Rating-Agentur Fitch plant Rundumschlag gegen Euro-Länder

Der Rating-Riese will seine Drohung wahrmachen: Fitch wird voraussichtlich die Bonitätsnote von sechs Euro-Staaten senken. Besonders hart könnte es Italien treffen - das Krisenland wird möglicherweise gleich um zwei Stufen schlechter bewertet.
Fitch-Zentrale in New York: Drohung wird wohl wahrgemacht

Fitch-Zentrale in New York: Drohung wird wohl wahrgemacht

Foto: Justin Lane/ dpa

Mailand/Frankfurt am Main - Standard & Poor's hat vorgelegt, Fitch zieht nach: Die Rating-Agentur wird wahrscheinlich die Kreditwürdigkeit von sechs Euro-Ländern herunterstufen. Fitch hatte diese im Dezember unter verschärfte Beobachtung gestellt. "Wir erwarten, dass unsere Bonitätsüberprüfung bis zum Monatsende zu Absenkungen um ein bis zwei Stufen führen wird", sagte der für Europa zuständige Abteilungsleiter Edward Parker. Erst am Freitag hatte S&P die Bonität von neun Euro-Staaten gesenkt, darunter Frankreich und Österreich.

Im Vergleich dazu hatte Fitch im Dezember hauptsächlich die bereits bekannten Krisenländer ins Visier genommen: Spanien, Italien, Irland, Zypern, Belgien und Slowenien könnten innerhalb von drei Monaten abgewertet werden, gab die Agentur bekannt. Seitdem galten diese Staaten als Kandidaten für eine Herabstufung.

Vor allem für Italien könnte die Entscheidung der Rating-Agentur schmerzhaft werden. Bereits S&P hatte das Land am Freitag um zwei Noten herabgestuft - das Gleiche hat nun offenbar Fitch vor, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Noch bewertet Fitch Italien mit der fünftbesten Note A+. Nach der Abstufung gälten Italiens Anleihen allerdings noch immer als "prinzipiell sichere Anlage".

Fitch verschont Frankreich und Österreich

Eine niedrigere Bonitätsnote bedeutet für ein Land zumeist, dass es teurer wird, neue Schulden aufzunehmen - im Regelfall muss es bei den Zinsen für das frische Geld spürbar höhere Risikoaufschläge bezahlen. Ob dieser Effekt auch bei den jüngsten Abstufungen durch S&P und voraussichtlich nun Fitch eintreten wird, ist offen. In der vergangenen Woche hatten relativ erfolgreiche Anleihenauktionen von Italien und Spanien Hoffnungen auf eine leichte Entspannung in der Schuldenkrise geweckt.

Die erneute Abstufung durch eine der großen Rating-Agenturen könnte die jüngsten Misstöne im deutsch-italienischen Verhältnis verschärfen. Italiens neuer Regierungschef Mario Monti hat in dieser Woche per Zeitungsinterview eine größere Unterstützung beim Schuldendienst durch Deutschland gefordert - dieses habe schließlich enorm von der Gemeinschaftswährung profitiert.

Trotz der nun wahrscheinlichen Abstufung der sechs Euro-Länder ist Fitch bei der Bewertung der Euro-Staaten im Vergleich zur Konkurrenz am mildesten: Frankreich etwa muss sich um seine Top-Note bei der von französischen Eignern dominierten Agentur in diesem Jahr keine Sorgen machen, sollte sich die Euro-Krise nicht dramatisch verschärfen. Auch Österreich darf seine Bestbewertung behalten.

fdi/dpa-AFX
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