Rabatte vorenthalten US-Regierung fühlt sich von Oracle geprellt

Oracle-Chef Larry Ellison gilt nicht eben als zartbesaitet, wenn es ums Geschäft geht. Im Verhältnis zur US-Regierung hat er den Bogen offensichtlich überspannt. Das Justizministerium wirft ihm vor, dem Staat Rabatte vorenthalten zu haben, die andere Kunden gewährt bekamen.

Oracle-Chef Ellison: Schuldspruch wäre ein Tiefschlag
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Oracle-Chef Ellison: Schuldspruch wäre ein Tiefschlag


New York - Es gibt eine einfache Regel im Beschaffungswesen der US-Regierung, an die sich alle Lieferanten halten müssen. Danach darf ein Unternehmen von der Regierung nicht mehr Geld verlangen als von seinen Kunden aus der Privatwirtschaft.

Gegen diesen Grundsatz aber hat Oracle Chart zeigen eklatant verstoßen. Die US-Regierung sieht sich von dem Software-Konzern sogar regelrecht übers Ohr gehauen. In einer Klage wirft das Justizministerium dem Unternehmen vor, Rabatte verschwiegen zu haben, die es seinen bevorzugten Geschäftskunden gewährte. Damit sei der Steuerzahler geschädigt worden, lautet der Vorwurf. Dem Vernehmen nach geht es dabei um mehrere zehn Millionen Dollar.

Der Kläger kennt die Interna bei Oracle recht gut, denn er hatte dort einst gearbeitet. Er hatte bereits im Mai 2007 im Namen der US-Regierung Klage eingereicht. Das Justizministerium schloss sich der Klage im April an. Nun wurde die Schrift veröffentlicht.

Ganz uneigennützig handelt der Ex-Oracle-Mitarbeiter allerdings nicht. Denn im Erfolgsfall winkt ihm einen Teil des Schadenersatzes.

Für Oracle wäre ein Schuldspruch ein Tiefschlag. Der kalifornische Konzern ist der schärfste Rivale der deutschen SAP Chart zeigen. Die beiden Unternehmen liefern sich im Markt der Unternehmens-Software einen erbitterten Kampf. Erklärtes Ziel von Oracle-Chef Larry Ellison ist es, Marktführer SAP vom Thron zu stoßen. Dazu kauft er seit Jahren im großen Stil zu.

mik/dpa-AFX



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aldente 18.06.2010
1. In Deutschland ganz normal...
In Deutschland ist es die normalste Sache der Welt, dass öffentliche Hand mehr bezahlt, als ein privates Unternehmen. Öffentliche Bauprojekte sind in der Regel doppelt so teuer und dauern doppelt so lang, wie ein vergleichbares privates Bauprojekt. Das ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, und niemand scheint sich wirklich daran zu stören...
a.achmed 18.06.2010
2. Schaden macht nicht immer klug
Hallo Sysop, es ist immer das gleiche; Staaten werden von Unternehmen nicht ins Rabattierungsprogramm einbezogen. Wer seine Mitarbeiter nicht genügend qualifiziert bzw. unterbezahlt oder qualifizierte aber unterbezahlte auf Posten setzt die sich das Einkommen ein wenig aufbessern wollen, muß sich nicht wundern. Das Gejammer ist nachher immer groß, zufälligerweise dringt ausnahmsweise mal eine solche Nachricht an die Öffentlichkeit. Bei uns sieht es doch ähnlich aus. Wer hier das Geld der Bürger großzügig unter die Unternehmer bringt wird als Beamter nicht belangt. Er/Sie kann ja noch immer noch darauf verweisen, das alles von höheren Stellen gegengezeichnet wurde. Und dann sind wir schon in der Politik, aber dann ganz schnell den Schleier der Verdunkelung drüber. Ein Beispiel aus der kleinen Verbandsgemeinde Unkel a.R. soll dies verdeutlichen. Jahrelang wurden Schulden kurzfristig über einen Dispo-Kredit finanziert, anstatt eine kostengünstigere mittel- bis langfristige Finanzierung zu wählen. Der Schaden belief auf ca 500.000,- €. Das Ergebnis war, der Kämmerer wurde vorzeitig pensioniert und der Verbandsbürgermeister entschuldigte sich im Verbandsblättchen. Darüber hinaus wurde Strafanzeige gegen den Veröffentlicher des geheimen Bericht gestellt und eingestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch wegen Veruntreung, aber wie wir wissen verläuft sowas meist im Sande. Schluß endlich bin nicht nur ich der Meinung, das die Systeme mehr Transparenz, mithin mehr Veröffenlichung benötigen um Fehler zu erkennen. Die ganze Geheimnistuerei birgt immer die Gefahr der Fehlerhaftigkeit und der Vetternwirtschaft.
Josef Ritter, 18.06.2010
3. abwegiger Vergleich
Zitat von aldenteIn Deutschland ist es die normalste Sache der Welt, dass öffentliche Hand mehr bezahlt, als ein privates Unternehmen. Öffentliche Bauprojekte sind in der Regel doppelt so teuer und dauern doppelt so lang, wie ein vergleichbares privates Bauprojekt. Das ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, und niemand scheint sich wirklich daran zu stören...
Das ist ein abwegiger Vergleich der auch nur stimmen würde, wenn die einzelne Position, z.B Sack Zement, abweichen würde. Öffentliche Bauprojekte werden aus zwei Gründen teurer. 1. Es reden zu viele Leute mit und rein. 2. Die öffentliche Bauverwaltung kann nichts. Wenn man es auf fertige Endprodukte bezieht, dann ist ein Regierungs-BMW aber billiger als der Privat- oder Geschäfts-BMW. Trotzdem, es wäre ja nicht falsch, wenn man in Deutschland eine entsprechende Regelung, mit Anreizen zur Aufdeckung, verbindlich einführen würde.
FredC2 18.06.2010
4. richtig so
ORACLE gibt in der Tat nach wie vor saftige Rabatte an seine Kunden. Meiner Meinung nach umso mehr, je größer der Kunde. Ich habe das selbst mal gesehen was vom "Listenpreis" übrig bleibt und und dachte zuerst an einen Rechenfehler. Diese Preispolitik ist an sich schon nicht ok. Denn wer schon mehr hat (=Großkonzern), bekommt _noch_ mehr dazu. Eigentlich müssten die "Kleinen" die größten Rabatte bekommen. Aber "Geld zieht Geld an" - übrigens ein Grundproblem des Kapitalismus. Wie dem auch sei: Hochmut kommt vor dem Fall! Und ich hoffe, es wird richtig teuer für ORACLE - mal abgesehen, vom Imageschaden (aber das dürfte Larry egal sein, so wie der drauf ist).
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