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Protest gegen Großkonzerne: Occupy-Anhänger blockieren Häfen

Foto: ROBERT SORBO/ REUTERS

Proteste an US-Westküste Occupy-Aktivisten blockieren Häfen

Rund tausend Occupy-Demonstranten haben an der US-Westküste mehrere Häfen blockiert. Die Organisatoren begründeten die Proteste als Solidaritätsaktionen für ausgebeutete Hafenarbeiter. Doch nicht alle Arbeiter freuten sich über die Unterstützung.

Oakland - Die Aktivisten der Occupy-Bewegung in den USA suchen sich für ihren Protest gegen Großkonzerne neue Ziele. Demonstranten haben Häfen an der Pazifikküste der USA und Kanadas ins Visier genommen. Vom südlichen Kalifornien bis hinauf nach Alaska marschierten mehr als tausend Menschen auf die Hafenanlagen an der US-Westküste zu. Einige Terminals mussten wegen der Proteste geschlossen werden, eine totale Blockade des Frachtverkehrs gelang den Aktivisten aber nicht. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Proteste konzentrierten sich vor allem auf Hafenanlagen im kalifornischen Oakland, in Portland im Bundesstaat Oregon und im US-Bundesstaat Washington. In Portland mussten drei Terminals geschlossen werden. Die Anlagen seien der "wirtschaftliche Motor für die Elite", begründeten die Organisatoren ihren Protest dort. Vor allem zwei Firmen haben die Occupy-Anhänger im Visier: den Hafenbetreiber SSA Marine und den Getreidehändler EGT. An SSA Marine hält die US-Großbank Goldman Sachs einen großen Anteil.

Die Aktivisten hinderten Lastwagen an der Weiterfahrt, an einzelnen Terminals mussten die Arbeiten unterbrochen werden. "Die Lastwagenfahrer warten, aber es gibt niemanden, der die Waren verlädt", sagte einer der Organisatoren in Oakland. Die Proteste gingen weiter, kündigte er an. Man wolle ein Signal an die Betreiber der Hafenanlagen senden und deren Gewinne vermasseln. Zudem wollten sich die Aktivisten mit Hafenarbeitern solidarisieren, die von Großunternehmen ausgebeutet würden. Die US-Gewerkschaft der Hafen- und Lagerarbeiter ILWU schloss sich jedoch den Aktionen nicht offiziell an.

"Wogegen demonstrieren sie?"

Einige betroffene Arbeiter reagierten sogar verärgert. "Das ist ein Witz. Wogegen demonstrieren sie?", fragte ein Lastwagenfahrer, der vor einer blockierten Zufahrt mit einer Fracht Altpapier warten musste. Die Aktivisten schadeten genau den Leuten, denen sie offiziell helfen wollten, sagte der Mann. Ihn selbst koste die Verspätung 600 Dollar. "Das alles trifft mich und die anderen Fahrer. Anders als die meisten dieser Demonstranten müssen wir Familien ernähren."

Andere Arbeiter dagegen begrüßten die Proteste. "Ich hoffe, sie machen weiter", sagte ein Hafenarbeiter. Er selbst verdiene zwar durch die Aktionen 500 Dollar weniger, damit habe er aber kein Problem. "Allerdings war meine Frau darüber unglücklich", sagte der Mann.

Manche Betreiber schickten Arbeiter nach Hause

Die Aktivisten zogen mit Trommeln und Schildern zu den Hafenanlagen. Allein in Long Beach in Kalifornien waren es einige hundert Menschen. Die Polizei versuchte dort, die Demonstranten von Zufahrtswegen zu vertreiben. Später vertrieb schlechtes Wetter viele Demonstranten.

In manchen Anlagen schickten die Betreiber einen Teil der Schichtarbeiter angesichts der Proteste wieder nach Hause. In Seattle kam es vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und Polizisten. Dort musste ein Terminal geschlossen werden. In Portland verfolgte die Polizei zwei Leute, die in Tarnkleidung mit einer Waffe, einem Schwert und einem Funkgerät unterwegs waren. Die beiden begründeten ihre Ausstattung damit, dass sie auf Aufklärungstour seien.

mmq/Reuters/AP