Rasante Teuerung Kampf gegen Inflation bremst Chinas Wachstum

Das Plus fällt immer noch üppig aus, doch die Rekordjagd neigt sich dem Ende: Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal um rund neun Prozent gewachsen - es ist das niedrigste Plus seit zwei Jahren. Die Regierung bremst die Konjunktur durch ihren Kampf gegen die hohe Inflation.

Millionenstadt Shanghai: Kampf gegen Inflation senkt Wachstum
REUTERS

Millionenstadt Shanghai: Kampf gegen Inflation senkt Wachstum


Peking - Es ist noch immer ein Wachstum, von dem Nationen wie Deutschland nur träumen können. Während man hierzulande schon frenetisch feiert, wenn die Wirtschaft um mehr als drei Prozent wächst, vermeldet China für das dritte Quartal eine ganz andere Zahl: Um 9,1 Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Das BIP beschreibt den Gesamtwert aller Güter, die eine Volkswirtschaft herstellt.

Doch für China, die kommende Wirtschaftssupermacht, gelten derzeit andere Maßstäbe. Und so muss man wohl sagen: Um "nur" 9,1 Prozent ist die Wirtschaft gewachsen. Denn es ist der geringste Zuwachs seit zwei Jahren. Im ersten Quartal lag das Plus noch bei 9,7, im zweiten bei 9,5 Prozent. 2010 hatte die Wirtschaft der Volksrepublik gar noch um 10,4 Prozent zugelegt.

Das etwas geringere Plus ist politisch durchaus gewollt. Ein Sprecher des Statistikamts sprach von einem "allgemein guten" Wachstum, das auf der Linie der Wirtschaftspolitik der Regierung liege. Die Führung strebt bis 2015 ein durchschnittliches Wachstum von sieben Prozent jährlich an.

Denn zu viel Wachstum ist nicht gesund; es droht eine Überhitzung der Wirtschaft, und vor allem erreicht die Inflation - also der Anstieg der Verbraucherpreise - ein ungesund hohes Niveau. Im September lag die Inflationsrate in China bei 6,1 Prozent. Besonders Lebensmittel werden rasch teurer, ihr Preisschub liegt oft deutlich über der Inflationsrate. Das trifft vor allem arme Familien, die mittlerweile bis zur Hälfte ihres Einkommens für Nahrung ausgeben müssen. Dem Land drohen soziale Unruhen.

China spürt die Krise

Um dem Inflationstrend entgegenzuwirken, hat Peking zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Unter anderem wurden die Zinsen erhöht, was dazu führt, dass sich Unternehmen und Banken weniger Geld leihen. Firmen wurden außerdem zur Mäßigung bei Preiserhöhungen angehalten. Beides bremst das Wachstum.

Auch die Weltfinanzkrise geht an China nicht spurlos vorbei. Da Amerika und Europa mit gewaltigen Schuldenprobleme kämpfen, sinkt die Nachfrage nach vielen Gütern. Die Industrieproduktion im September stieg im Vergleich zum Vorjahr um 13,8 Prozent. In früheren Monaten war das Wachstum oft deutlich größer; im Juli etwa hatte der Außenhandel noch um 20,4 Prozent zugelegt.

Die Regierung versucht derweil, die heimische Nachfrage anzukurbeln. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im dritten Quartal um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während in den ersten neun Monaten insgesamt 17 Prozent erreicht wurden.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Xany 18.10.2011
1. .
Zitat von sysopDas Plus fällt immer noch üppig aus, doch die Rekordjagd*neigt sich dem*Ende: Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal um rund neun Prozent gewachsen - es ist das niedrigste Plus seit zwei Jahren. Die Regierung bremst die Konjunktur durch ihren Kampf gegen die hohe Inflation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792353,00.html
Klug gewirtschaftet ist halb gewonnen. Positive News zu China? Ich marker es mir Rot im Kalender an. Oder Gelb.
marthaimschnee 18.10.2011
2. Das trifft vor allem arme Familien
---Zitat--- Besonders Lebensmittel werden rasch teurer, ihr Preisschub liegt oft deutlich über der Inflationsrate. Das trifft vor allem arme Familien ... ---Zitatende--- und das ist nirgends auf der Welt anders, auch bei uns nicht! Auch hier kämpfen ärmere Menschen mit einem Wertverlust von 10% und mehr pro Jahr, weil ihre Ausgaben hauptsächlich auf die Preistreiber Energie und Lebensmittel entfallen. Reiche dagegen, die besonders viel nicht verkonsumieren müssen, kommen sogar mit einem Vermögenszuwachs davon, weil sie ihre Überschüsse zu Zinsen deutlich über der Inflationsrate anlegen können ... zB in Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln.
EE-Buerger 18.10.2011
3. ein gesunder Weg
Zitat von sysopDas Plus fällt immer noch üppig aus, doch die Rekordjagd*neigt sich dem*Ende: Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal um rund neun Prozent gewachsen - es ist das niedrigste Plus seit zwei Jahren. Die Regierung bremst die Konjunktur durch ihren Kampf gegen die hohe Inflation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792353,00.html
Jeder Volkswirt lernt dass zu hohe Wachstumsraten Gift für die Wirtschaft sind. Und dies abzubremsen ist richtig, ausserdem wersetzen hohe Zinsen die Banken in die Lage mit viel Geld auf dem Weltmarkt zu agieren. Und hier kauft sich China so nach und nach in wichtige Bodenschätze und Handelszentren ein. Auf lange Sicht wird China nicht nur die zweitgrößte Wirtschaftsmacht bleiben - irgendwann wird die 1 vor China stehen. Und wenn hier dauernd von Blasen in China geredet wird, so ist z.B. die Immoblase nicht mit der in Spanien oder den USA zu vergleichen. Man wird sehen ...
loggerbach 18.10.2011
4. Wie man dem Gewinner der Globalisierung...
immer und immer wieder versucht, nachzusagen, dass soziale Unruhen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen drohen, ist schon grotesk. Einige Journalisten sind wahre "Welt"meister, die positive Gesamtentwicklung negativ zu sehen. Siehe: http://www.doppelpod.com/?p=2084&lang=de Was fuer eine Nicht-Nachricht! Kleine Frage: Welche Anzeichen fuer Systemprotest sehen sie denn liebe Lohnschreiberlinge. Ich sehe in London, Stuttgart und Frankfurt die Menschen auf der Strasse. Die Chinesen sind insgesamt recht zufrieden. Es geht ja auch bergauf. Und protestiereren tun die auch (Spoon und co berichten nicht, ich weiss). Nur nicht gegen das System, denn das sichert derzeit Wohlstandsgewinne. Mann, schreibt doch nicht immer das, was Reuters vorgibt, nur weil es Euch ohnehin ins Weltbild passt Die Inflation ist OK. Immoblase nicht existent. Alle Panikmache ist Unfug. China macht recht wahrscheinlich nen Durchmarsch.
ditor 18.10.2011
5. Geisterstädte
Zitat von EE-BuergerJeder Volkswirt lernt dass zu hohe Wachstumsraten Gift für die Wirtschaft sind. Und dies abzubremsen ist richtig, ausserdem wersetzen hohe Zinsen die Banken in die Lage mit viel Geld auf dem Weltmarkt zu agieren. Und hier kauft sich China so nach und nach in wichtige Bodenschätze und Handelszentren ein. Auf lange Sicht wird China nicht nur die zweitgrößte Wirtschaftsmacht bleiben - irgendwann wird die 1 vor China stehen. Und wenn hier dauernd von Blasen in China geredet wird, so ist z.B. die Immoblase nicht mit der in Spanien oder den USA zu vergleichen. Man wird sehen ...
Stimmt, in Spanien oder USA wurden keine ganzen Städte gebaut die nun nicht mal ansatzweise bevölkert sind.
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