Protest gegen Sparpläne Griechische Beamte besetzen ihre eigenen Ministerien

Ob dieses Signal die Geldgeber Griechenlands positiv stimmt? Pünktlich zur Rückkehr der Prüfer von EU und IWF legen griechische Beamte Ministerien in Athen lahm. Sie wollen ihren Finanzminister am Treffen mit den Experten hindern - obwohl es dabei um überlebenswichtige Gelder geht.

"Besetzt"-Zeichen vor dem Innenministerium in Athen: "Barbarische Maßnahmen"
REUTERS

"Besetzt"-Zeichen vor dem Innenministerium in Athen: "Barbarische Maßnahmen"


Athen - Den Willkommensgruß haben sich die Vertreter der Europäischen Union, Zentralbank und Währungsfonds vermutlich herzlicher vorgestellt: Kurz vor der Rückkehr der sogenannten Troika nach Griechenland haben aufgebrachte Beamte am Donnerstag in Athen mehrere Ministerien besetzt. Vor dem Finanzministerium versammelten sich rund 200 Beschäftigte. Sie riefen: "Nehmt euren Rettungsplan und haut ab."

Betroffen waren nach Angaben der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes Adedy insgesamt sieben Ministerien, darunter die für Justiz und Gesundheit. An den Balkonen des Innenministeriums brachten die Demonstranten ein riesiges schwarzes Banner an, über das Tor hängten sie eine griechische Flagge mit der Aufschrift "zu verkaufen". In einer Gewerkschaftserklärung wurde die Aktion mit den von der Troika geplanten "barbarischen Maßnahmen" begründet, die zu weiteren Gehaltskürzungen, höheren Steuern und Massenentlassungen führen würden.

In Griechenland herrscht Ausnahmezustand, mal wieder. Die jüngsten Sparpläne der Regierung sorgen für massive Unruhe im Land. Die zuletzt verkündeten harten Einschnitte im Staatswesen treiben selbst die bislang vergleichsweise verschonten Beamten auf die Straße.

Die Regierung steckt in einem Dilemma - zum einen muss sie ihrer Bevölkerung immer mehr abverlangen, zum anderen machen die Geldgeber Druck. Sie wollen endlich Erfolge sehen. Anfang September war die Troika abgereist, weil sie mit den bisherigen Ergebnissen unzufrieden war.

Ergebnis frühestens Anfang Oktober

Finanzminister Evangelos Venizelos wollte sich noch am Donnerstagnachmittag mit den Vertretern der Troika treffen. Dabei sollte es um den Haushalt 2012 gehen, der am 3. Oktober dem Parlament vorgelegt wird, wie es aus Ministeriumskreisen hieß. Auch die Maßnahmen für 2013 und 2014 sollten diskutiert werden. In den Verhandlungen geht es um die Auszahlung der letzten acht Milliarden Euro aus dem ersten Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland. Überzeugen die Pläne, stehen die Chancen für die Auszahlung nicht schlecht. Mit einem Ergebnis der Prüfung der Kontrolleure wird jedoch nicht vor Anfang kommender Woche gerechnet.

Doch die demonstrierenden Beamten wollen das torpedieren: Sie erklärten, sie wollten Venizelos daran hindern, sich mit den Troika-Vertretern zu treffen. Wie der Minister darauf reagiert, ist noch nicht bekannt.

yes/dapd



insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
seduro34 29.09.2011
1. Unglaublich
Griechenland steht am Abgrund, genauer gesagt ist es schon am Fallen, die anderen EU-Länder basteln an einem riesigen Rettungsschirm für das Land und die grichischen Beamten wollen nicht auf ihre Privilegien verzichten. Wenn es nicht so traurig und vor allen Dingen so riskant für die Geberländer wäre, wäre es geradezu lachhaft. Warum wird Griechenland nicht aus der EU ausgeschlossen, dann können sie sich in Ruhe zerfleischen oder runterwirtschaften und wenn sie die EU-Kriterien wieder erfüllen, werden sie wieder aufgenommen.
MtSchiara 29.09.2011
2. die sogenannten "Hilfen für Griechenland"
Die Deutchen sind gegen diese "Hilfen für Griechenland". Die Griechen selbst sind gegen diese "Hilfen für Griechenland". Wozu gibt es dann diese "Hilfen"? Können sich die Politiker nicht wenigstens dieses mal darauf besinnen, daß es ihre Aufgaben ist, *Politik für das Volk* zu machen? Denn die Politiker werden vom Volke gewählt und nicht von der Finanzindustrie. Wenn es der deutschen Bevölkerung nicht möglich ist, diese "Hilfen" zu stoppen, dann laßt uns die Daumen drücken, daß es der griechischen Bevölkerung gelingt.
Crom 29.09.2011
3. ...
Geldhahn zudrehen, Pleite gehen lassen, dann können sie ja sehen, wer ihre Renten, Pensionen und Gehälter bezahlt. Niemand, dann ist die Kasse leer und es gibt gar nichts!
willibaldus 29.09.2011
4. Griechenland
Zitat von MtSchiaraDie Deutchen sind gegen diese "Hilfen für Griechenland". Die Griechen selbst sind gegen diese "Hilfen für Griechenland". Wozu gibt es dann diese "Hilfen"? Können sich die Politiker nicht wenigstens dieses mal darauf besinnen, daß es ihre Aufgaben ist, *Politik für das Volk* zu machen? Denn die Politiker werden vom Volke gewählt und nicht von der Finanzindustrie. Wenn es der deutschen Bevölkerung nicht möglich ist, diese "Hilfen" zu stoppen, dann laßt uns die Daumen drücken, daß es der griechischen Bevölkerung gelingt.
War im letzten Jahrzehnt reformresistent. Wenn jetzt wieder alles geschenkt wird, mit einem Schuldenschnitt ohne Bedingungen, geht alles weiter wie zuvor. Wenn nicht jetzt etwas geschieht, wann dann? Noch nicht mal ein Katasteramt existiert, die Bürokratie ineffizient, dass es quietscht und Steuerbetrug ein jedermanns Sport. Schon möglich, dass noch ein Schuldenschnitt nötig wird und die Banken bluten müssen, dann sollen aber wenigstens die griechischen Verwaltungsstrukturen vorher reformiert werden.
lieven 29.09.2011
5. Nashorntasche
Zitat von sysopOb dieses Signal die Geldgeber Griechenlands positiv stimmt?*Pünktlich zur*Rückkehr der Prüfer*von EU und IWF besetzen griechische Beamte die*Ministerien in Athen. Sie*wollen ihren Finanzminister am Treffen mit den Experten hindern - obwohl*es dabei*um überlebenswichtige Gelder geht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789067,00.html
Ok, war klar dass die Frösche quaken, wenn der Sumpf ausgetrocknet werden soll. Was ich nicht verstehe: Wieso demonstrieren die Griechen nicht gegen ihre Reichen Steuerbetrüger? Die haben doch nun wirklich satt abgegriffen in den letzten 25 Jahren???
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