Proteste gegen Banken Occupy-Aktivisten machen Times Square dicht

Mehr als 70 Personen wurden festgenommen, die Polizei war mit Reiterstaffeln im Einsatz: In New York haben Tausende den Protest gegen die Finanzindustrie auf den Times Square im Herzen Manhattans getragen. Auch in anderen US-Metropolen gingen Anhänger der Occupy-Bewegung auf die Straße.

Polizisten auf dem New Yorker Times Square: Mehr als 70 Festnahmen
AFP

Polizisten auf dem New Yorker Times Square: Mehr als 70 Festnahmen


New York - Weltweit gingen die Menschen am Samstag auf die Straße, um gegen die Finanzindustrie zu protestieren. Und auch in New York, dem Ursprungsort der "Occupy"-Bewegung, nahmen die Demonstrationen noch einmal Fahrt auf: Tausende trugen ihren Protest gegen die Macht der Banken und die Gier der Großkonzerne auf den Times Square, das pulsierende Herz Manhattans. "Die Banken wurden gerettet, wir wurden ausverkauft!", riefen die Demonstranten.

Nur im Schneckentempo ging es noch voran. Die Polizei engte den ohnehin knappen Raum noch durch Absperrungen ein, um die Proteste unter Kontrolle zu halten. Nur zögerlich sperrten die Sicherheitskräfte Straßen für den Autoverkehr, um mehr Platz für die Menschen zu machen. "So sieht Demokratie aus", skandierten die Protestler. Polizisten auf Pferden versuchten, die Menschenmenge auf die Seitenstraßen zu drängen und auseinanderzutreiben. Touristen solidarisierten sich mit den Demonstranten. Von den vorbeifahrenden offenen Bussen herunter bejubelten sie die Proteste.

Zuvor waren Anhänger der Occupy-Bewegung mit Trommeln, Trompeten und Transparenten vor einer Filiale der Bank JPMorgen Chase gezogen. Bis zu 1000 Menschen versammelten sich vor dem Gebäude. Einige der Teilnehmer gingen in die Bank, um ihre Konten zu kündigen. Später wurden 24 Menschen in einer Citibank-Niederlassung wegen unbefugten Betretens und ungebührlichen Verhaltens festgenommen. Insgesamt nahm die Polizei am Samstag in New York mehr als 70 Demonstranten in Gewahrsam.

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Demos gegen Finanzindustrie: Proteste weltweit
Auch im Rest des USA protestierten die Amerikaner gegen die Macht der Finanzindustrie. In Pittsburgh kamen rund 2000 Demonstranten zusammen, in Orlando nahmen etwa 1500 an einem Protestmarsch teil. In Detroit verbrachten rund 200 Demonstranten die Nacht trotz eisiger Temperaturen im Grand Circus Park. Man werde dort solange ausharren, "wie es dauert, um einen Wandel zu erzwingen", so die Teilnehmerin Helen Stockton. "Es ist einfach, uns zu ignorieren", sagte sie mit Blick auf die Finanzinstitutionen. "Aber wir werden sie nicht ignorieren. Jeder Kälteschauer in unseren Knochen erinnert uns daran, warum wir hier sind."

Einsamer Protest in der Tundra

Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, besuchte erstmals Demonstranten im Bostoner Park Dewey Square. Er habe mehr Verständnis für die verschiedenen Standpunkte und die Sorgen über Arbeitslosigkeit, Gesundheitsversorgung und den Einfluss des Geldes in der Politik, sagte er danach.

Am Samstag hatte es weltweit Demonstrationen gegeben - allerdings selten in so großem Umfang wie in den USA. Besonders heftig ging es in Rom zu, wo schwere Krawalle den Protest überschatteten. In Deutschland gingen die Menschen unter anderem in Frankfurt, Berlin und Hamburg auf die Straße.

Die internationale Aktion beschränkt sich jedoch nicht allein auf die großen Finanzzentren: Bis in die Tundra von Alaska hat sich der Protest gegen die Finanzindustrie und soziale Ungleichheit ausgebreitet. Die Professorin Diane McEachern ließ sich nahe dem kleinen Ort Bethel mit ihren drei Hunden und einem Poster mit der Aufschrift "Besetzt die Tundra" in der frostigen Steppe fotografieren und stellte das Bild auf die Facebook-Seite der Bewegung "Occupy Wall Street". Mehr als 8000 Nutzer haben den "Gefällt mir"-Button schon angeklickt.

hut/dpa/dapd

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artikel.5 16.10.2011
1. erbärmliche Opportunisten!
Wochenlang wurden die Parkbesetzung und die Proteste wissentlich von den Medien verschwiegen. Jetzt versucht man eine neue Taktik, indem sie lächerlich gemacht werden sollen (99% blieben zu Hause, Karnevval, Wutbürger, Revoluzzer...) oder aber eine einzige Eskalation hochgespielt wird. Sie konnten das Lauffeuer rund um den Globus nicht stoppen. Auf der anderen Seite versuchen sich nun die ersten Wendehälse (Gabriel) an die Demonstranten anzuschleimen, weil sie ja eigentlich immer schon auf deren Seite standen. Was für erbärmliche Opportunisten!
Bhur Yham, 16.10.2011
2. Die spinnen, die Amis! Wo kommen wir da hin, wenn das jeder macht?
Zitat von sysopMehr als 70 Personen wurden festgenommen, die Polizei war mit Reiterstaffeln im Einsatz: In New York haben Tausende den Protest gegen die Finanzindustrie auf den Times Square im Herzen Manhattans getragen. Auch in anderen US-Metropolen gingen Anhänger der Occupy-Bewegung auf die Straße. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792032,00.html
Aber lt. SPON sind ja 99% zu Hause geblieben, gottseidank. Wenn die gesellschaftspolitisch hirntoten Amis aber aufwachen und ihre Büttel gleich derart beschäftigen, muß Gewaltiges passiert sein. Die werden sicher demnächst alle als Terroristen verhaftet und wegen unamerikanischen Verhaltens belangt. Dann kann SPON wieder beruhigt zur Tagesordnung übergehen. Dummerweise kam aber bisher jeder Trend nach D, und diesmal wär's ausnahmsweise mal ein höchst sinnvoller.
bauagent 16.10.2011
3. Konditioniert
Zitat von sysopMehr als 70 Personen wurden festgenommen, die Polizei war mit Reiterstaffeln im Einsatz: In New York haben Tausende den Protest gegen die Finanzindustrie auf den Times Square im Herzen Manhattans getragen. Auch in anderen US-Metropolen gingen Anhänger der Occupy-Bewegung auf die Straße. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792032,00.html
Wären die meisten Menschen nicht ab Kindesalter konditioniert, würden sie den Gesamtzusammenhang im Auge haben. So sind diese Bewegungen einseitig bereits durch die herrschende Elite kanalisiert und man verflucht die Banken als einzig Schuldige am Dilemma und an den kommenden dunklen Zeiten. Sobald die Menschen aber verstehen, dass der Staat in Verbindung mit den Banken dieses Unterjochungssystem gebaut hat und aus Eigennutz daran interessiert ist, es zu erhalten verstehen sie auch, dass sie eigentlich mit der Zerschlagung bzw. Verstaatlichung von Banken nichts erreichen. Denn das führt zur Zentralisierung von Macht, wie wir es aus " Führerzeiten " kennen und wird z.B. in Europa zu einer nie dagewesenen Entdemokratisierung führen. Welche " Führer " sich bei den gut gemeinten Occupy-Demonstranten herausstellen, werden wir bald sehen. Durch den fehlenden Forderungskatalog nach mehr Demokratie, weniger Globalisierung und besserer Verteilung werden diese Führer dann einige Nebelkerzen starten und sich alles in Luft auflösen. Derweil hat auch der Mittelstand seine Ersparnisse verloren, weil eine Währungsreform stattfand, denn dieses Finanzsystem ist ohnehin weltweit nicht mehr zu retten. Vielleicht aber wird sich doch noch eine Opposition gegen das herrschende " Regime " bilden. Hierzu gehört aber ein hoher gesellschaftlicher Konsens der Demonstrierenden als tragfähiger Boden. Nach dem Lady GaGa Konzert ne kleine Demo über´s Iphone zu organisieren könnte Kult werden, aber kaum die Gesellschaft wachrütteln. Gemeinsame Gesinnung, Proteste in der alternativen Kulturszene ( Musiker, Schriftsteller etc. ) und Forderung nach Rückführung der Globalisierung auf ein Maß das Nachhaltigkeit bei den Ressourcen unterstreicht seien hier stellvertretend genannt. Ist das Glas halb leer?
olikoenig 16.10.2011
4. Occupy auch in Lübeck
Die Bewegung schwappt in Deutschland auch in kleinere Orte. In Lübeck versammelten sich am Samstag Protestler vor dem Holstentor: http://www.unser-luebeck.de/content/view/3570/334/
gattaca68 16.10.2011
5. faszinierend :O
lol irgendwie weiß keiner was da eigentlich passiert. Und sowas aus dem "nichts" passiert scheinbar unabhängig voneinander an allen Ecken der Welt. ich habe gestern eine reihe von Kommentaren amerikanischer Journalisten in einer großen deutschen Zeitung gelesen, die versuchen das Phänomen zu erklären. Wirklich wissen tut man nur, dass man nichts weiß. Einige versuchen die Sache mit dem arabischen Frühling, der als Vorbild dient, zu erklären. Aber die, die das als Erklärungsversuch nehmen, kennen alle Stuttgart 21 nicht :D Ich glaube, so wirklich wissen was sie eigentlich wollen, tun auch die Demonstranten nicht wirklich (Stuttgart 21 eingeschlossen). Es ist vielmehr das Gefühl, dass etwa entschieden wird ohne dass man mitreden darf. Irendwie kommt mir das wie zum Leben erwachte urban legends vor. Märchen, die über 6,6 Ecken weiter erzählt werden und plötzlich und irgendein Märchen transportieren. Da wird endlos das Wort vom Sonntag über Demokratie und freier Meinung gepredigt und Sch*** noch eins: Die Leute nehmen das ernst! :D Es erinnert mich ein bisschen daran, dass 40 Jahre lang von Wiedervereinigung geredet wurde und plötzlich kommt irgendein Idiot und nimmt das wörtlich. Wie auch immer: es ist allemal besser als die "faschistische" Tea-Party Bewegung... egal
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