Prostitution in Corona-Zeiten Verband will Bordelle mit Hygienekonzept wieder öffnen

Mehrere Politiker forderten zum Corona-Schutz ein generelles Prostitutionsverbot. Ein Verband der Sexbranche hält dagegen - und vergleicht sich mit Masseuren, für die es auch eine Perspektive gebe.
Verwaistes Bordell in der Hamburger Herbertstraße

Verwaistes Bordell in der Hamburger Herbertstraße

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Christian Charisius/ dpa

Die Prostitution leidet wie kaum eine andere Branche unter Corona-Verboten. Mit dem Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen hat nun ein Interessenverband verlangt, die Schließungen aller Prostitutionsstätten wieder aufzuheben. Eine weitere Schließung der Bordelle und ein Verbot der Prostitution seien durch nichts gerechtfertigt, heißt es in einem Offenen Brief  an Bundestagsabgeordnete, die jüngst sogar ein generelles Sexkaufverbot gefordert hatten.

Im Gegenteil: Angesichts der eingedämmten Pandemie müsse es auch der Prostitutionsbranche ermöglicht werden, "wieder Einnahmen zu generieren und den Kunden einen guten Service zu bieten, der menschlich, stabilisierend und für sie insbesondere in Corona-Zeiten existenziell ist", heißt es in dem Schreiben. Man habe, wie andere Branchen auch, dazu ein entsprechendes Hygienekonzept erarbeitet und der Politik vorgelegt.

Der Verband vergleicht seine Branche mit anderen körpernahen Dienstleistern wie Masseuren oder Kosmetikerinnen - und benennt in seinem Konzept drei Schritte. So sollten zunächst kleinere Betriebe mit bis zu zehn vermieteten Zimmern starten, später Bars, Tabledance-Bars, Kinos und Klubs bis zu einer Obergrenze. Und erst in einem dritten Schritt sollen Bordelle wieder entsprechend der bei den Gewerbeämtern vorgelegten Betriebskonzepte wieder vollständig ihre sexuellen Dienstleistungen und weitere Angebote anbieten.

Verband lädt Abgeordnete zu Bordellbesuch ein

16 Parlamentarier von Union und SPD hatten zuletzt mit Verweis auf den Infektionsschutz einen langfristigen Shutdown für den Sexkauf gefordert. Das Gewerbe habe die Wirkung eines "epidemiologischen Superspreaders", hieß es. Die Abgeordneten befürchteten andernfalls Infektionsherde. "Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Superspreaders hätte - sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar", heißt es in dem Papier. Bei der Nachverfolgung von Infektionsketten werde aller Voraussicht nach der Kontakt mit Prostituierten verschwiegen.

Der Verband entgegnete nun, Sexarbeiterinnen hätten per se ein großes Interesse an Hygiene und ihrer Gesundheit, "denn die ist ihr Kapital", teilte der Verband mit. Auch seien sie schon immer geübt, unter Beachtung von Schutzmaßnahmen zu arbeiten, nutzten etwa Kondome gegen sexuell übertragbare Erkrankungen und unterzögen sich Gesundheitschecks. Weiter hieß es: "Wenn Sie in Ihrer Haltung noch nicht festgefahren und offen für andere Erfahrungen sind, laden wir Sie - nach der Corona-Öffnung - gern zu einem Bordellbesuch ein. Sie können sich einen Eindruck über die Abläufe in den verschiedenen Segmenten verschaffen und mit Sexarbeiter*innen in den Dialog treten."

Hinter dem Streit steht nicht nur die Sorge um Infektionen. Mehrere Politiker wollen den Sexkauf grundsätzlich untersagen. Es handle sich in den meisten Fällen um eine menschenunwürdige, zerstörerische und frauenfeindliche Tätigkeit, zu der die Frauen gezwungen würden. Laut Bundeskriminalamt gibt es tatsächlich jedes Jahr in Deutschland Hunderte Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung. Gezählt werden nur die abgeschlossenen Verfahren. Die Dunkelziffer gilt als sehr hoch. In anderen Ländern wie Schweden ist Prostitution deshalb verboten, Freier machen sich strafbar. Deutschland ging mit einer Legalisierung des Gewerbes und der Einführung eines Prostituiertenschutzgesetzes einen anderen Weg.

apr/dpa
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