Itzehoe hatte am Vortag das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet, weil das Unternehmen überschuldet und zahlungsunfähig ist. Nach vorläufigen Prüfungen des Insolvenzverwalters hat Prokon im vergangenen Jahr 478 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Nach Angaben des Verwalters ist es das viertgrößte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik.

ssu/dpa-AFX



insgesamt 20 Beiträge
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mischpot 02.05.2014
1. Halten Sie sich fest.
Das Landgericht Stade argumentiert: Zwei weitere Fälle werden vor dem Landgericht in Stade verhandelt. Das Unternehmen will sich zu den Fällen nicht näher äußern, räumt aber ein: Beteiligungen an Windparkfonds "bergen unter anderem in Abhängigkeit vom Windangebot das Risiko eines nur geringen, wirtschaftlichen Erfolges". Darüber habe man die Anleger umfassend informiert. Schuld sei aber auch ganz einfach die Natur. Es habe in den letzten zehn Jahren eben "deutlich unterdurchschnittliche Windjahre mit zum Teil über 20 Prozent geminderten Erträgen gegeben". Das bleibe "leider nicht ohne Auswirkungen auf die Ausschüttung". Schuld ist der Wind? Kann der Wind Schuld daran sein dass Durchzug zwischen den beiden Ohren der Richter in Stade ist? Quelle Süddeutsche
huettenfreak 02.05.2014
2. Angemessen
Wenn man bedenkt welch vergleichsweise hohe Renditen den Anlegern versprochen worden sind dann ist die Rückzahlquote wohl angemessen. Denn jeder Laie weiß: das Risiko verhält sich äquivalent zur Chance.
Airkraft 02.05.2014
3. Für mich hört sich das...
Für mich hört sich das an, wie Aussage eines Providers über die Geschwindigkeit seines Internet-Zugangs. Das ist ein fiktiver Maximalwert, der in der Realität nicht erreicht wird :-(
Malshandir 02.05.2014
4. Nachrangig
Aha, wo steht denn, dass das Gericht gesagt hat, dass die Genussrechtsinhaber gleichangig mit anderen Glaeubigern sind? Davon lese ich wenig. Sollte dies die Meinung des AG sein, wird es sicher Klagen von vorangigeren Schuldnern geben.
Leser02 02.05.2014
5. Maxiamlwert
Anders als Unternehmenslenker hat es der Insolvenzverwalter nicht nötig unrealistische Werte zu nennen. Einmal davon abgesehen ist die Spanne von 30 bis 60% sehr groß. Ich war nie ein Freund von Prokon und halte die Finanzierung langfristiger Projekte über kurzfristig kündbare Genussrechte für ein betriebswirtschaftliches Abenteuer, aber es hieß immer, dass die Genussrechtsinhaber fast die Einzigen Gläubiger seien. Wenn die Windparks also nicht heillos überbewertet waren, muss die Insolvenzquote eher hoch sein.
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