Zypern-Rettung Putin vergrätzt über Zwangsabgabe

Die von der EU beschlossene Zwangsabgabe in Zypern dürfte besonders reiche Russen treffen. Entsprechend ärgerlich reagiert Präsident Putin: Der Beschluss sei "ungerecht, unprofessionell und gefährlich".
Wladimir Putin: Verärgert über EU-Hilfsbeschluss

Wladimir Putin: Verärgert über EU-Hilfsbeschluss

Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Pläne der Euro-Gruppe zur Rettung des zyprischen Bankensektors scharf kritisiert. Die vorgesehenen Abgaben auf Einlagen bei zyprischen Banken seien "ungerecht, unprofessionell und gefährlich", ließ Putin am Montag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen seinen Sprecher Dmitri Peskow mitteilen.

Die Euro-Staaten hatten Zypern Hilfen von insgesamt zehn Milliarden Euro zugesagt. Laut dem Beschluss zu dem Hilfsprogramm müssen Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Ob das zyprische Parlament dem Gesamtpaket am Montag zustimmen wird, ist ungewiss.

Die russische Regierung stellte Zypern bereits mehrfach weitere Hilfen in Aussicht. Bei zyprischen Banken liegen hohe Einlagen russischer Bürger. Dem Land wird in diesem Zusammenhang immer wieder Geldwäsche vorgeworfen. Nach Angaben aus dem russischen Finanzministerium wird Zyperns Finanzminister Michalis Sarris am Mittwoch zu Gesprächen in Moskau erwartet.

Rating-Agentur Moody's warnt vor Folgen auf Bankeinlagen

Die Rating-Agentur Moody's warnt vor den Folgen der Zwangsabgabe für heimische Bankkunden. Auch für Gläubiger von Banken anderer europäischer Länder ergäben sich negative Implikationen, schreibt die Agentur in einem Bericht. Unter anderem erhöhe die Entscheidung der Euro-Gruppe das Risiko der Kapitalflucht aus anderen Euro-Krisenländern.

Die Ansteckungseffekte über die Anleihemärkten schätzt die Agentur indes geringer ein. Die Gefahr einer Umschuldung wie in Griechenland, als Inhaber von Staatsanleihen auf einen Großteil ihres Kapitals verzichten mussten, sei vorerst gebannt. Allerdings weiche der Beschluss, Bankkunden eine Zwangsabgabe auf ihre Einlagen aufzubürden, entscheidend von vorherigen Fällen ab, so Moody's. Beispielhaft nennt die Agentur die Unterstützung des spanischen Bankensektors oder des niederländischen Instituts SNS Reaal. Dort wurden Bankkunden nicht zur Kasse gebeten.

Zwar dürften die unmittelbaren Auswirkungen der Zwangsabgabe auf Zypern begrenzt bleiben, schätzt Moody's. Allerdings zeige der Beschluss, dass die Entscheidungsträger im Währungsraum offensichtlich gewillt seien, Verwerfungen an den Finanzmärkten in Kauf zu nehmen.

yes/Reuters/dpa
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